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Spanien

Solidarität und Hass gegen Ärzte im Corona-Kampf

Die Spanier sind vom Coronavirus sehr schwer gebeutelt. Die Angst vor Ansteckung hat dabei manchmal böse Folgen.

Manuel MeyerVon Manuel Meyer Veröffentlicht:
Eine spanische Krankenschwester öffnet einen Testkit, um eine Patientin in einem Altenheim in Barcelona auf COVID-19 zu testen. Pflegekräfte und Ärzte werden in Spanien zur Zeit gefeiert, aber auch angefeindet.

Eine spanische Krankenschwester öffnet einen Testkit, um eine Patientin in einem Altenheim in Barcelona auf COVID-19 zu testen. Pflegekräfte und Ärzte werden in Spanien zur Zeit gefeiert, aber auch angefeindet.

© Robert Bonet / NurPhoto / dpa

Madrid. Seit über einem Monat treten die Spanier jeden Abend um 20 Uhr an Fenster und Balkone, um Ärzten und Pflegern für ihren Einsatz im Corona-Kampf zu applaudieren. Sie riskieren ihr Leben, sind pausenlos im Einsatz und werden als wahre Helden im Kampf gegen das Coronavirus gefeiert.

Doch je länger die strikten Ausgangssperren dauern, ohne dass die Zahlen von Infizierten und Toten sonderlich abnehmen, desto mehr scheint die allgemeine Solidarität in Hass und Angst überzugehen, vom Gesundheitspersonal angesteckt zu werden.

Das bekam auch Silvana Bonino aus Barcelona zu spüren. Als die Gynäkologin morgens zur Arbeit ins Krankenhaus fahren wollte, fand sie ihren Wagen in der Garage ihres Wohnblocks mit zerstochenen Reifen vor. Auf dem weißen Lack der Seitentür war in großen Buchstaben „infizierte Ratte“ gesprayt.

Anfeindungen sind kein Einzelfall

Was Bonino passierte, ist kein Einzelfall. Als Jesús Monllor eine 12-Stunden Schicht in seiner Klinik in Alcázar de San Juan beendet hatte und nach Hause kam, fand der Arzt einen Zettel an seiner Tür. Darauf stand: „Hallo, Nachbar. Wir wissen um Deine gute Arbeit im Krankenhaus und schätzen sie. Aber Du musst auch an Deine Nachbarn denken. Es gibt hier Kinder und alte Menschen. Es gibt ein Hotel, in dem sie Fachkräfte unterbringen. Solange das andauert, bitte ich Dich, darüber nachzudenken.“

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Ärzte und Pfleger sind einem besonders hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Offiziell infizierten sich in Spanien bereits über 25 .000 bei der Pflege von Erkrankten selber mit dem Virus. Neuste Untersuchungen gehen sogar von bis zu 70 .000 aus. Anscheinend haben immer mehr Nachbarn Angst, Ärzte und Pfleger könnten das Virus nun mit in die Hausgemeinschaft schleppen.

Mehrheit ist voll des Lobes

„Doch die große Mehrheit ist uns dankbar“, versichert Monllor, der den Umzugsaufruf des anonymen Nachbarn ins Internet stellte und damit für Empörung und Solidaritätserklärungen sorgte. Ein anderer Nachbar brachte im Treppenhaus ein Plakat mit der Aufschrift „Hier lebt ein Held“ an. Die Bürgermeisterin der Ortschaft übergab ihm einen Dankesbrief.

In den vergangenen Wochen entstanden landesweit auch zahlreiche Initiativen, um dem überlasteten Klinikpersonal unter die Arme zu greifen. „Um ihnen zumindest die Sorge zu nehmen, nicht ihre eigene Familie anzustecken, bieten wir dem Gesundheitspersonal während der Epidemie kostenlos Wohnungen an, wo sie alleine wohnen können“, erklärt Adolfo Meras, Vorsitzender des touristischen Vermieterbunds Madrid Aloja.

Kostenlose Wohnungen auf Zeit für Ärzte und Pflegekräfte

Nach dem Motto Airbnb war gestern, helfen ist heute, stellt der Verbund Ärzten und Pfleger in Madrid fast 200 Wohnungen gratis zur Verfügung. Der Madrider Lungenfacharzt Edwin Mercedes ist dafür dankbar. Wegen verschiedener Erkrankungen hat er vor einem Jahr seine 72-jährige Mutter zu sich geholt.

„Jedes Mal, wenn ich nach Hause kam, hatte ich Angst, sie eventuell anzustecken“, so der Arzt aus dem Ramón y Cajal Krankenhaus, der seit zwei Wochen kostenlos in einer Airbnb-Wohnung wohnen kann.

Sein Mietvertrag gilt zunächst bis zum Ende des Alarmzustands. Selbst die Nebenkosten übernimmt Vermieter Alberto Mas. „Das ist unser Dankeschön an alle Ärzte und Pfleger“, meint der Spanier. Die Madrider Initiative macht Schule. Auch in Barcelona, Sevilla, Valencia und Malaga bieten Airbnb-Vermieter Klinikpersonal nun gratis Appartements an.

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