Versorgungsforschung

Viele Projekte werden nicht evaluiert

Versorgungsforschungsprojekte hinken ihren Ansprüchen hinterher – das moniert Gesundheitsexperte Gerd Glaeske vor Pädiatern in Hamburg.

Veröffentlicht: 21.09.2016, 10:51 Uhr

HAMBURG. Viele Versorgungsforschungsprojekte in Deutschland halten bei weitem nicht das, was sie versprechen – und werden zudem unzureichend evaluiert. Das kritisierte Dr. Gerd Glaeske vom Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ) in Hamburg.

Der Anspruch von Versorgungsforschungsprojekten, eine "aufdeckende Forschung" zu sein, die zu mehr Wirksamkeitsnachweisen in der Alltagsversorgung führe, könne damit nicht erfüllt werden, sagte er. An dieser Misere habe sich in den vergangenen Jahren kaum etwas geändert.

"Absoluter Blödsinn"

Glaeske: "Man kann sich heute sehr gut im System einrichten, ohne zu wissen, was man eigentlich tut."

Hinzu komme, dass häufig eine externe Evaluation fehlt, was zu Fehlinterpretationen von vermeintlich innovativen Versorgungsmodellen führen könne. So würden zum Beispiel die Kassen behaupten, dass Disease-Management-Programme (DMP) bereits nach drei Jahren zu einer Abnahme der Mortalität geführt hätten.

Nach Ansicht von Glaeske ist dies "absoluter Blödsinn", weil es dazu keine neutral erhobenen und evidenzbasierten Daten gebe. Auch die Abschaffung der Praxisgebühr sei nie evaluiert worden und aus politischen Gründen erfolgt. Glaeske: "Wir wissen bis heute nicht, ob und wie die Gebühr gewirkt hat."

Lebensqualität zu wenig im Fokus

Zudem werde bei der Versorgungsforschung zu wenig auf qualitative Parameter wie etwa die Lebensqualität geachtet. In weniger als zehn Prozent der Studien spiele sie überhaupt eine Rolle. Und selbst wenn dies – wie etwa bei der Psychoonkologie – der Fall ist, sei es immer noch schwer, "positive Ergebnisse in das System zu implementieren."

Daher sollte Versorgungsforschung in Zukunft auch klären, warum die Erkenntnisse, die aus Studien resultieren, nicht in der Praxis ankommen. (ras)

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