Corona-Pandemie

Verbände warnen vor Engpässen bei Schutzausrüstung in Heimen

Altenverbände rufen die Politik auf, rasch für Nachschub an Mundschutz und Desinfektionsmitteln in Heimen zu sorgen. Auch Pflegeschulen bitten um Unterstützung.

Von Thomas Hommel Veröffentlicht: 02.04.2020, 10:38 Uhr
Verbände warnen vor Engpässen bei Schutzausrüstung in Heimen

Die Sorge in Alten- und Pflegeheimen wächst, dass sich Bewohner mit SARS-COV-2 infizieren könnten. Welche Folgenn das hätte, zeigen die bekanntgewordenen Vorfälle in Pflegeeinrichtungen in Wolfsburg und Würzburg.

© Peter Steffen/dpa

Berlin. Alten- und Pflegeverbände haben mehr Mundschutz und Desinfektionsmittel für Senioreneinrichtungen gefordert. „Wenn in Pflegeheimen eine rasante Verbreitung des Coronavirus wegen nicht vorhandener Schutzmasken und Desinfektionsmittel nicht verhindert werden kann, werden viele Patienten die eigentlich gut vorbereiteten Kliniken überlasten und die Sterblichkeit wird sprunghaft steigen“, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP), Professor Michael Rapp.

Rapp warnte davor, Heime zu schließen und alte Menschen in eine krankmachende Isolation zu bringen. Auch deshalb sollten Ärzte und Therapeuten weiter in die Einrichtungen kommen können.

Ärzten und Therapeuten weiter Zugang ermöglichen

Ähnlich äußerte sich der CDU-Gesundheitspolitiker Alexander Krauß. Er kritisierte Heime, die Ergotherapeuten den Zutritt verwehrten. Medizinische Behandlungen müssten weiterhin ausgeführt werden können, betonte Krauß am Donnerstag in Berlin. Auch Altenheimbewohner hätten ein Recht auf ihre Therapien. Ausnahmen seien nur dann denkbar, wenn aufgrund einer Corona-Infektion eine Einrichtung ganz besondere Vorsichtsmaßnahmen an den Tag legen müsse.

In den vergangenen Tagen war es in einzelnen Bundesländern zu vielen SARS-CoV-2-Infektionen bei Heimbewohnern gekommen.

„Täglich Anrufe obskurer Anbieter“

Der Deutsche Berufsverband für Altenpflege (DBVA) rief Politiker dazu auf, sich bei der Bereitstellung von Schutzmaterialien und Beatmungsgeräten nicht nur auf Kliniken zu konzentrieren, sondern sich auch der Situation in Alteneinrichtungen anzunehmen. „Die Heime brauchen jetzt ganz dringend Desinfektionsmittel, speziell zur Händedesinfektion, sowie ausreichende Schutzmasken und ausreichend Personal, damit ein sicherer und normaler Betrieb möglich ist“, sagte DBVA-Vorstandsmitglied Ursula Hönigs.

Die Häuser erhielten täglich Anrufe obskurer Anbieter von Schutzausrüstungen, deren Qualität nicht nachprüfbar und deren Preise astronomisch seien. „Hier muss die Politik sofort handeln und den Nachschub sicherstellen“, verlangte die Leiterin des Hermann-Josef-Altenheims in Erkelenz im Kreis Heinsberg.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege erklärte, auch in der dritten Woche der Corona-Pandemie sei es nicht gelungen, ausreichend Schutzkleidung und Masken für all diejenigen zu beschaffen, die sich um hilfebedürftige Menschen kümmerten. Applaus für Pflegende alleine reiche nicht. Diese bräuchten dringend Schutzausrüstung.

Pflegeschulen: Sind vom Digitalpakt abgeschnitten

Der Bundesverband Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe (BLGS) forderte die Bundesregierung auf, auch den Gesundheitsschulen in der Pandemie zu helfen. „Die Schulen des Gesundheitswesens befinden sich im Krisenmodus“, sagte BLGS-Vorsitzender Carsten Drude. Der Unterricht müsse auf Fernunterricht umgestellt werden, ohne dass dafür ausreichend digitale Ressourcen bereitstünden.

Für die Pflegeschulen komme erschwerend hinzu, dass viele zum 1. April mit den Ausbildungsgängen nach dem neuen Pflegeberufegesetz starten würden. Abhilfe schaffen könnten Fördermittel aus dem „Digitalpakt Schule“. Antragsverfahren dafür seien aber langwierig.

In Berlin seien Schulen des Gesundheitswesens bisher völlig vom Digitalpakt ausgeschlossen und könnten gar keine Mittel beantragen, kritisierte Drude.

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