Rheuma

Psoriasis-Arthritis: Hippocrates sucht personalisierte Therapien

Unter dem Dach eines neuen EU-Forschungsprogramms streben Wissenschaftler, Pharmaunternehmen und auch Patientenorganisationen nach besserer Diagnostik und individualisierten Therapien bei Patienten mit Psoriasis-Arthritis.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Psoriasis-Arthritis? Die Diagnostik ist mitunter kein leichtes Unterfangen.

Psoriasis-Arthritis? Die Diagnostik ist mitunter kein leichtes Unterfangen.

© Astrid Gast / iStock

Dublin. Schätzungsweise fünf bis zehn Millionen Menschen in der Europäischen Union leben mit einer Psoriasis-Arthritis (PsA), einer chronischen immunvermittelten entzündlichen Erkrankung, die die Gelenke, den Bewegungsapparat und die Haut betrifft. Symptome sind Schmerzen, Gelenksteifheit und Ermüdung – und sie kann viele Aspekte des Lebens eines Menschen beeinflussen. Erschwerend kommt hinzu, dass die PsA mit mehreren Komorbiditäten assoziiert ist, insbesondere Depressionen und beschleunigte Arteriosklerose, die zu einer erhöhten kardiovaskulären Morbidität sowie Mortalität beiträgt.

Die PsA entwickelt sich am häufigsten vor dem Hintergrund einer etablierten Haut- und/oder Nagelpsoriasis und zeichnet sich durch eine beträchtliche Heterogenität in Bezug auf klinische Merkmale, Krankheitsverlauf und Ansprechen auf zielgerichtete Therapien aus, und es gibt keine guten Prädiktoren für das Ansprechen auf Therapien. Künftige Behandlungen müssen sich auf frühere Krankheitsstadien konzentrieren und auf der Grundlage detaillierter molekularer Patientenprofile ausgewählt werden, um schlechte Langzeitergebnisse zu begrenzen und möglicherweise die Entwicklung der PsA ganz zu verhindern.

Krankheitsverlauf adressiert

Das ist zumindest Konsens des paneuropäischen Forschungsprojektes „Hippocrates – Promoting Early Identification and Improving Outcomes in Psoriatic Arthritis“. Das Projekt läuft über einen Zeitraum von fünf Jahren mit einem Gesamtbudget von 21 Millionen Euro, das von der Innovative Medicines Initiative (IMI 2), einem gemeinsamen Unternehmen der Europäischen Union und der European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations (EFPIA/Europäischer Dachverband der forschenden Pharmazeutischen Industrie), bereitgestellt wird. 50 Prozent des Gesamtbudgets werden von den EFPIA-Partnern Novartis, UCB, Pfizer sowie BMS und 50 Prozent von der EU beigesteuert.

Projekt-Steckbrief Hippocrates

  • Name: Hippocrates – Promoting Early Identification and Improving Outcomes in Psoriatic Arthritis
  • Dauer: 60 Monate, Projektstart war am 1. Juli 2021
  • Budget: 21 Millionen Euro
  • Konsortium: 26 Partner, Koordination liegt beim Conway Institute for Biomedical and Biomolecular Research am University College Dublin in Irland

Mithilfe der Untersuchung der Krankheitsmechanismen der Psoriasis-Arthritis haben die 26 Partner des neuen Forschungsprojekts das Ziel die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten für Patienten mit dieser Erkrankung verbessern. Durch ein besseres Verständnis des komplexen Zusammenspiels zwischen klinischen und Umweltfaktoren, Genotyp und molekularen Signalwegen will das Team eine frühere Diagnose und eine genauere Vorhersage des Krankheitsverlaufs ermöglichen. Dies werde die Behandlung revolutionieren und tiefgreifende Vorteile für den Patienten bringen, sind sich die Konsortialpartner unter Führung des Conway Institute for Biomedical and Biomolecular Research am University College Dublin in Irland sicher.

„Wir gehen davon aus, dass die Fortschritte von Hippocrates zu bedeutenden neuen Entwicklungen führen werden, die die Lebensqualität der Patienten verbessern“, verdeutlicht Koordinator Professor Oliver FitzGerald. Co-Koordinator Stephen Pennington, Professor für Proteomik an der University Colleague und ebenfalls am Conway Institute tätig, stellt fest: „Die Fortschritte werden sich widerspiegeln in der Identifizierung von Subpopulationen und Endotypen, der Validierung bestehender und der Identifizierung neuer Biomarker, verbesserten Bildgebungsoptionen sowie dem Aufbau einer nachhaltigen Infrastruktur für die zukünftige PsA-Forschung“.

Studie mit 25.000 Teilnehmern

„Diese öffentlich-private Partnerschaft ist eine großartige Gelegenheit, diese sehr heterogene Krankheit zu entschlüsseln und neue PsA-Therapien und Behandlungsstrategien einschließlich präzisionsmedizinischer Ansätze zu ermöglichen“, fügt Dr. Christine Huppertz, bei Novartis Senior Principal Scientist Autoimmunität, Transplantation und Entzündung und bei EFPIA Leiterin des Konsortiums hinzu. Geplant ist eine prospektive Beobachtungsstudie mit 25.000 PsA-Patienten.
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