Kommentar zum Streit um die Approbationsordnung

Wider das Systemversagen

Mit finanziellen Horrorszenarien wird versucht, die politischen Ziele des Masterplans Medizinstudium rückabzuwickeln. Das ist kurzsichtig.

Von Florian StaeckFlorian Staeck Veröffentlicht:

Am Anfang des Masterplans Medizinstudium 2020 stand – und steht bis heute – ein Systemversagen: Es werden in Deutschland dauerhaft zu wenig Allgemeinärzte weitergebildet, um die Versorgung der alternden Bevölkerung sicherstellen zu können.

Zum Vergleich: In Belgien, den Niederlanden oder Frankreich liegen die gesetzlich vorgeschriebenen hausärztlichen Weiterbildungsquoten bei rund 40 Prozent.

Von solchen Vorgaben kann in der geplanten Approbationsordnung keine Rede sein. Es geht allein darum, die Sichtbarkeit des Fachs Allgemeinmedizin im Studienverlauf zu vergrößern, um mehr Studierenden die Vielfalt und Chancen des Fachs zu präsentieren.

Doch dieser 2017 mühsam erzielte Konsens bröckelt: Der Widerstand aus dem Medizinischen Fakultätentag (MFT) und Teilen der Kultusbürokratie gegen die Umsetzung der mit dem Masterplan verbundenen Ziele ist groß.

In Zeiten coronabedingt angespannter Länderhaushalte lässt sich mit Drohszenarien trefflich Politik machen. Von Mehrkosten von bis zu 500 Millionen Euro pro Jahrgang ist die Rede. Diese Zahl reicht, um Länderfinanzminister in Schockstarre zu versetzen.

Die neuen Berechnungen der DEGAM, nach denen tatsächlich mit Zusatzkosten von 60 Millionen Euro pro Jahr zu rechnen ist, bieten auch die Chance, in Ruhe eine Politikfolgenabschätzung vorzunehmen: Blutet die hausärztliche Versorgung mangels Nachfolgern langfristig aus, bekommt die Politik Probleme ganz anderer Größenordnung: die Delegitimation des Sozialstaats.

Schreiben Sie dem Autor: florian.staeck@springer.com

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