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Sozial schwache Familien

Pädiater setzen auf mehr Kooperation mit Jugendhilfe

Den Teufelskreis aus Armut und Krankheit durchbrechen: Das ist ein Ziel von Kinderärzten. Dazu setzen sie auf eine engere Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendhilfe.

Angela MisslbeckVon Angela Misslbeck Veröffentlicht:
Kinderärztin in der Praxis: Für eine optimale Versorgung muss auch der Schritt zur Jugendhilfe gelingen.

Kinderärztin in der Praxis: Für eine optimale Versorgung muss auch der Schritt zur Jugendhilfe gelingen.

© Pleul / dpa

BERLIN. Damit gesundheitlich benachteiligten Kindern aus sozial schwachen Familien wirklich geholfen wird, müssen Kindermedizin und Jugendhilfe eng kooperieren. Davon ist der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) Dr. Karl Josef Eßer überzeugt.

"Wir können die gesundheitliche und sozioökonomische Situation der Kinder nur verbessern, indem beide Systeme zusammenarbeiten", sagte Eßer vergangene Woche beim Kongress des Bundesverbands Managed Care (BMC) in Berlin. Er hält es für nötig, dass Kinderärzte eine Brücke zu den Frühen Hilfen der Jugendhilfe bauen. "Das fehlt bisher: Dieser Schritt aus der Kinder- und Jugendarztpraxis in die Kinder- und Jugendhilfe hinein muss begleitet werden", so Eßer.

Frühe Hilfen sind regionale Unterstützungssysteme mit koordinierten Hilfestellungen für werdende Eltern und Eltern mit Kindern bis drei Jahren in Problemlagen.

Ein groß angelegtes Projekt soll nun gangbare Wege erkunden, wie diese Hilfestellungen auch mit der Kinderarztpraxis verknüpft werden können. "Wir hoffen, dass wir dadurch die Situation vor und nach der Geburt deutlich verbessern", so Eßer. Die DGKJ will für das Modellprojekt in diesem Jahr eine Förderung aus dem Innovationsfonds beantragen.

Das Projekt hat mehrere Säulen. Eine der Säulen soll Eßer zufolge das Projekt Babylotse in Hamburg sein, das bereits mit dem Preis der Gesundheitsnetzwerker ausgezeichnet wurde (die "Ärzte Zeitung" berichtete). Eine weitere Säule entsteht in Nordrhein-Westfalen. Dort bieten drei Kinderarztpraxen regelmäßige Sprechstunden der Jugendhilfe in ihren Praxen an.

Welche Familien in das Projekt eingeschlossen werden, entscheiden die Ärzte anhand eines Screenings. Die Zusammenarbeit zwischen Kinderärzten und Jugendämtern umfasst dabei nicht nur die Sprechstunden, sondern auch Fallbesprechungen, den Kontakt zu den Frühen Hilfen und zu Therapeuten. Außerdem halten sie nach, ob die Familien empfohlene Untersuchungen und Beratungen auch wahrgenommen haben.

Die erste Erfahrung zeigt laut Eßer, "dass das bei den Jugendämtern auf absolut großes Interesse trifft". Entscheidend sei aber schließlich die Akzeptanz bei den Familien. "Wir glauben, dass der Kinder- und Jugendarzt eine Vertrauensperson ist", erklärt Eßer. Ob diese Annahme zutrifft und die Schnittstelle zwischen den Sozialgesetzbüchern mit solchen Modellen überwunden werden kann, soll eine begleitende Evaluation zeigen. Sie erforscht auch, ob das Screening greift.

Das Land Nordrhein-Westfalen fördert das Projekt laut Eßer mit 500.000 Euro. Finanzielle Anreize erhalten die Medizinischen Fachangestellten und die Sozialarbeiter, während die Kinderärzte ihre Mehrleistungen vorerst ohne zusätzliches Entgelt erbringen. "Wir müssen als Ärzte auch in Vorleistung gehen", so Eßer.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Soziale Mobilität: Auf Kooperationskurs

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