COVAX-Allianz

Steinmeier fordert Abgabe von Corona-Vakzinen an ärmere Länder

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ruft Deutschland und Europa auf, einen Teil seiner Corona-Impfstoffe an ärmere Staaten abzugeben. Ähnlich äußert sich WHO-Chef Tedros Ghebreyesus. Konkrete Zahlen und Zeitpläne nennen beide nicht.

Thomas HommelVon Thomas Hommel Veröffentlicht:
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der per Video zugeschaltete WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus nahmen am Montag zur Impfinitiative Covax Stellung.

„Wenn dieses Virus nicht überall auf der Welt bekämpft wird, werden wir es auch global nicht besiegen können“: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der per Video zugeschaltete WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus nahmen am Montag zur Impfinitiative Covax Stellung.

© dpa

Berlin. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zu einer fairen Verteilung von Corona-Vakzinen weltweit aufgerufen. Ärmere Länder in Afrika oder Südamerika dürften bei den Impfungen nicht hinten runterfallen, sagte Steinmeier bei einer Video-Pressekonferenz mit dem Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, am Montag.

„Je rascher auch wir in Deutschland und Europa bereit sind, ein wenig von dem abzugeben, was uns gesichert ist, desto eher können wir das Infektionsgeschehen global eindämmen“, betonte der Bundespräsident.

330 Millionen Impfdosen an 145 Länder

Über die weltweite Allianz zum Einkauf von Corona-Impfstoffen COVAX werde „in diesen Tagen“ mit den Lieferungen der ersten 330 Millionen Impfdosen an 145 Länder begonnen, so Steinmeier. „In all diesen Ländern ist das Leid groß, die Ungeduld natürlich auch, und vielfach auch die Frustration, nicht schnell genug an Impfstoffe zu kommen.“

Deutschland unterstützt COVAX mit über zwei Milliarden Euro. Insgesamt sind für die Impfkampagne gut zehn Milliarden Euro gesammelt worden. COVAX wird von 190 Ländern sowie Stiftungen und Privatunternehmen gestützt.

Gesundheitspersonal zuerst gegen Corona impfen

Dies sei „mehr als nur ein gutes Signal“, sagte Steinmeier. Auf Anhieb ließe sich der derzeit noch knappe Corona-Impfstoff aber nicht „durch und durch“ auf alle Länder gleich verteilen. Vielmehr gehe darum, in ärmeren Ländern „zunächst vorrangig“ Ärzte, Pflegekräfte und weiteres Gesundheitspersonal zu impfen. Nur so ließen sich die ohnehin „schwachen“ Gesundheitsstrukturen dort schützen. „Ansonsten gibt es niemanden mehr dort, der in der Lage ist, Behandlungsmethoden oder gar Impfungen an die Frau und an den Mann zu bringen.“

Zum Vorschlag von Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron, wonach die reichen Länder nach Möglichkeit rasch vier bis fünf Prozent ihrer Impfstoffmengen an ärmere Staaten abgeben sollten, merkte Steinmeier ein, es sei gut, dass auf europäischer Ebene jetzt darüber gesprochen werde. Die Beratungen über Menge und Zeitplan liefen aber noch. Die Bekämpfung der Pandemie sei gleichwohl ein „Lackmustest“ für die Bewältigung weiterer globaler Herausforderungen wie dem Klimawandel.

Bei Corona gibt es „keine Insel der Glückseligkeit“

WHO-Chef Ghebreyesus sagte, der Beginn von Corona-Impfkampagnen in allen Ländern liege auch im Interesse reicher Industrieländer. „Wenn dieses Virus nicht überall auf der Welt bekämpft wird, werden wir es auch global nicht besiegen können.“ Es gebe bei Corona keine „kleine Insel der Glückseligkeit“. Würden einzelne Länder „nicht oder zu spät“ mit Impfstoff versorgt, könne das „der fruchtbare Boden für neue Virusvarianten werden“.

Es sei gut, dass Geld vorhanden sei, um Impfstoffe für ärmere Länder zu kaufen, sagte Ghebreyesus mit Blick auf die vergangene Woche beim G7-Gipfel zugesagten Finanzmittel. Wenn man damit aber keine Impfstoffe erwerben könne, weil reiche Länder alles aufkauften, sei nichts erreicht. Ghebreyesus forderte einen „deutlichen Anstieg“ der Impfstoff-Produktion. Auch Pharmahersteller stünden hier in der Verantwortung. Denkbar sei etwa, Impfstoff-Lizenzen temporär abzugeben.

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