Kommentar zum SARS-Lockdown

Wir brauchen eine Exit-Strategie!

Der politisch verordnete Lockdown, um die aus Ausbreitung von SARS-CoV-2 einzudämmen, ist bitternötig. Doch wir brauchen eine klare Exit-Strategie.

Von Thomas Müller Veröffentlicht: 17.03.2020, 14:41 Uhr

Deutschland steht still – und das ist gut so. Der „Lockdown“ ist leider bitternötig, um eine weitere Ausbreitung von COVID-19 zu verhindern: Schulen und Restaurants schließen, Veranstaltungen werden abgesagt, Arbeitnehmer sind im Homeoffice – all dies hilft, Kontakte zwischen Menschen zu vermeiden.

Die Politik hat hier vieles richtig gemacht und Vertrauen aufgebaut. Umso wichtiger ist es, jetzt nicht übers Ziel hinauszuschießen und dieses Vertrauen leichtfertig zu verspielen.

So sind Grenzschließungen innerhalb der EU derzeit auf absurde Weise nutzlos – ganz Europa befindet sich bereits im Ausnahmezustand, wer reist da noch zum Spaß nach Deutschland?

Ein schmaler Grat

Das Virus verbreitet sich längst in allen Ländern, es kommt nun darauf an, das öffentliche Leben herunterzufahren, nicht die Schlagbäume an den Grenzen. Solche Maßnahmen markieren eher einen Rückfall in alte Nationalismen und xenophobe Fantasien, sie steigern zudem das Panikniveau und ermuntern Hamsterkäufer nach dem Motto: Wer weiß, was denen morgen alles einfällt.

Der Grat zwischen sinnvollem Handeln und purem Aktionismus ist jetzt ein schmaler, und wenn sich die Landesregierungen fast stündlich mit neuen Einschränkungen überbieten, so muss eines klar sein: Wir brauchen dafür eine Exit-Strategie.

Die schrecklichen Bilder in Italien vor Augen wird die Bevölkerung sicher einige Zeit bereit sein, solche Maßnahmen zu tragen, doch das kann sich rasch ändern – und zwar spätestens dann, wenn die Sterbe- und Infektionszahlen dank der Einschränkungen sinken und gleichzeitig der ökonomische Schaden des Lockdowns voll durchschlägt.

Niemand wird bereit sein, seine wirtschaftliche Existenz wegen eines Virus aufs Spiel zu setzen, das bei den allermeisten Menschen nur eine Erkältung verursacht. Auch das sollten die Entscheidungsträger im Hinterkopf haben.

Eindämmung nicht um jeden Preis

Was ist also zu tun? Zunächst einmal gilt es, die Zeit des Lockdowns zu nutzen – etwa um Kliniken in den nächsten Wochen so auszustatten, dass sie mit einer COVID-19-Erkrankungswelle besser klar kommen: mehr Intensivbetten, mehr Schutzkleidung, mehr Atemgeräte, mehr und schnellere Diagnostik.

So werden nun Point-of-Care-Antigentests entwickelt, die schon in wenigen Monaten die umständliche PCR-Diagnostik ablösen könnten: Etwas Sputum auf einen Streifen, verfärbt er sich, ist die Person positiv. Erst damit ließe sich das wahre Ausmaß der Epidemie erkennen.

Letztlich wird aber kein Weg daran vorbeiführen, die Schutzmaßnahmen nach einigen Wochen wieder sukzessive aufzuheben. Wir haben jetzt die Chance, das Virus stark zurückzudrängen und Zeit zu gewinnen. Stoppen lässt sich die globale Ausbreitung aber kaum noch – wir werden wohl länger mit SARS-CoV-2 leben müssen.

Darum darf es irgendwann nicht mehr darum gehen, Ansteckungen um jeden Preis zu verhindern. Denn diesen Preis kann bald niemand mehr bezahlen.

Schreiben Sie dem Autor: thomas.mueller@springer.com

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