Vergleich von elf Industriestaaten

Senioren in Deutschland kommen gut durch Corona-Pandemie

Eine Studie des Commonwealth Fund zeigt die gravierenden Einschnitte in der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung für alte Menschen. Die USA schneiden schlecht ab, Deutschland verbucht Bestnoten.

Von Florian StaeckFlorian Staeck Veröffentlicht:
Die Gesundheitsversorgung – wie etwa im Rahmen von Medicare – ist in den USA seit vielen Jahren Gegenstand heftiger Debatten (hier bei einer Kundgebung in Philadelphia im Juli 2019).

Die Gesundheitsversorgung – wie etwa im Rahmen von Medicare – ist in den USA seit vielen Jahren Gegenstand heftiger Debatten (hier bei einer Kundgebung in Philadelphia im Juli 2019).

© Bastiaan Slabbers / NurPhoto / picture alliance

Berlin/New York. Deutsche Senioren sind in ihrer Gesundheitsversorgung deutlich seltener durch die Corona-Pandemie beeinträchtigt worden als in anderen Industrieländern. Das geht aus einer Vergleichsstudie des US-amerikanischen Commonwealth Fund hervor.

Für die Studie sind zwischen März und Juni 2021 insgesamt 18.477 Menschen über 65 Jahre telefonisch befragt worden. Die Umfrageteilnehmer stammten neben Deutschland aus den USA, Kanada, Großbritannien, Australien, Neuseeland, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und der Schweiz.

Groß sind die Unterschiede etwa bei der Frage, ob bei Senioren mit zwei oder mehr chronischen Erkrankungen Arzttermine abgesagt oder verschoben wurden. Davon berichten 37 Prozent der US-amerikanischen Rentner. Jeweils knapp ein Drittel (32 Prozent) der Befragten in Kanada, den Niederlanden oder in Großbritannien machten die gleichen Erfahrungen.

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Dagegen mussten nur elf Prozent der befragten Deutschen eine Verschiebung von Arztterminen oder Untersuchungen hinnehmen – in keinem anderen untersuchten Land war dieser Wert so niedrig – selbst nicht in wohlhabenden Staaten wie Norwegen (17 Prozent) oder der Schweiz (23 Prozent).

Häufige Versorgungsbrüche bei der ambulanten Pflege

Ähnlich sieht es bei der ambulanten Pflege aus: Wer Hilfe beim Essen oder Anziehen zu Hause braucht, erlebte in Kanada (31 Prozent), Großbritannien (30 Prozent) oder in den USA (23 Prozent) am häufigsten Brüche in der Versorgung. Vergleichsweise selten berichten davon Pflegebedürftige in Deutschland – acht Prozent der Senioren waren davon hierzulande betroffen, elf Prozent in den Niederlanden und 13 Prozent in der Schweiz.

Generell sind die europäischen Sozialsysteme im Vergleiche zu jenen in den USA oder in Übersee in der Regel ein Hort der Sicherheit für die Menschen gewesen. 19 Prozent der befragten Senioren in den USA gaben an, sie hätten als Folge der Corona-Pandemie ihre Ersparnisse aufbrauchen müssen oder aber ihren Job verloren. Besonders groß sind die ökonomischen Folgen von Corona für Schwarze (32 Prozent) und Menschen hispanoamerikanischer Herkunft (39 Prozent) gewesen.

Weitgehend von ökonomischen Härten verschont

In Kanada (15 Prozent), Australien (14 Prozent) oder Großbritannien (10 Prozent) haben die Befragten vergleichbare Erfahrungen gemacht. Dagegen ist in Deutschland (drei Prozent) und der Schweiz (vier Prozent) nur eine kleine Minderheit der Senioren von ökonomischen Härten durch die Pandemie betroffen gewesen. Nur geringfügig höher sind die Wert mit jeweils fünf Prozent in den Niederlanden, Norwegen und Schweden.

Der Vizepräsident des Commonwealth Fund, Reginald D. Williams, zog mit Blick auf die USA ein kritisches Fazit: Abermals zeige sich in den Vereinigten Staaten die dringende Notwendigkeit, die sozialen Sicherungssysteme für ältere Menschen auszubauen und Medicare – die Krankenversicherung für Rentner – zu stärken.

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