Intensivmediziner

Mondpreise für Schutzmasken gegen SARS-CoV-2 sorgen für Empörung

Intensivmediziner klagen über mangelnden Nachschub, die Pflege über zuviel Bürokratie und die Krankenhäuser über Mängel des COVID-19-Entlastungsgesetzes. Reaktionen auf das Entlastungsgesetz der Koalition – eine Auswahl.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 23.03.2020, 11:24 Uhr
Mundschutz: Dringend benötigt – nicht nur für Operationen: Derzeit aber scheinen die Preise dafür durch die Decke zu gehen.

Mundschutz: Dringend benötigt – nicht nur für Operationen: Derzeit aber scheinen die Preise dafür durch die Decke zu gehen.

© © Pixland / Pixland / Thinkstock

Berlin. Preissteigerungen für Atemschutzmasken, mehrlagiger OP-Mundschutz, Untersuchungshandschuhe und laminierte Schutzkittel rufen die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) auf den Plan.

Vertreter der Fachgesellschaft fordern nun Markteingriffe der Regierung. Die 10.000 Masken, die die Politik geordert habe, bedeuteten bei 5000 freien Intensivbetten nur einen Tropfen auf den heißen Stein. Zudem sei davon bislang nichts angekommen.

Überteuerte Schutzausrüstung

Die Ausrüstung werde zu vielfach überteuerten Preisen angeboten, klagt DIVI-Präsident Professor Uwe Janssens. „Wenn nicht binnen weniger Tage ausreichend Schutzausrüstungen für unser medizinisches Personal bereitgestellt wird, dann können die bald nicht mehr arbeiten“, sagte Janssens am Montag.

Er bekomme täglich rund zehn Angebote zur Direktlieferung von Schutzausrüstung. „Diese Angebote sind überwiegend unseriös“, sagt Janssens. Normalerweise koste eine FFP-2 Maske 11 bis 60 Cent das Stück.

Mundschutz: Sieben Euro das Stück

Derzeit würden Preise von sieben Euro das Stück aufgerufen. Ein normaler dreilagiger Klinik-Mundschutz oder eine OP-Maske mit hoher Keimdichtigkeit mit Gummiband koste zu normalen Zeiten zwischen 3 und 15 Cent. Inzwischen verlangten Anbieter das Fünffache.

Von Knappheit betroffen sind auch Beatmungsgeräte. Es müsse mit Lieferzeiten von bis zu 20 Wochen gerechnet werden, sagt Michael Dischinge, Leiter des Einkaufs am St.Antonius-Hospital in Eschweiler.

Zwölfstundenschichten auf dem Plan

Nicht ausreichend berücksichtigt sieht sich der Bundesverband Pflegemanagement mit dem Krankenhausentlastungsgesetz. „Die pflegerischen Bereiche müssen jetzt vollständig refinanziert werden.

Ergänzend ist die Pflege kurzfristig von den Dokumentationspflichten zu befreien“, fordert Peter Bechtel. Vorsitzender des Verbandes. Die Vorbereitungen auf ein Anschwellen der Patientenzahlen liefen auf Hochtouren berichtet Bechtel.

Schon jetzt müssten in der Intensivpflege die Personalkapazitäten verdoppelt werden. Einsatzpläne mit Zwölfstundenschichten seien in Vorbereitung.

Wie stark schränkt der Ausfall von MitarbeiterInnen derzeit ihre Arbeit in der Praxis ein?

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft erkannte am Montagvormittag an, dass Gesundheitsminister Spahn sehr schnell auf die deutliche Kritik am Wochenende reagiert habe. Trotz der Nachbesserungen bleibe aber die grundlegende Schwäche des Gesetzentwurfes, dass die Finanzierung der Kliniken auch im gegenwärtigen Ausnahmezustand weitgehend im Rahmen der komplexen Abrechnungssysteme erfolgen soll , sagte DKG-Präsident Dr. Gerald Gaß.

In den Krankenhäusern herrschten Zweifel, „ob die komplexen, aus dem Regelsystem bekannten, Verwaltungs- und Abrechnungsprozesse auch in der Krise durchgängig funktionieren“, sagte Gaß. Die Krankenhausseite sei unverändert der Auffassung, dass monatliche Abschlagszahlungen, das bessere Konzept für die Krisenfinanzierung sei.

Der vorgesehene Beirat, der die Wirksamkeit des Schutzschirms für die Krankenhäuser bis zum 30 Juni prüfen solle, müsse früher zusammentreten, sagte Gaß.

Asklepios: Bürokratie lähmt

Zuviel Bürokratie beim Aufbau von zusätzlichen Intensivkapazitäten moniert Franz Hafner, Geschäftsführer des Asklepios-Klinikums in Bad Abbach. Jedes einzelne Bett müsse vom jeweiligen Bundesland genehmigt werden, kritisiert zudem Professor Joachim Grifka, Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik Regensburg.

Das koste Zeit, die Deutschland nicht mehr habe. Zudem würde jede Intensiveinheit mit lediglich 50.000 Euro bezuschusst. Nach Berechnungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft lägen die Kosten jedoch bei 85.000 Euro je Intensivbett.

Reha fühlt sich übergangen

Die Vorsorge- und Rehabilitationskliniken warnen vor Insolvenzen binnen weniger Tage. BDPK-Präsidentin Dr. Katharina Nebel hat sich mit der Forderung nach Hilfen an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn gewandt.

Die Kliniken sollten während der Corona-Krise mit einer Monatspauschale in Höhe des Durchschnitts der zurückliegenden zwölf Monate abgesichert werden.

Kurzarbeit bis zur Entlassung

Die vorgesehene Einbindung der Kliniken in die Versorgung geschehe nur halbherzig, die Vorsorge- und Rehakliniken seien im COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz nahezu vergessen worden, heißt es in einer Reaktion des Bundesverbandes Deutscher Privatkliniken (BDPK). Es sei nicht gesichert, wie die Kliniken ihre 120.000 Mitarbeiter in den nächsten Wochen werden bezahlen können. Dringend benötigte Ärzte und Pflegekräfte müssten entlassen oder in Kurzarbeit geschickt werden. Der Verband gibt an, dass die Kliniken in rund 1000 Einrichtungen 167.000 Betten vorhielten.
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