Impfkampagne

Lauterbach wirbt für Impfpflicht und bekommt Gegenwind

Ohne Impfpflicht sei der Kampf gegen COVID nicht zu gewinnen, sagt der Minister. Die Gewerkschaft Verdi lehnt die Impfpflicht für Gesundheitsberufe gleichwohl ab.

Veröffentlicht:
Während Gesundheitsminister Lauterbach im Bundesrat für die allgemeine Impfpflicht warb, äußerte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (r.) Skepsis an der Umsetzbarkeit.

Während Gesundheitsminister Lauterbach im Bundesrat für die allgemeine Impfpflicht warb, äußerte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (r.) Skepsis an der Umsetzbarkeit.

© Bernd von Jutrczenk / dpa

Berlin. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat seine Forderungen nach einer Ausweitung der Impfkampagne erneuert. Vor dem Bundesrat warb Lauterbach dafür, baldmöglichst eine allgemeine Impfpflicht einzuführen. „Es geht nicht ohne“, sagte der Minister.

Die Omikron-Variante von SARS-CoV-2 habe trotz der ihr zugeschriebenen milderen Eigenschaften das Potenzial, zu einer starken Belastung für das Gesundheitswesen zu werden. Dies legten Erkenntnisse der Universität von Kalifornien in Berkeley nahe. Er mache Ungeimpften keine Vorwürfe, bekräftigte Lauterbach. Sie würden in den Praxen und Kliniken ärztlich genauso behandelt wie Geimpfte. Trotzdem könne man von ihnen verlangen, dass sie eine weitestgehend nebenwirkungsfreie Impfung akzeptierten.

Haseloff betont Eigeninitiative der Länder

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Rainer Haseloff (CDU) hat in einem Redebeitrag vor dem Bundesrat die ab dem 15. März geltende Impfpflicht für Beschäftigte in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen problematisiert. „Da müssen wir sehen, wie wir das machen“, sagte Haseloff. Es müsse politisch klar gelöst werden, dass es nicht zu einem Kollaps komme.

Er verwies darauf, dass nach der Beendigung der pandemischen Lage die Länder eigene Akzente setzen könnten. Dies sei erforderlich, um auf die im Zeitverlauf regional unterschiedlichen Pandemieverläufe zu reagieren.

Gewerkschaft lehnt Impfpflicht für Gesundheitsberufe ab

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat die einrichtungsbezogene Impfpflicht unterdessen abgelehnt. „Eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen darf es nicht geben“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Verdi Frank Wernecke. Die Debatte sei kontraproduktiv. Die Impfung müsse freiwillig erfolgen.

Lesen sie auch

Gleichwohl forderte Wernecke die Beschäftigten im Gesundheitswesen zur COVID-Impfung auf. „Nach Abwägung aller Chancen und Risiken ist es schon aus Gründen des Selbstschutzes und des Schutzes der Angehörigen angeraten, sich impfen zu lassen, sofern nicht ernstliche gesundheitliche Gründe dagegen sprechen“, sagte Wernecke.

KBV warnt vor Impf-Bürokratie

Vertreter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) haben die Diskussion um die einrichtungsbezogene Impfpflicht als Scheindebatte bezeichnet. „In den medizinischen und pflegerischen Einrichtungen, in denen ich tätig bin, kenne ich überhaupt niemanden, der nicht geimpft ist“, sagte der Vorstandsvorsitzende der KBV Dr. Andreas Gassen im Interview mit der „Ärzte Zeitung“. Bei der Kontrolle einer möglichen allgemeinen Impfpflicht fürchte er zudem einen „riesigen bürokratischen Überbau“.

Lesen sie auch

KBV-Vize Dr. Stephan Hofmeister sagte, für ihn sei es selbstverständlich, dass Mitarbeiter im Gesundheitswesen geimpft seien. Er erwarte vom Staat, dass er den Arbeitgebern Möglichkeiten einräume, den Impfstatus zu kontrollieren. (af)

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Wie patientenzentriert ist unser Gesundheitssystem?

© Janssen-Cilag GmbH

Video

Wie patientenzentriert ist unser Gesundheitssystem?

Höhen- oder Sturzflug?

© oatawa / stock.adobe.com

Zukunft Gesundheitswesen

Höhen- oder Sturzflug?

Patientenzentrierte Versorgung dank ePA & Co?

© MQ-Illustrations / stock.adobe.com

Digitalisierung

Patientenzentrierte Versorgung dank ePA & Co?

Umgang mit Multimorbidität in der Langzeitpflege

© Viacheslav Yakobchuk / AdobeStock (Symbolbild mit Fotomodellen)

Springer Pflege

Umgang mit Multimorbidität in der Langzeitpflege

COVID-19 in der Langzeitpflege

© Kzenon / stock.adobe.com

Springer Pflege

COVID-19 in der Langzeitpflege

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Interview

vdek-Chefin Elsner: „Es werden munter weiter Lasten auf die GKV verlagert!“

Neuer Hoffnungsträger

Homotaurin-Prodrug bremst Alzheimer

Lesetipps
Experten fordern von Bund und Ländern verbindliche Vorgaben für die Kooperation von Rettungsleitstellen (Bild) und ärztlichem Bereitschaftsdienst.

© Heiko Rebsch / dpa / picture alliance

Reform des Rettungsdienstes

Bereitschaftsdienst und Rettungsleitstellen sollen eng aneinanderrücken

Die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung steht in vielen Ländern vor großen Herausforderungen. Ein Arzt aus Israel fordert deshalb mehr Zusammenarbeit.

© Vladislav / stock.adobe.com

Weiterentwicklung der Versorgung

Experte: Bei der Transformation international die Kräfte bündeln!

KBV-Chef Dr. Andreas Gassen forderte am Mittwoch beim Gesundheitskongress des Westens unter anderem, die dringend notwendige Entbudgetierung der niedergelassenen Haus- und Fachärzte müsse von einer „intelligenten“ Gebührenordnung flankiert werden.

© WISO/Schmidt-Dominé

Gesundheitskongress des Westens

KBV-Chef Gassen fordert: Vergütungsreform muss die Patienten einbeziehen