Im Nordosten wird seltener über Impfungen aufgeklärt

Experten fürchten Rückgang der noch sehr guten Durchimpfungsrate. Finanzielle Aspekte könnten eine Rolle spielen.

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ROSTOCK (di). Immer weniger Ärzte im Nordosten nehmen es auf sich, impfkritische Eltern aufzuklären. Körperschaften und Verbände in Mecklenburg-Vorpommern beobachten diese Entwicklung mit Sorge.

Mit der nachlassenden Aufklärung der Ärzte befürchten Experten eine geringere Durchimpfungsrate. Obwohl diese in Mecklenburg-Vorpommern noch vergleichsweise gut ist, will man nun gegensteuern. Denn bei nachlassender Motivation befürchtet man auch für Mecklenburg-Vorpommern einen weiteren Rückgang der Impfraten.

"Wenn der Doktor nicht sagt, dass geimpft werden muss, dann werden die Kinder und Jugendlichen auch nicht geimpft", lautet die Erfahrung von Dr. Ernst-Detlev Ruickoldt vom Berufsverband der Kinder und Jugendmediziner in Mecklenburg-Vorpommern.

Den Anteil der hartnäckigen Skeptiker unter den Eltern schätzt der Arzt aus Bad Doberan auf nicht höher als rund zwei Prozent. Für den Rest der Bevölkerung sieht er seine Kollegen in der Verantwortung, immer wieder auf die Gefahren unterlassener Impfungen hinzuweisen.

Damit möglichst viele Ärzte im Land die Impfungen vornehmen können, hat die Kammer im Nordosten schon vor Jahren ein Zertifikat eingeführt, das Voraussetzung für eine Abrechnung der Impfungen bei der KV ist. Am Grundkurs Impfungen haben bereits über 8000 Ärzte teilgenommen.

Eine Auffrischung ist alle fünf Jahre erforderlich. Die Zahl der Ärzte, die grundsätzlich impfen und abrechnen dürften, ist also hoch genug. Ruickoldt ist der Meinung, dass auch gar nicht jeder Arzt jede Impfung machen muss. "Aber jede Praxis sollte die richtige Empfehlung geben können und die Patienten weitervermitteln", sagte Ruickoldt.

Zu möglichen Gründen für die nachlassende Motivation, Patienten zum Impfen zu bewegen, zählt Ruickoldt auch finanzielle Motive. Die Zeit für intensive Impfberatung fehle den Praxen häufig für die Behandlung anderer Patienten, mit entsprechenden finanziellen Verlusten.

Ruickoldt hält deshalb eine möglichst attraktive Honorierung für unverzichtbar.

Aus Sicht von Mecklenburg-Vorpommerns Kammerpräsident Dr. Andreas Crusius gibt es keine wissenschaftlichen Gründe, die gegen das Impfen sprechen. Neben einer stärkeren Eigenverantwortung der Bürger hält er auch einen höheren Stellenwert des Impfens schon im Medizinstudium für erforderlich.

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