Corona-Pandemie

Zweiter Lockdown lässt Patientenzahl in Praxen nicht einbrechen

Normalbetrieb in Praxen trotz Lockdowns: Kurzarbeit scheint aktuell anders als im Frühjahr kein Thema für niedergelassene Ärzte zu sein, zeigen erste Wasserstandsmeldungen aus dem Osten.

Von Petra Zieler und Sven Eichstädt Veröffentlicht:
Wenn die Ärzte und Praxisteams gut vorbereitet sind, trauen sich Patienten offenbar auch während des Lockdowns in die Praxen. Das sah im Frühjahr noch deutlich anders aus.

Wenn die Ärzte und Praxisteams gut vorbereitet sind, trauen sich Patienten offenbar auch während des Lockdowns in die Praxen. Das sah im Frühjahr noch deutlich anders aus.

© Konstantin Yuganov / stock.adobe.com

Magdeburg/Dresden. Trendmeldungen aus einigen Bundesländern zeigen, dass der Einbruch bei den Patientenzahlen während der zweiten Welle nicht so stark ausfällt wie im Frühjahr. Das ergeben Nachfragen bei Ärzten und in den KVen. Die während und nach der ersten Infektionswelle ergriffenen Schutzmaßnahmen in Praxen scheinen ihre Wirkung zu zeigen.

So meldete die KV Sachsen-Anhalt kurz nach Beginn des harten Lockdowns auf Anfrage der „Ärzte Zeitung“, dass die meisten Praxen im Gegensatz zur ersten Corona-Welle derzeit „Normalbetrieb“ hätten. „Sicherheit und Schutz für die Patienten, aber auch für die eigenen Mitarbeiter werden in den Praxen großgeschrieben. Das spüren die Patienten“, so Mathias Tronnier, geschäftsführender Vorstand der KVSA.

Ähnlich die Reaktion der KV Sachsen: Es gingen in der zweiten Pandemiewelle deutlich mehr Patienten zu den niedergelassenen Ärzten als im Frühjahr. „Laut Auskunft der Fachabteilung ist der Einbruch der Patientenzahlen weniger stark als im Frühjahr“, sagte eine Sprecherin der KV Sachsen. „Dies ist jedoch von Praxis zu Praxis unterschiedlich und hängt sicher auch von den jeweils von den niedergelassenen Medizinern getroffenen Schutzmaßnahmen oder Krankenständen ab.“

Selbst Vorsorgeuntersuchungen werden wahrgenommen

Die KV erreichten „derzeit keine Kurzarbeitsmeldungen oder diesbezügliche Anfragen“, heißt es weiter. Die Sprecherin glaubt, dass „Haus- und Kinderärzte wahrscheinlich aufgrund ihres Fachgebietes weniger Patientenrückgänge erleben werden als andere Fachärzte, obwohl auch hier fachgebietsspezifische Unterschiede bestehen werden“.

Auch Hausärztin Dr. Julia Steinicke in Magdeburg sieht aktuell keinen Rückgang in der Inanspruchnahme durch die Patienten: „Wir laufen im Normalbetrieb. Die Patienten kommen selbst zu Vorsorgeuntersuchungen.“ Patienten mit Infekten oder direktem Corona-Verdacht melden sich laut Steinicke vorher per Telefon. Für einen eventuell erforderlichen Test werden sie dann zu einer bestimmten Uhrzeit in die Praxis bestellt.

„Kein Kontakt zu anderen Patienten, möglichst wenig zu den Mitarbeitern – das ist wichtig“, sagt die Ärztin, die seit 13 Jahren mit einer Kollegin in einer Gemeinschaftspraxis arbeitet. Mund-Nasen-Schutz ist in der Praxis Steinickes ebenso Pflicht wie die Einhaltung strikter Hygiene- und Abstandsregelungen. „Volle Wartebereiche gibt es in diesen Zeiten nicht.“

Ein SARS-CoV-2-Test pro Woche für alle Mitarbeiter

Zum eigenen, aber auch zum Schutz der Patienten testen die Ärztinnen sich und ihre Mitarbeiterinnen einmal wöchentlich. Bislang waren die Ergebnisse immer negativ. Schon vor dem Start der Impfkampagne habe sie Gespräche über die Impfbereitschaft geführt, berichtet die Hausärztin. Julia Steinicke: „Die ist zumindest bei den älteren Patienten sehr hoch.“ Demnach denken die meisten Patienten, ein Schaden durch Corona wäre in jedem Fall höher als eventuell mögliche Nebenwirkungen durch die Impfung.

Gibt es Corona etwas Positives abzugewinnen, dann ist es auf alle Fälle die Bereitschaft, die digitale Welt mehr in den Praxisalltag einziehen zu lassen. Das bestätigt ein Blick auf die Zahlen der KV Sachsen-Anhalt: Wurden im vierten Quartal 2019 lediglich 20 Videosprechstunden abgerechnet, rechneten Vertragsärzte für das erste Quartal dieses Jahres 2424 und für das zweite Quartal sogar 12.111 Online-Sprechstunden ab.

Auch hier hat die KV Sachsen ähnliches zu berichten: Im Sommer hatte die stellvertretende KV-Vorstandsvorsitzende Sylvia Krug gemeldet, dass die Zahlen der Videosprechstunden im ersten Halbjahr 2020 stark angestiegen waren. Von Januar bis März 2019 seien 130 Videosprechstunden abgerechnet worden, von Januar bis März dieses Jahres 4771 und von April bis Juni dieses Jahres seien es 23.125 gewesen.

Ältester Patient in der Videosprechstunde ist 75 Jahre alt

Auch Julia Steinicke hat jetzt deutlich mehr Videokontakte zu ihren Patienten. „Die wenigsten fragen zwar direkt nach. Aber wenn wir aktiv darauf hinweisen, sind Interesse und Bereitschaft doch groß. Mein ältester Patient, der per Video in meine Sprechstunde kommt, ist 75 Jahre alt.“

Die meisten älteren Menschen greifen der Einfachheit halber allerdings nach wie vor lieber zum Telefon. „Kein Problem, wenn es um Nachfragen oder ein Folgerezept geht, aber eine Wunde zum Beispiel sehe ich mir doch lieber an“, so die Ärztin.

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