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Interview

„20 Prozent besser als der Durchschnitt – das geht!“

Für die Optimierung einer Praxis müssen Berater nicht immer vor Ort sein. Sebastian Stremming, Projektleiter optiPrax bei der apoBank, erläutert, was Fernberatung leisten kann und wo Grenzen liegen.

Von Hauke Gerlof Veröffentlicht:

Ärzte Zeitung: Herr Stremming, die Ärzte, haben in der Pandemie die Videosprechstunde für den Patientenkontakt entdeckt. Läuft die Praxisberatung jetzt auch über Zoom oder gar über Clickdoc?

Sebastian Stremming: Wir haben bei uns schon länger eine eigene Software im Einsatz, die wir für die Videoberatung nutzen. Unsere Erfahrung ist allerdings: Ärzte verfügen auch meist über eine solche Software. In einem solchen Fall richtet sich der Praxisberater nach dem, was schon in der Praxis ist.

Spielt die Kontaktvermeidung in der Praxisberatung wegen der Pandemie tatsächlich eine relevante Rolle? Wie gehen Sie dabei genau vor?

Auch Praxisberater brauchen eine gewisse Online-Affinität: Sebastian Stremming, Projektleiter optiPraxbei der apoBank.

Auch Praxisberater brauchen eine gewisse Online-Affinität: Sebastian Stremming, Projektleiter optiPrax bei der apoBank.

© Deutsche Apotheker- und Ärztebank

Wir nehmen natürlich auf Hygienevorschriften und die lokale Situation Rücksicht. Wenn nötig, machen wir die Beratung per Video oder Telefon. Wir können ohnehin nicht immer persönlich mit dem Kunden sprechen. 50 bis 60 Prozent der Beratungen laufen komplett remote ab. Aber manchmal müssen wir einfach vor Ort sein.

Und wie ist die Resonanz ?

Das wird gut angenommen. Es ist ja auch für Ärzte effizient, online mit Praxisberatern zu sprechen, anstatt sich dafür im Praxisalltag Zeiten zu reservieren.

Bildschirm teilen, die Daten online besprechen – laufen diese Dinge schon ganz selbstverständlich?

In der Regel schon, aber das passt natürlich nicht bei jedem Berater-Kunden-Verhältnis. Manchmal gibt es noch technische Probleme, aber so langsam haben sich alle eingeschwungen. Es fehlt natürlich das Zwischenmenschliche.

Bei welchen Gelegenheiten ist ein persönlicher Praxisbesuch indiziert?

Wenn es um Praxisabläufe geht, dann ist es besser, wir schauen uns das direkt an. Ein Beispiel: Ein Arzt, der darüber klagt, dass er jeden Tag von acht bis 20 Uhr in der Praxis sein muss. Betreut er allein 3000 bis 3500 Patienten im Quartal, dann ist das fast zwangsläufig so, und er sollte über die Anstellung eines weiteren Arztes nachdenken. Wenn er aber auf deutlich unter 2000 Patienten kommt, dann läuft irgendetwas bei den Praxisprozessen falsch. Denn wir wissen, dass es genug Ärzte gibt, die mit weit weniger Aufwand diese Patientenzahl gut bewältigen. Vielleicht ist es nötig, dafür einen Praxismanager einzustellen, vielleicht mache ich das als Berater auch eine Zeit lang selber, um zu sehen, wo die Effizienzreserven liegen. Auch bei Standortfragen ist es in der Regel besser, sich vor Ort ein Bild zu machen.

Lässt sich die persönliche Beratung in Zeiten immer ausgefeilterer Entscheidungsunterstützungssysteme für Ärzte auch komplett an Software auslagern?

Wenn alle Zahlen da wären, dann können Sie aufgrund einer hochgeladenen Betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWA), der Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) oder der Abrechnung automatisiert bis auf die granularste Ebene ein Benchmarking machen, bis hin zur Stromrechnung, inklusive einem detaillierten Exposé. Aber Prozessthemen? Dafür sind externe Berater nötig. Diese Beratungskosten rechnen sich dann auch. 20 bis 25 Prozent Umsatzsteigerung sind bei vielen Praxen realistisch. Da haben Sie die Projektkosten oft schon im ersten Jahr wieder eingespielt.

Profitiert jeder Arzt von einer externen Beratung?

Wir wollen keinen beraten, der es nicht nötig hat. Aber wer einmal eine BWA über unser Beratungstool hochlädt, dem stellen wir die Ergebnisse auch persönlich vor. Dafür sind die Sachverhalte oft zu komplex, um als PDF einfach über den Zaun geworfen zu werden. (ger)

Wirtschaftliche Kennzahlen im Vergleich

Optimale Patientenversorgung einerseits, effiziente Praxisführung anderseits: Ein neues zweistufiges Beratungskonzept soll Ärzte bei diesem täglich geübten Spagat unterstützen.

Nicht nur in der Phase der Existenzgründung kann externe Beratung Praxisinhabern helfen, sich im Wettbewerb gut zu positionieren und den Praxisbetrieb zu optimieren. Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) hat daher ihr umfassendes Beratungskonzept optiPrax, das im Frühjahr aus Anlass der Corona-Pandemie im vorläufigen Zustand bereits vorgestellt worden ist, ausgebaut.

Nach Angaben des Geldinstituts bietet das Konzept „eine individuelle detaillierte und datengestützte Praxisanalyse“, gefolgt von konkreten Empfehlungen für Maßnahmen. Dabei nutzt optiPrax eine umfangreiche anonymisierte Datenbasis der Bank und stelle die übermittelten wirtschaftlichen Kennzahlen der Praxis in einen Marktvergleich mit Abweichungen von durchschnittlichen, „marktüblichen“ Werten von Praxen gleicher oder ähnlicher Fachrichtung, Größe und Infrastruktur.

Sobald über das Tool Handlungsbedarf aufgedeckt werde, stünden eigens dafür ausgebildete Praxisberater der Standesbank zur Verfügung, heißt es in einer Mitteilung der Bank. Sie begleiteten den Kunden von der Analyse über die Konzeption und Festlegung der Strategie bis hin zur Umsetzung der Maßnahmen. Die Praxisberater ziehen auch Netzwerkpartner wie Medizinrechtler, Marketing-, Abrechnungs- oder Versicherungsexperten hinzu, um eine „360° Praxisberatung“ zu gewährleisten, etwa auch zu Praxisabläufen, Software oder Terminmanagement. Das Modul ist gedacht für alle Phasen der Niederlassung von der Gründung über die Optimierung bis zur Vorbereitung der Praxisabgabe. Die Pilotphase soll bis Ende März 2021 laufen. (eb)

Weitere Informationen im Netz: www.opti-prax.de

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