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Westfalen-Lippe

Substitutionsärzte - eine aussterbende Spezies

In Westfalen-Lippe behandeln immer weniger Vertragsärzte Opiatabhängige. Und viele der Aktiven stehen kurz vor dem Ruhestand. Die KV fordert mehr Rechtssicherheit für Therapeuten.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Substitutionstherapie: In Westfalen-Lippe droht eine Lücke.

Substitutionstherapie: In Westfalen-Lippe droht eine Lücke.

© Kay Nietfeld / dpa

KÖLN. In Westfalen-Lippe drohen schon in wenigen Jahren Lücken in der Substitutionsbehandlung Opiatabhängiger.

Immer weniger niedergelassene Ärzte sind in der Substitution aktiv, in absehbarer Zeit wird eine Reihe von ihnen aus der Versorgung ausscheiden. Das zeigen Daten der KV Westfalen-Lippe (KVWL), die wohl exemplarisch für viele Regionen sind.

Nach der Untersuchung von Claus Richter, Leiter der Abteilung Besondere Genehmigungsgebiete bei der KVWL, ist die Zahl der aktiven Substitutionsärzte in Westfalen-Lippe vom Jahr 2000 bis 2013 von 356 auf 280 zurückgegangen.

Die Zahl der Substitutionspatienten hat sich im selben Zeitraum von 5000 auf 11.400 mehr als verdoppelt. "Von den aktiv substituierenden Ärzten sind 91,7 Prozent Hausärzte und lediglich 8,3 Prozent Fachärzte", berichtet Richter.

Sorgen macht Richter die Altersstruktur der in der Substitution tätigen Ärzte. Ihr Durchschnittsalter beträgt 58,4 Jahre. 66,7 Prozent sind älter als 56 Jahre. 56 Ärzte haben zwar die Genehmigung zur Substitution, sind aber nicht in diesem Bereich aktiv.

Die KVWL spricht diese Ärzte gezielt an und versucht, sie zum Engagement in der Substitution zu bewegen, sagt der KVWL-Vorsitzende Dr. Wolfgang-Axel Dryden. "Das ist aber meistens nicht von Erfolg gekrönt."

Probleme auch bei Gesundheitsämtern

Nach Einschätzung von Dryden, der früher als Hausarzt selbst substituiert hat, müssen sich die Rahmenbedingungen ändern. Dazu zählt die Vergütung. "Der nicht unerhebliche Aufwand, der mit der Qualitätssicherung in der Substitution verbunden ist, ist finanziell nirgendwo abgebildet", sagt er.

Für ganz wichtig hält er den forensischen Aspekt. "Als Substitutions-Arzt stehen Sie quasi immer mit einem Bein im Gefängnis." Hier müsse mehr Rechtssicherheit geschaffen werden, fordert Dryden. Schließlich sei die Substitution eine gesellschaftlich gewünschte Aufgabe.

In Westfalen-Lippe sind 18 Einrichtungen, Kliniken oder Gesundheitsämter zur Substitution ermächtigt. Auch sie haben mit Problemen zu kämpfen. Einige Gesundheitsämter haben die Leistung inzwischen eingestellt.

"Die Städte ziehen sich aus der Substitution zurück, fordern uns aber auf, die Versorgung sicherzustellen", berichtet Dryden.

Um Substitutionsmittel verschreiben zu können, müssen Ärzte die Zusatzqualifikation "Suchtmedizinische Grundversorgung" erwerben. Das sei zeitlich und finanziell sehr aufwändig, sagt er.

Deshalb könnte es sinnvoll sein, Interessierten eine spezielle Qualifikation für die Substitutionstherapie anzubieten, ohne dass sie das gesamte Spektrum der Suchtmedizin abdecken müssen.

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