CDU-Gesundheitspolitiker

Monstadt: Umsetzung der Diabetesstrategie „viel, viel schwieriger“

Ambitioniert, aber bisher nur auf dem Papier: Der 2020 im Bundestag verabschiedete Diabetesplan harrt der Umsetzung. CDU-Gesundheitspolitiker Dietrich Monstadt setzt einen Appell an Selbstverwaltung und Länder ab.

Von Thomas HommelThomas Hommel Veröffentlicht:
Die Umsetzung der Diabetesstrategie benötigt einen „langen Atem und viele kreative Frauen und Männer“, so der CDU-Gesundheitspolitiker Dietrich Monstadt.

Die Umsetzung der Diabetesstrategie benötigt einen „langen Atem und viele kreative Frauen und Männer“, so der CDU-Gesundheitspolitiker Dietrich Monstadt.

© Deutscher Bundestag

Berlin. Der CDU-Gesundheitspolitiker Dietrich Monstadt sieht außer dem Bund auch Länder und Selbstverwaltung bei der Umsetzung der Diabetesstrategie in der Verantwortung. Der Rahmenplan müsse jetzt „mit Leben erfüllt werden“, sagte Monstadt bei einer Online-Veranstaltung des Bundesverbands Medizintechnologie (BVMed) am Mittwochabend.

Monstadt, der als Berichterstatter der Unionsfraktion für die Themen Diabetes und Adipositas maßgeblich an der Ausformulierung der Diabetesstrategie mitgewirkt hat, gestand ein, deren Umsetzung sei „viel, viel schwieriger“. Es brauche dafür „langen Atem und viele kreative Frauen und Männer“, die sich aufmachten, die Empfehlungen einzulösen.

Handlungsoptionen nutzen

Zuletzt hatten Diabetesverbände erklärt, der Rahmenplan drohe als Papiertiger zu enden, da vieles zu unverbindlich formuliert sei. Hoffnungsschimmer sei bislang nur das geplante DMP Adipositas. Dieses soll am im Zuge des Gesundheitsversorgungs-Weiterentwicklungsgesetzes (GVWG) auf den Weg gebracht werden. Das Gesetz soll an diesem Freitag den Bundestag in zweiter und dritter Lesung passieren.

Monstadt erklärte, die Diabetesstrategie sei nicht als Gesetz verabschiedet worden. Es handele sich um eine „Handlungsoption“, mit der Prävention und Therapie des Diabetes vorangebracht werden sollten. Dies sei angesichts steigender Patientenzahlen dringend nötig.

Schätzungen zufolge sind in Deutschland mehr als sieben Millionen Menschen an Diabetes erkrankt. Ziel der vom Bundestag im Sommer 2020 verabschiedeten Diabetesstrategie ist es, Prävention und Versorgungsforschung zu Diabetes und Adipositas voranzutreiben.

Zudem soll die Bundesregierung bei der Bundesärztekammer darauf hinwirken, Adipositas vermehrt in der Fort- und Weiterbildung von Ärzten zu verankern. Die Selbstverwaltung soll aufgefordert werden, bei Diabetespatienten stärker für die Teilnahme an strukturierten Behandlungsprogrammen zu werben.

Abbau von Diabetesstationen

Empfehlungen des Diabetesplans seien jetzt auch auf die Landesebene zu transformieren. Das gelte auch mit Blick auf die stationäre Versorgung, betonte Monstadt. Derzeit sei zu beobachten, dass Krankenhäuser und Universitätskliniken diabetologische Stationen abbauten. Auch fehle es zunehmend an eigenständigen klinischen Lehrstühlen. „Wenn ich eine Diabetesversorgung anreichern will, brauche ich dafür auch genug Fachärztinnen und Fachärzte.“ Dasselbe gelte für entsprechend weiterqualifizierte Allgemeinmediziner.

Nötig sei auch ein ressortübergreifender Ansatz zur Vorbeugung von Adipositas. Hierzu sei die Verhaltensprävention auszubauen. Damit müsse bereits in Kitas und Schulen angefangen werden. Einen 30-Jährigen könne man kaum noch überzeugen, „da sind die Messen gesungen“. In der Verantwortung stehe auch die Lebensmittelindustrie. „Freiwillige Selbstverpflichtung ist gut, aber nicht ausreichend“, so Monstadt.

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