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Pflegestudium

Verbände in Sorge um akademischen Pflege-Nachwuchs

Das Pflegestudium fristet an deutschen Hochschulen ein Nischendasein. Der Pflegerat bezeichnet die Strukturen gar als „fragil“ – und nimmt Bund und Länder in die Pflicht. Wo die Baustellen sind.

Thomas HommelVon Thomas Hommel Veröffentlicht:
Der Deutsche Pflegerat rügt, dass die akademische im Vergleich zur schulischen Ausbildung von Pflegenden benachteiligt wird.

Der Deutsche Pflegerat rügt, dass die akademische im Vergleich zur schulischen Ausbildung von Pflegenden benachteiligt wird.

© Coloures-Pic/ stock.adobe.com

Berlin. Pflegeverbände fürchten um die akademische Ausbildung des Berufsstands. Zwar habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es für die Patientenversorgung außer Pflegehelfern und examinierten Kräften auch hochschulisch ausgebildetes Personal brauche, sagte der Präsident des Deutschen Pflegerats Dr. Franz Wagner, bei einer Veranstaltung der Robert Bosch Stiftung zum Projekt „360 Grad Pflege“. Akademisch qualifizierte Pflegeprofis seien aber noch immer eine „kleine Minderheit“ in Deutschland.

Das Pflegeberufegesetz benachteilige eindeutig die hochschulische Ausbildung, kritisierte Wagner. Absolventen erhielten keine Praktikumsvergütung, überdies werde die Praxisanleitung nicht refinanziert. „Damit wird ein Stück weit der Fortschritt, den wir in diesem Bereich erreicht haben, gefährdet.“ Laut Pflegeberufegesetz können junge Menschen auch ein berufsqualifizierendes Pflegestudium absolvieren.

Über Nacht eine Fakultät weniger

Das Beispiel der Fakultät für Pflegewissenschaft der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar führe vor Augen, wie „fragil“ die Strukturen der akademischen Pflegeausbildung seien, sagte Wagner. „Dass mit einem Federwisch eine etablierte und zentrale Fakultät geschlossen werden soll, zeigt, dass wir hier noch keine Normalität erreicht haben.“

In vielen Bundesländern gebe es zu wenig, mitunter gar keine Unterstützung pflegewissenschaftlicher Kapazitäten insbesondere an staatlichen Hochschulen, so Wagner. Es brauche mehr Studienplätze und Promotionsprogramme, um Lehre und Forschung in der Pflege sicherzustellen.

Der Wissenschaftsrat habe die Zielmarke von zehn bis 20 Prozent an hochschulisch qualifizierten Pflegefachpersonen definiert. Im internationalen Vergleich sei das ziemlich wenig. In den USA etwa liege die entsprechende Zielmarke bei 80 Prozent.

Pflege in existenzieller Krise

Die Sorge, bei einer steigenden Zahl akademischer Fachkräfte fehle es am Ende an Personal, das am Patientenbett stehe, wies Wagner zurück. Eine komplexere Versorgung, aber auch der wachsende Bedarf an klinischer Expertise mache eine ausreichende Zahl an studierten Fachpersonen nötig.

Die Pflege in Deutschland befinde sich in einer existenziellen Krise, befand Wagner. In den nächsten zwölf Jahren erreichten 40 Prozent der Beschäftigten das Rentenalter. Das entspreche 500 .000 Fachkräften. Ein Drittel der Pflegekräfte sagten laut Umfragen, dass sie ernsthaft darüber nachdenken, nach der Corona-Pandemie den Beruf an den Nagel zu hängen. Verbände hätten lange vor dem Pflegexit gewarnt – „leider ungehört“.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe zwar mehr für die Pflege getan „als vier seiner Vorgänger zusammengenommen“. Aber: „Das ist alles zu wenig und viel zu spät.“

Berufsbilder stärker verzahnen

Ziel des Projekts „360 Grad Pflege“ ist es, verschiedene Berufsbilder in der Pflege für den Praxiseinsatz in Kliniken und Heimen besser zu verzahnen. Dazu wurden sieben Leuchtturmprojekte benannt, in denen ein sogenannter Qualifikationsmix erprobt wird.

Die Projekte zeigten, dass akademisch ausgebildete Pflegekräfte in der Patientenbetreuung bislang zu wenig zum Einsatz kämen, stellte Dr. Bernadette Klapper von der Robert Bosch Stiftung fest. Zudem mangele es an Karrierekonzepten.

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