EBM-Streit

Hausärzteverband warnt die KBV

Hinter verschlossenen Türen will die KBV-Vertreterversammlung am Freitag die EBM-Reform beraten. Der Hausärzteverband fürchtet um das Schicksal von Vorstand Regina Feldmann.

Von Helmut LaschetHelmut Laschet Veröffentlicht:
Zur Zeit stark unter Druck: KBV-Vize Regina Feldmann.

Zur Zeit stark unter Druck: KBV-Vize Regina Feldmann.

© KV Baden-Württemberg

BERLIN. Der Deutsche Hausärzteverband hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung aufgefordert, Beschlüsse zu einer möglichen Verschiebung der zum 1. Oktober geplanten Einführung des neuen Einheitlichen Bewertungsmaßstabes (EBM) nicht hinter verschlossenen Türen zu beraten und beschließen.

"Grundlegende Beschlüsse mit weitreichenden Folgen für die deutsche Hausärzteschaft sollten mit dem richtigen Maß an Transparenz getroffen werden und dürfen nicht zum Geheimkommando werden", sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, am Mittwoch.

Nach Angaben des Verbandes sollen die Beratungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

"Übereilte Personalpolitik bringt gar nichts"

Der Hausärzteverband befürchtet, dass auf diese Weise Personalentscheidungen behandelt werden sollen.

"Wir warnen davor, dem hausärztlichen Vorstand der KBV, Regina Feldmann, nun die alleinige Schuld an den EBM-Fehlentwicklungen zuzuweisen", sagte Weigeldt.

"Es bringt hier gar nichts, über eine übereilte Personalpolitik Fehlsteuerungen entgegenwirken zu wollen, die allein dem verkrusteten KV-System geschuldet sind."

In die Kritik geraten war der EBM unter anderem, weil geplante Neuregelungen die fachgruppenübergreifende Kooperation in Medizinischen Versorgungszentren und Berufsausübungsgemeinschaften schlechter honoriert.

Die geplante Reform ist unter den KVen zum Zankapfel geworden. Der Hausärzteverband hatte die Diskussionen als "Theater" bezeichnet, das eine "Katastrophe" darstelle.

Nachspiel angekündigt

Regina Feldmann war bei regionalen KV-Vorständen, insbesondere der KV Hamburg, in die Schusslinie geraten, weil sie entgegen einem Beschluss der Vertreterversammlung bei den Verhandlungen um die Weiterentwicklung der Vergütung für 2014 dem GKV-Spitzenverband gegenüber auf die Forderung nach einer extrabudgetären Vergütung der neuen Pauschalen verzichten wollte.

Dies wurde als nicht abgestimmter Alleingang gewertet. Obwohl Feldmann inzwischen wieder auf die ursprüngliche Verhandlungsposition zurückgekehrt ist, hat der Hamburger KV-Chef Walter Plassmann für die am Freitag stattfindende Vertreterversammlung ein Nachspiel angekündigt.

Lesen Sie dazu auch: EBM-Reform: Chef der KVWL in der Kritik KV Bayerns: Neuer EBM spaltet Haus- und Fachärzte nicht

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. jens wasserberg

Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass

Der Hausarzt-EBM ist gescheitert, seine Macher haben ein unbrauchbares und die Versorgung eher verschlechterndes Konstrukt abgeliefert. Dafür haben sie die Verantwortung zu übernehmen. Wer die durch eigene Fehlentscheidungen zu erwartenden Probleme nicht antizipieren kann und die notwendigen Änderungen nach eindringlichen Hinweisen nicht rechtzeitig vornimmt, der ist schlicht nicht geeignet, über ein Milliardenbudget zu befinden.
Wenn man also am Freitag zu dem Schluss kommen sollte, dass dieser EBM unbrauchbar ist in der aktuellen Fassung - und in diesem Punkt scheinen sich mittlerweile nahezu alle Hausärzte einig zu sein -, der muss dann auch dafür sorgen, dass solche peinlichen und kontraproduktiven Vorgänge in der KBV nicht wiederholt werden können. Dazu gehören dann auch zwingend Personalentscheidungen ohne persönliche Motive.
Wer zwischen Fehlentscheider und Fehlentscheidung so fein unterscheiden will, der muss sich fragen lassen, ob er selber mehr Verantwortung für dieses Desaster trägt, als er öffentlich zugestehen will. Und wer sich von diesem Hausarzt-EBM-Torso inhaltlich und nicht nur opportun distanziert, der muss sich in meinen Augen auch von denen distanzieren, die diesen EBM gegen alle Warnungen und Widerstände weiterhin als Großraumversuch auf Kosten der Ärzteschaft und nur zum selektiven Nutzen allenfalls einiger weniger KVen ans Netz bringen wollen.


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