Coronavirus-Beschränkungen

Kinderärzte fordern: Kitas im Schichtbetrieb öffnen

Über weitere Lockerungen in der Coronavirus-Pandemie beraten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs am Mittwoch. Kinder- und Jugendärzte formulieren eine klare Botschaft an die Runde.

Von Thomas Hommel Veröffentlicht: 04.05.2020, 11:25 Uhr
Kinderärzte fordern: Kitas im Schichtbetrieb öffnen

Alleinerziehende sind von der Coronakrise besonders betroffen.

© Henryk / stock.adobe.com

Berlin. In der Debatte um weitere Lockerungen von Einschränkungen in der Coronavirus-Pandemie haben sich Deutschlands Kinder- und Jugendärzte für eine Teilöffnung von Kindertagesstätten ausgesprochen.

„Kindertagesstätten sollten wieder öffnen – zunächst im Schichtbetrieb und in kleinen, festen Gruppen sowie unter Einhaltung von Hygienevorschriften“, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Dr. Thomas Fischbach, am Montag der „Ärzte Zeitung“.

Im Schichtbetrieb beginnen

Mit einer Teilöffnung der Kitas wäre für die Kinder und ihr „seelisches und gesundheitliches Wohlbefinden schon mal etwas gewonnen“, betonte Fischbach. Es sei noch nicht abschließend geklärt, wie stark Kinder „in den Corona-Rhythmus eingebaut sind und ob sie sich genauso wie Erwachsene infizieren können und selber infektiös sind“, ging Fischbach auch auf aktuelle Diskussionen unter Virologen ein.

Die dazu bislang vorgelegten Studien stünden auf „eher schwachen Beinen“, kritisierte Fischbach. „Dazu hätte man viel mehr Kinder clustermäßig auf das Virus abstreichen müssen, und zwar viel früher und nicht erst jetzt.“

Bund-Länder-Gespräche

Am Mittwoch (6. Mai) wollen Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder über weitere Lockerungen der Auflagen in der Corona-Pandemie beraten.

Vergangene Woche hatte Merkel nach einer Schaltkonferenz mit den Spitzen der Länder „sehr klare Entscheidungen“ in Aussicht gestellt, „in welcher Folge und in welcher Art und Weise“ Schule und Kita wieder möglich seien.

Die Familienminister von Bund und Ländern hatten sich kürzlich für einen behutsamen Wiedereinstieg in die Kinder-Tagesbetreuung in vier Phasen ausgesprochen. Dies sei aus „bildungs- und entwicklungspsychologischen Gründen“ geboten.

„Wichtige Entwicklungsphase betroffen“

„Wir sehen in unseren Praxen zunehmend, dass Familien wegen der geltenden Einschränkungen im öffentlichen Leben mental stark belastet sind“, schlägt auch BVKJ-Chef Fischbach Alarm. Kinder seien von „Freunden und Lebensfreuden“ abgeschottet. „Dies alles trifft vor allem die jungen Kinder in einer sehr wichtigen Entwicklungsphase.“

Die Pädiater bekämen zudem mit, dass Anrufe ratsuchender Eltern bei der Kinderschutz-Hotline aktuell „durch die Decke“ gingen, berichtete Fischbach. „Wir haben bislang noch keine harten Hinweise auf eine Zunahme der Kindeswohl-Gefährdung. Aber das muss man natürlich sehr vorsichtig interpretieren, da wir augenblicklich niemanden haben, der entsprechende Vorfälle meldet.“

Die Teilöffnung der Kitas müsse vor allem für die Kinder alleinerziehender Mütter und Väter gelten, betonte Fischbach. „Sie sind besonders belastet, zumal wenn sie von Kurzarbeit oder drohender Arbeitslosigkeit betroffen sind.“

Solche Stressbedingungen über einen längeren Zeitraum und ohne eine Perspektive aushalten zu müssen, könne krank machen. „Das sind kollaterale Schäden, die die Politik bei der Handlungsplanung mit im Blick haben muss.“

U-Untersuchungen wahrnehmen!

Fischbach appellierte zugleich an Eltern, auch in der Corona-Krise wichtige Impfungen und Untersuchungen der Kinder „unbedingt wahrzunehmen.“ Das Risiko, sich in der Arztpraxis mit dem Virus zu infizieren, sei um ein Vielfaches geringer als im Baumarkt oder in der Fußgängerzone. Kinder- und Jugendärzte seien infektiologisch geschult.

„Wir halten sämtliche Hygieneauflagen ein und vermeiden, dass kranke Kinder mit gesunden in Kontakt kommen.“

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