Medizinisches Wissensmanagement

AWMF: Digitale Medizin braucht digitalisierte Leitlinien

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften nutzt eine Pressekonferenz am Donnerstag, um digitales, medizinisches Wissensmanagement einzufordern.

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Mainz/Berlin. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) hat am Donnerstag auf einer Pressekonferenz die Wichtigkeit evidenzbasierter Medizin auch für digitale Anwendungen betont. Hierfür sei insbesondere die Digitalisierung von Leitlinien von Bedeutung. „Ohne Leitlinien ist eine qualitätsgesicherte Versorgung von Patienten nicht möglich“, so Professor Rolf Kreienberg, Präsident der AWMF. Für Mediziner sei es jedoch nur schwer zu leisten, die rund 800 Leitlinien mit teils bis zu 400 Seiten in Papierform zu Durchdringen. Dementsprechend bräuchte es im Sinne der Ärzte und Patienten eine digitale Möglichkeit, Leitlinien unkompliziert und digital zu nutzen – beispielsweise über Such-Stichwörter innerhalb der Leitlinien.

„Die Digitalisierung des Gesundheitswesens muss durch die medizinische Wissenschaft passieren. Wir dürfen das nicht irgendwelchen Unternehmen überlassen“, betont Kreienberg.

Wichtigste Stichwort, das in diesem Zusammenhang im Rahmen der Pressekonferenz mehrfach fiel, war Interoperabilität. „Das Leitlinienwissen muss in sämtliche digitale Gesundheitsanwendungen mit einfließen und von ihnen erkannt werden“, so Professor Ina Kopp, Leiterin des AWMF-Instituts für Medizinisches Wissensmanagement. Kopp begleitet ein umfassendes Projekt zur schrittweisen Digitalisierung von Leitlinienwissen. Innerhalb der kommenden vier bis fünf Jahre könne es gelingen, ein Register digitaler Leitlinien ans Laufen zu bringen, so ihre Prognose.

Entscheidend sei die Integration von vertrauenswürdigem Wissen aus qualitätsgesicherten Leitlinien der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften in digitale Strukturen der Informationsvermittlung und der Versorgung. „Digitales, medizinisches Wissen muss allgemein verbindlichen Standards entsprechen“, so Kopp. Ihre Forderung: „Wir brauchen eine nationale Strategie zur Digitalisierung von Wissen im Interesse aller Bürger.“

Die Pressekonferenz am Donnerstag fand anlässlich des Berliner Forums der AWMF am Freitag statt. Thema dort: Digitales Medizinisches Wissensmanagement. (mu)

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