Nationale Dekade

Mit neuen Forschungszentren gegen Krebs

Ein Jahr nach Start der „Nationalen Dekade gegen Krebs“ kündigt Forschungsministerin Karliczek bis zu vier neue Standorte für die Tumorforschung an. Zudem sind 13 Studien zur Krebsforschung aufgelegt.

Thomas HommelVon Thomas Hommel Veröffentlicht:
Anja Karliczek (CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung, außer der Studienförderung will die Bundesregierung auch die Strukturen der Krebsforschung ausbauen.

Anja Karliczek (CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung, außer der Studienförderung will die Bundesregierung auch die Strukturen der Krebsforschung ausbauen.

© Britta Pedersen / dpa-Zentralbild / dpa / picture

Berlin. Neuerkrankungen vorbeugen, Überlebenschancen erhöhen, Lebensqualität steigern: Ein Jahr nach ihrem Start kann die von der Bundesregierung aufgelegte „Nationale Dekade gegen Krebs“ erste Ergebnisse vorweisen. So seien 13 Studien beauftragt, mit denen Prävention, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen verbessert werden sollten, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) anlässlich des am Dienstag stattfindenden 20. Weltkrebstags.

Ihr Ministerium stelle bis zu 62 Millionen Euro für die Studienprojekte bereit, sagte Karliczek. Die Projekte widmeten sich „vielschichtigen Themen“. Dazu gehöre etwa die Erforschung krebsbedingter Erschöpfungszustände (Fatigue Syndrom), und die Frage, wie Betroffenen mit Sport und Yoga geholfen werden könne. Eine weitere Arbeit befasse sich mit der Brustkrebs-Früherkennung durch verbesserte MRT-Technik.

„Krebs macht Menschen Angst“

Trotz gestiegener Heilungschancen stelle Krebs nach wie vor die zweithäufigste Todesursache in Deutschland dar, sagte Karliczek. Etwa jeder zweite Bundesbürger erkranke im Laufe seines Lebens daran.

Deshalb sei es nicht überraschend, „dass Krebs die Krankheit ist, die die Menschen am meisten fürchten“. Nahezu in jeder Familie gebe es Betroffene, die teils schwer unter der Krankheit zu leiden hätten.

Die Dekade gegen Krebs habe nach einem Jahr bereits „wichtige Fundamente“ für eine bessere Erforschung von Krebsleiden gelegt, betonte Karliczek. Die Initiative vereine wichtige Akteure aus Forschung, Gesundheitswesen, Wirtschaft und Gesellschaft. Vor allem die gezielte Einbindung von Patienten zeichne die Initiative aus, was auch international auf großes Interesse stoße.

Neue Standorte für Nationales Tumorcentrum

Außer der Studienförderung will die Bundesregierung auch die Strukturen der Krebsforschung ausbauen. Dazu soll das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Dresden und Heidelberg um bis zu vier neue Standorte erweitert werden. Im Sommer soll ein Expertengremium entscheiden, welche Städte den Zuschlag erhalten. Ziel sei es, allen Menschen in Deutschland den Zugang zu hochinnovativer Krebsmedizin zu ermöglichen, sagte Karliczek.

In einem „Online-Dialog“ seien zudem 3000 Bürger, Ärzte und Forscher zur Krebsforschung befragt worden. Die Ergebnisse sollten in die Arbeit der Dekade einfließen. Ein Ziel vereine alle Beteiligten, so Karliczek. „Das ist der Sieg über den Krebs.“ Wann der gelinge, sei unklar. Bis dahin gelte es, „den Menschen die Angst vor der Erkrankung zu nehmen“.

Translation beschleunigen

„Die geplanten neuen NCT-Standorte werden es uns nachhaltig ermöglichen, deutlich mehr Ergebnisse aus der Krebsforschung schnell und sicher in die klinische Entwicklung zu bringen“, zeigte sich der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg und Ko-Vorsitzende des Strategiekreises der Krebs-Dekade, Professor Michael Baumann, überzeugt.

Zudem bekomme die Krebsprävention „endlich“ den Stellenwert in der Forschung, der nötig sei, um die Zahl an Neuerkrankungen langfristig zu senken, so der Onkologe. Durch konsequente Prävention und Früherkennung ließen sich bis zu 70 Prozent der Todesfälle infolge von Krebs verhindern. Dazu gehöre allerdings auch eine Lebensstiländerung vieler Menschen, was nicht immer gut gelinge. „Wir brauchen hier ein neues Denken, wie wir das besser umsetzen.“

Hallek: „Ohne Vernetzung geht es nicht!“

Professor Michael Hallek, Mitglied des Beirats der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, betonte, Ärzte müssten lernen, dass sich nur durch Vernetzung Fortschritte im Kampf gegen den Krebs erzielen ließen. „Dafür braucht es eine gewisse Erziehung.“ Die habe bereits im Studium zu beginnen. Die Erforschung von Krebs sei hochkomplex.

Dass im Zuge des Digitale-Versorgung-Gesetzes (DVG) Abrechnungsdaten der Krankenkassen gezielt für Forschungszwecke verwendet werden könnten, sei gut und prinzipiell richtig, befand Hallek. „Wir investieren Milliarden in Medikamente und Therapien, die wir für kranke Menschen bereitstellen. Wir generieren daraus aber null Wissen.“ Der Patient müsse gleichwohl immer das Recht haben, die Datenspende abzulehnen.

Karliczek sagte, Deutschland könne bei der individualisierten Krebsbehandlung einen „Riesenschritt“ nach vorne machen, wenn Wissen schnell und umfänglich „aus der Praxis zurück in die Forschung“ gelange.

„Mangel an Präventions-Intelligenz“

Unterdessen rief die Felix-Burda-Stiftung dazu auf, beim Thema Krebs die Prävention noch stärker in den Vordergrund zu rücken. Stiftungs-Vorstand Dr. Christa Maar kritisierte in diesem Zusammenhang einen „Mangel an Präventions-Intelligenz in Deutschland“.

Gerade für Darmkrebs gebe es effektive Vorsorgemöglichkeiten, sagte Maar am Montag in München. Bei der Darmspiegelung ließen sich Karzinome bereits im heilbaren Frühstadium diagnostizieren und Polypen abtragen.

Das derzeitige Einladungsverfahren der Kassen zur Darmkrebsvorsorge lasse aber den Willen zur Prävention vermissen. „Dem Schreiben, mit dem die Anspruchsberechtigten zum Darmkrebsscreening eingeladen werden, liegt eine Broschüre bei, die in den Augen des normalen Bürgers den Eindruck vermittelt, dass die Teilnahme eigentlich gar nicht notwendig sei“, kritisierte Maar. Hier müsse rasch nachgebessert werden.

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