Coronavirus-Pandemie

Kitas und Schulen öffnen? Giffey wirbt für lokale Lösungen

Ärzte, Virologen und Politiker streiten über die Wiederöffnung von Kitas und Schulen. Die Bundesfamilienministerin betont: Eine Lösung für alle 16 Länder ist schwierig.

Thomas HommelVon Thomas Hommel Veröffentlicht:
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes, stellen den Kinderreport 2020 vor.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes, stellen den Kinderreport 2020 vor.

© Bernd von Jutrczenka/dpa

Berlin. Die Frage der Wiederöffnung von Schulen und Kitas sollte laut Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey regional entschieden werden. „Ich finde es wichtig, dass man in Schritten denkt und die Lage vor Ort beurteilt“, sagte die SPD-Politikerin bei der Vorstellung des „Kinderreports 2020“ am Montag in Berlin.

Das Infektionsgeschehen bei COVID-19 sei in Mecklenburg-Vorpommern und „vielleicht auch in Thüringen“ anders als in den südlichen Bundesländern, wo sich mehr Menschen infiziert hätten, sagte Giffey. Es gebe nicht „eine Lösung für 16 Bundesländer“.

Je nach Infektionslage entscheiden

Die Politik befinde sich aktuell in der schwierigen Lage, zwischen Gesundheitsschutz und Kindeswohl sorgsam abwägen zu müssen, betonte Giffey. „Für das Kindeswohl ist es natürlich gut, wenn die Kinder wieder in ihren gewohnten Alltag kommen. Auf der anderen Seite müssen wird das auch verantwortungsvoll machen.“ Ansonsten stünden erzielte Erfolge bei der Eindämmung des Virus auf dem Spiel.

Kinder weniger infektiös!?

Die Frage der regelhaften Öffnung von Kitas und Schulen wird derzeit unter Ärzten, Virologen und Politikern kontrovers diskutiert. Die Einrichtungen waren Mitte März bundesweit komplett geschlossen worden. Seit Kurzem laufen die Einrichtungen im Notbetrieb.

In der vergangenen Woche hatten Kinderärzte und Krankenhaushygieniker die komplette Wiederöffnung aller Kitas und Schulen angemahnt. Sie hatten dies auch mit der geringen Rolle von Kindern und Jugendlichen im Infektionsgeschehen begründet. Schon jetzt reagierten viele Kinder mit unruhigen Verhaltensweisen auf fehlende Spiel- und Kontaktmöglichkeiten, hatte der Chef des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Dr. Thomas Fischbach, betont.

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Wettlauf um Lockerungen?

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hatte am Wochenende angekündigt, am 6. Juni die in dem Bundesland geltenden Corona-Beschränkungen aufheben zu wollen. Das hat teils harsche Kritik ausgelöst. Der SPD-Gesundheitsexperte Professor Karl Lauterbach sprach in der „Rheinischen Post“ von einem möglichen bundesweiten Wettlauf der Länder um die Lockerung von Restriktionen. Das sei aus medizinischer Sicht „katastrophal“.

An diesem Montag wollen Bund und Länder erneut das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten.

„Keine leichten Zeiten für Kinder“

„Für Kinder und Jugendliche sind die Zeiten der Pandemie schon sehr besondere Zeiten und auch keine leichten Zeiten“, sagte Giffey. Kinder hätten in den vergangenen Wochen sehr viele Einschränkungen hinnehmen müssen. Sie wünschten sich, „wieder ihren gewohnten Alltag in Kita und Schule zurückzubekommen“. Diesen Wunsch teilten auch viele Eltern.

Kinder bräuchten Kinder und das gemeinsame Spiel mit anderen drinnen und draußen, so Giffey. „Es geht darum, dass wir gerade in diesen Zeiten von Tag zu Tag, von Woche zu Woche abwägen, welche Einschränkungen unternehmen wir und welche Lockerungen sind vertretbar.“

Kinderreport mit Schwerpunkt Draußenspielen

Schwerpunkt des vom Deutschen Kinderhilfswerk vorgelegten „Kinderreports 2020“ ist das Thema „Draußenspielen“. In einer für den Report erstellten Umfrage unter 624 Kindern und Jugendlichen sowie 1022 Erwachsenen stufen knapp 70 Prozent der Kinder und Jugendlichen das Spielen im Freien als „wichtig“, „sehr wichtig“ oder „äußert wichtig“ ein. Bei den Erwachsenen sind es 99 Prozent, die sich so äußern.

Der Präsident des Kinderhilfswerkes, Thomas Krüger, forderte mehr Möglichkeiten zum Draußenspielen. Dazu seien mehr temporäre Spielstraßen einzurichten und die Höchstgeschwindigkeit innerorts abzusenken.

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