Vorhofflimmern

Vorbote des Schlaganfalls

Das Weißbuch Schlaganfallprävention konzentriert sich auf die Vorzeichen: Vorhofflimmern müsste gerade in Hausarztpraxen ins Bewusstsein rücken.

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BERLIN. Schlaganfälle kommen unerwartet, aus heiterem Himmel, ist eine weit verbreitete Meinung - doch so ist es wohl nicht. Der Körper sendet vorab Signale.

"Kardiale Embolien im Zusammenhang mit Vorhofflimmern sind eine häufige Ursache ischämischer Schlaganfälle", heißt es im Weißbuch "Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern", das Autoren des IGES-Instituts kürzlich verfasst haben. Dabei spielt auch die in den letzten Jahren kontroverse Diskussion um eine adäquate Antikoagulation eine nicht unwesentliche Rolle.

Jedes Jahr erleiden rund 150.000 Menschen in Deutschland erstmalig einen Schlaganfall. 9400 dieser Ereignisse ließen sich durch Prävention verhindern, ist Hans-Holger Bleß vom IGES-Institut überzeugt.

Bei einer wissenschaftlichen Diskussion des Weißbuchs stellte Bleß fest, dass von den 1,8 Millionen Menschen mit Vorhofflimmern eine hohe Zahl unter- und fehlversorgt werde.

Um hier Abhilfe zu schaffen, seien Hausarztpraxen gefordert: Die Versorgungsassistentinnen (VERAHs) sollten beim Pulsmessen ebenso auf Hinweise auf Vorhofflimmern achten wie Apotheker und Betriebsärzte.

Mit Leitlinien-Scores vertraut machen

Hintergrund der Debatte ist die parallele Versorgung der Patienten mit herkömmlichen Koagulationshemmern und neueren Präparaten, denen der GBA in der frühen Nutzenbewertung einen Zusatznutzen bescheinigt hat.

Ein völliger Schwenk hin zu den neuen Präparaten könnte vordergründig ein Kostenrisiko für die Kassen bedeuten. Nikolaus Schmitt von der Barmer GEK forderte daher eine regelhafte Kosten-Nutzen-Bewertung fünf Jahre nach dem AMNOG.

Aus Registerdaten lasse sich schließen, dass zwischen 13 und 43 Prozent der Patienten gar keine orale Antikoagulationstherapie erhalte. Zwischen acht und 20 Prozent der Patienten werde nach wie vor mit ASS behandelt. Experten forderten daher längst eine Konsensus-Konferenz, um Handlungssicherheit für alle Ärzte herzustellen, sagte Hans-Holger Bleß.

Ärzte sollten mit den Leitlinien-Scores vertrauter gemacht werden, ergänzte Professor Thomas Lichte, niedergelassener Arzt und Lehrstuhlinhaber vom Institut für Allgemeinmedizin der Uni Magdeburg. So zählten zum Beispiel auch sportlich aktive Menschen zur Risikogruppe für Vorhofflimmern und Schlaganfall.

Die Frage an den Patienten "Stolpert Ihr Herz?" solle Standard werden. Versorgungsvorteile ließen sich gewinnen, wenn die Anreize für Hausärzte, Elektrokardiogramme aufzuzeichnen, nicht negativ wären, sagte Lichte.

Eher reserviert wurde ein Screening auf Vorhofflimmern diskutiert. Das Flimmern zu entdecken sei wichtiger als den PSA-Wert zu messen, der Hinweise auf Prostatakrebs liefern kann, sagte Lichte.

Unschärfe scheint es aber auch bei der Untersuchung zu geben. "Das Herz gibt viel von sich, das nichts mit Vorhofflimmern zu tun hat", sagte Professor Michael Näbauer von der LMU München. (af)

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