COVID-19-Pandemie

Hohe Inzidenz lässt Ruf nach mehr Drittimpfungen lauter werden

Bayerns Gesundheitsminister Holetschek wirbt für mehr Auffrischungsimpfungen bei Senioren und Vorerkrankten. Die FDP fordert gar eine Impfbooster-Kampagne – und niedrigschwellige Impfangebote in Supermärkten.

Thomas HommelVon Thomas Hommel Veröffentlicht:
Mehr Inzidenzen = ein guter Grund für den dritten Piks? Einige im Gesundheitssystem vertrauen dieser Rechnung.

Mehr Inzidenzen = ein guter Grund für den dritten Piks? Einige im Gesundheitssystem vertrauen dieser Rechnung.

© Fokussiert / stock.adobe.com

Berlin/München. Angesichts steigender Corona-Inzidenzen haben sich Politiker und Verbände für mehr Auffrischungsimpfungen ausgesprochen. „Es ist wichtig, dass insbesondere ältere Menschen vor sogenannten Impfdurchbrüchen geschützt werden“, sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Montag in München.

Mit Boosterimpfungen werde der Schutz vor COVID-19 entscheidend verstärkt, sagte Holetschek. In Bayern haben seinen Angaben zufolge inzwischen gut 207 .000 Menschen die dritte Spritze erhalten. Bundesweit sind es laut Impfdashboard von Robert-Koch-Institut (RKI) und Bundesgesundheitsministerium knapp 1,6 Millionen Menschen.

Drittimpfung auch für Pflegebeschäftigte

Zwar hätten Heimbewohner, bei denen es zu Impfdurchbrüchen komme, zumeist mildere Krankheitsverläufe, betonte Holetschek. Dennoch dürften mögliche Folgen des Long-COVID-Syndroms nicht unterschätzt werden. „Deshalb ist es wichtig, sich zügig für eine Auffrischungsimpfung zu entscheiden.“ Das gelte auch für Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen.

Auch der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, appellierte am Montag an hochbetagte und vorerkrankte Menschen, das Angebot für Drittimpfungen anzunehmen.

Heimbetreiber riefen die Verantwortlichen in den Bundesländern zu, entschiedeneren Maßnahmen zu Drittimpfungen auf. Bei den über 80-Jährigen meldete das RKI für manche Landkreise derzeit Inzidenzen „weit jenseits der 100“, sagte der Chef des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Bernd Meurer.

bpa: Impfteams reaktivieren

Die Länder müssten deshalb für ein flächendeckendes Angebot für Boosterimpfungen in Hausarztpraxen sorgen, so Meurer. „Wo das nicht funktioniert, müssen wieder mobile Impfteams eingesetzt und in die Pflegeeinrichtungen geschickt werden.“

Eine Studie hatte zuletzt ergeben, dass eine Auffrischungsimpfung mit dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff den Impfschutz vor COVID-19, der nach der zweiten Dosis erreicht wurde und im Laufe der Zeit abnimmt, deutlich erhöht. Laut Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz kommen Drittimpfungen außer für Heimbewohner und Menschen mit Vorerkrankungen auch für Personen in Betracht, die nach einer Coronavirus-Infektion eine Impfdosis eines Vektor-Impfstoffs erhalten haben.

Alle zusätzlichen Impfungen werden mit einer einmaligen Impfstoffdosis mit einem der beiden mRNA-Impfstoffe Comirnaty® oder Spikevax® durchgeführt – unabhängig davon, mit welchem Vakzin die erste Impfserie erfolgt ist.

Aschenberg-Dugnus: Niedrigschwellige Impfangebote wichtig

Das RKI gab die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen am Montag mit 110 an. Am Vortag hatte der Wert bei 106 und vor einer Woche bei 74,4 gelegen. Die Hospitalisierungsrate hatte das RKI zuletzt mit 2,68 angegeben. Im Dezember 2020 hatte der Wert bei 15,5 gelegen.

„Steigende Infektionszahlen im Herbst und Winter waren zu erwarten“, kommentierte die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Christine Aschenberg-Dugnus, die Entwicklung. Um vulnerable Gruppen vor einer vierten Welle zu schützen, solle jetzt eine „Impfbooster-Kampagne“ starten. Eine Impfpflicht lehne ihre Partei weiter ab. Nötig seien niedrigschwellige Impfangebote in Fußgängerzonen oder Supermärkten.

SPD-Gesundheitspolitiker Professor Karl Lauterbach erklärte via „Twitter“, die Boosterimpfung müsse an Tempo gewinnen. „Was wirkt am besten? Wechseln wirkt am besten! Moderna für BionTech-Geimpfte, BionTech für Moderna-Geimpfte, und Moderna für J&J-Geimpfte.“

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