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Priscus-Liste: Forscher sehen Nutzen bestätigt

Für alte Patienten gelten bestimmte Arzneimittel als potenziell ungeeignet: Taugt die Priscus-Liste in der Praxis?

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GÖTTINGEN. Die Beachtung der Empfehlungen der Priscus-Liste verbessert bei älteren Patienten die Arzneimittelsicherheit. Dieses Fazit zieht eine Gruppe von Wissenschaftlern um Dr. Heinz Endres vom AQUA-Institut in Göttingen. Sie haben in einer prospektiven Kohortenstudie Zusammenhänge zwischen der Einnahme potenziell ungeeigneter Medikamente für ältere Patienten und ihrer Einweisung ins Krankenhaus untersucht (PLoS ONE 2016, e0146811). Der Studie lagen anonymisierte Abrechnungsdaten von knapp 400.000 Versicherten über 65 Jahre der AOK Baden-Württemberg zugrunde.

Bei älteren Patienten gelten bestimmte Arzneimittel als potenziell ungeeignet, weil sie mit einem erhöhten Risiko für unerwünschte Arzneimittelereignisse einhergehen können. Die seit 2010 vorliegende Priscus-Liste mit 83 Arzneistoffen aus 18 Arzneistoffklassen gilt in ihrer Bedeutung für die Versorgung bisher als umstritten. Sie enthält etwa bestimmte Antiarrhythmika, Antidepressiva, Antihypertensiva oder Sedativa. In beiden Studienarmen erhielten Patienten, deren Medianalter bei 73 Jahren lag, alterstypische Medikamente. 23,5 Prozent erhielten laut Priscus-Liste potenziell ungeeignete Arzneimittel für Ältere verschrieben, die andere Gruppe besser verträgliche Alternativen.

Im Ergebnis hatte die erste Gruppe ein um 38 Prozent erhöhtes Risiko, ins Krankenhaus eingewiesen zu werden. Die Wissenschaftler verfolgten die Zeitspanne vom erstmaligen Abholen eines Medikaments in der Apotheke und der Einweisung bis maximal sechs Monate danach. Nach Angaben von Endres habe die Studie nicht alle Gründe für Einweisungen untersuchen können. Die Autoren vermuten, dass die Zeitspanne von sechs Monaten für einige Patienten, die potenziell unverträgliche Medikamente erhielten, zu kurz gewesen sein könnte. Angesichts der Datengrundlage konnten auch Fragen der Adhärenz und der Selbstmedikation nicht berücksichtigt werden. Trotz der "Unschärfe", so Endres, ließen die Ergebnisse eine "deutliche Tendenz" erkennen, "dass alterstypische Komplikationen bei Einnahme von Priscus-Medikamenten nicht zu vernachlässigen sind". Die Beachtung der Liste bei der Therapie-Entscheidung trage zur Sicherheit bei, so das Fazit. (fst)

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