Onkologie

Viel Lob für die Dynamik des Krebsplans

Der Nationale Krebsplan geht in die nächste Entwicklungsrunde. Schwerpunkte sind die neuen Screenings und die Finanzierung - von neuen Behandlungsprogrammen und der Leitlinienarbeit. Patientenvertreter mahnen mehr Tempo an.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Schon etabliert: Vorsorgekoloskopie.

Schon etabliert: Vorsorgekoloskopie.

© Patrick Pleul / dpa

BERLIN. Der Nationale Krebsplan wird fortgesetzt. Vertreter des Bundesgesundheitsministeriums haben beim 31. Deutschen Krebskongress die weitere Umsetzung des Plans angekündigt.

Mit dem Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz von 2013 habe der 2008 angestoßene Prozess ungeheure Dynamik gewonnen, sagte Antonius Helou, Referatsleiter im BMG, bei der Auftaktveranstaltung des Kongresses am Mittwoch in Berlin. Es zeige, wie wichtig es sei, dass gesetzliche Rahmenbedingungen die fachlichen Anstrengungen unterstützten und nicht bremsten.

Patientenvertreter mahnten an, den Krebsplan schneller umzusetzen. Notwendig seien zudem Ergänzungen um ein Screening-Programm zur Früherkennung von Kopf-Hals-Tumoren ergänzt werden, sagte Werner Kubitza vom Verband der Kehlkopfoperierten.

Dafür, dass Tempo gemacht werde, gebe es gleichwohl Belege, betonte Helou. So habe der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) nur 36 Monate Zeit erhalten, um die Voraussetzungen für zwei organisierte Krebsfrüherkennungsprogramme, Darm- und Gebärmutterhalskrebs, zu schaffen. "Das sind sehr ehrgeizige Fristen", sagte Helou.

Hofstädter: Synergistische Sicht auf das Ganze

Die Sprengkraft des Nationalen Krebsplans liege darin, dass er ein Versorgungsproblem umfassend in den Blick nehme, sagte der Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft, Dr. Johannes Bruns. Dafür werde die Onkologie von anderen Fachgebieten beneidet.

Die Fachleute waren sich einig, dass andere Disziplinen zunächst ihre Partikularinteressen überwinden müssten, um an die Erfolge des onkologischen Aktionsplans anknüpfen zu können.

Professor Ferdinand Hofstädter von der Universität Regensburg unterstützte diesen Standpunkt. Das Bestechende an dem Prozess des Nationalen Krebsplans sei die synergistische Sicht auf das Ganze. Ein Beispiel sei, dass die Deutsche Krebshilfe den vom Gesetz geforderten Aufbau flächendeckender klinischer Krebsregister finanziell unterstütze.

Die Krebshilfe, die Deutsche Krebsgesellschaft und die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren sind gemeinsam mit der Bundesregierung die Initiatoren und Träger des Nationalen Krebsplans. Diese Konstellation lasse eine Dynamik entstehen, die auf die richtigen Inhalte abhebe und weniger Wichtiges hintanstelle, sagte Hofstädter.

Kassen sollen Leitlinienarbeit finanzieren

Die Fachleute mahnten mehr Versorgungsforschung an. Es gebe Hinweise darauf, dass die Versorgung von Krebspatienten in Zentren besser sei als außerhalb. Harte Fakten aber lägen dazu nicht vor, sagte Hofstädter.

Sicher sei allerdings, dass die Ärzte im System der Zentren nicht nur Zuweiser, sondern Teil des wissenschaftlichen Prozesses seien. Gerd Nettekoven, Vorstand der Deutschen Krebshilfe, forderte eine stärkere Berücksichtigung der mit dem Krebsplan entstehenden Strukturen in der Finanzierung der Krankenhäuser.

Dafür müsse erhoben werden, was der Mehraufwand für die neue Organisation der Krebsmedizin, zum Beispiel die Tumorboards kosteten. Das erleichtere die Verhandlungen mit den Kostenträgern.

Leitlinien sollten von den Kostenträgern finanziert werden, forderte Professor Matthias Beckmann, Direktor der Frauenklinik Erlangen. Jüngere Ärzte für das freiwillige und unentgeltliche Aufsetzen von Leitlinien zu gewinnen, werde immer schwieriger.

Ende des Jahres werde es 24 bis 25 fertige S 3-Leitlinien für die Krebsbehandlung geben, kündigte Beckmann an. Da eine Leitlinie zu schreiben mindestens 2,5 Jahre dauere, sei dem Nationalen Krebsplan damit ein enormer Kraftakt gelungen. Zu Beginn des Programms im Jahr 2008 habe es nur fünf fertige S 3-Leitlinien auf diesem Gebiet gegeben.

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