COVID-19

Spanien wappnet Gesundheitssystem für zweite Corona-Welle

Die Spanier wollen aus den schlimmen Erfahrungen der vergangenen Wochen Lehren ziehen und ihr Gesundheitssystem jetzt stärken.

Von Manuel Meyer Veröffentlicht: 04.05.2020, 15:57 Uhr
Spanien wappnet Gesundheitssystem für zweite Corona-Welle

Die Präsidentin der Autonomen Gemeinschaft Madrid, Isabel Díaz Ayuso (M.), nimmt an einer Ehrung für die Helden im Kampf gegen das Coronavirus teil. In Spanien werden die Kontaktverbote langsam gelockert und die Regierung zieht erste Konsequenzen aus der schlechten Versorgung der Patienten und des infizierten Gesundheitspersonals in den vergangenen Wochen.

© Cesar Luis de Luca / dpa

Madrid. Die Verbreitung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 verliert auch in Spanien weiter an Fahrt. Seit einigen Tagen wurden in zahlreichen Regionen weder Todesopfer noch Neuzugänge auf Intensivstationen registriert. So ordnete die spanische Regierung am Sonntag nach sieben Wochen die Lockerung der Ausgangssperren an.

Bereits seit vergangenen Samstag dürfen die Spanier getrennt nach Alters- und Risikogruppen wieder im Freien Spazierengehen und individuell Sport machen. Am Montag startete ein Vier-Phasen-Plan, mit dem Ende Juni eine „neue Normalität“ erreicht werden soll. Jede Stufe aus dem Corona-Lockdown soll zwei Wochen dauern, wobei die spanischen Regionen je nach Opfer- und Infektionszahlen schneller oder langsamer in die nächste Stufe übergehen.

Intensivkapazitäten werden verdoppelt

Um die verschiedenen Phase zu durchschreiten und sich vor einer zweiten Corona-Welle zu schützen, gab Gesundheitsminister Salvador Illa den Regionalregierungen vor, öffentliche Krankenhäuser und Gesundheitszentren zu stärken. So schreibt Madrid vor, dass jede Region zwischen 1,5 und 2 Intensivstationsbetten pro 10.000 Einwohner vorhalten muss. Das entspricht einer Verdoppelung der normalerweise zur Verfügung stehenden Intensivstationsbetten in Spanien. Zudem sollen generell zwischen 37 und 40 Krankenhausbetten pro 10.000 Einwohner vorhanden sein.

Vor allem hält das Gesundheitsministerium die Regionen an, die im Zuge der Epidemie aufgestockte Personalstärke in öffentlichen Kliniken und Gesundheitszentren beizubehalten und nicht wieder abzubauen, bis die Verbreitung des Virus unter Kontrolle und der Alarmzustand beendet ist.

Kliniken sollen über Pläne verfügen, bei einer zweiten Welle einen zweigeteilten Krankenhausbetrieb aufnehmen zu können, der die komplette räumliche Trennung von normalen Patienten und COVID-19-Erkrankten garantiert.

Mehr Geld und mehr Personal

Um bei einer zweiten Epidemie-Welle eine erneute Überlastung der Krankenhäuser zu verhindern, sollen die Regionen zudem die Gesundheitszentren personell und materiell verstärken, um die Hausbetreuung und medizinische Telefonberatung von leichten COVID-19-Fällen zu intensivieren. In Spanien übernehmen staatliche Gesundheitszentren die Aufgabe von Hausarztpraxen, die im Land nicht weit verbreitet sind.

Priorität mit Blick auf eine spätestens im Herbst zu erwartende zweite Virus-Welle hat für Spaniens Ministerpräsidenten Pedro Sánchez ein besserer Infektionsschutz für das Gesundheitspersonal. Laut dem Leiter der spanischen Seuchennotfallzentrale Fernando Simón haben sich seit Ausbruch der Epidemie in Spanien rund 42.000 Ärzte und Krankenpflegekräfte mit COVID-19 infiziert – rund 20 Prozent aller Corona-Fälle in Spanien.

In diesem Sinne werde sich die Zentralregierung bemühen, ausreichend Schutzkleidung und Schnelltests für das Gesundheitspersonal parat zu haben. „Wir müssen unsere Beschützer schützen“, sagte Ministerpräsident Sánchez. Gerade zu Beginn der Epidemie Mitte März stellte der Ausfall vieler infizierter Ärzte das öffentliche Gesundheitssystem vor große Herausforderungen.

Regionalregierungen bekommen Kompetenzen zurück

Übernahm die spanische Regierung zunächst die zentrale Leitung, um die Epidemie unter Kontrolle zu bekommen, sollen im Zuge des Exit-Plans nun die 17 Regionalregierungen wieder nach und nach ihre Kompetenzen im Gesundheitsbereich zurückbekommen.

Ihre Aufgabe soll es sein, in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium eigene Pläne auszuarbeiten, wie sie mit der Epidemie umgehen und die Kliniken für eine zweite COVID-19-Welle rüsten.

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