Direkt zum Inhaltsbereich

Medizinstudium anpassen?

Ärzteausbildung mangelt es an KI-Komponenten – noch

Ärzte sollten künftig fitter in puncto Künstlicher Intelligenz sein, die den Versorgungsalltag immer mehr prägen wird. Forscher warnen vor einer großen Lücke im Medizinstudium.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
Wie können Ärzte KI-basierte Unterstützungs- und Entlastungssysteme im Versorgungsalltag am besten nutzen? Hier sehen KI-Forscher unter anderem die medizinischen Fakultäten in der Pflicht.

Wie können Ärzte KI-basierte Unterstützungs- und Entlastungssysteme im Versorgungsalltag am besten nutzen? Hier sehen KI-Forscher unter anderem die medizinischen Fakultäten in der Pflicht.

© Aliaksandr Marko / stock.adobe.com

Berlin. Big Data und Künstliche Intelligenz (KI) haben das Zeug, den medizinisch-pflegerischen Versorgungsalltag in nicht allzu ferner Zukunft zu revolutionieren – viel wird über das Entlastungs- und Unterstützungspotenzial KI-basierter Lösungen speziell für Ärzte gesprochen. Bleibt nur die essenzielle Frage, ob künftige Medizinergenerationen bereits im Studium systematisch auf die neue KI-Welt eingenordet werden.

Laut einer vom Institut für Medizinische Informatik der Charité im Auftrag der vom Bundesforschungsministerium geförderten Lernplattform KI-Campus durchgeführten und aktuell publizierten Studie kann hier für die fernere Zukunft durchaus Entwarnung gegeben werden, integrieren die medizinischen Fakultäten in Deutschland peu á peu KI in die Curricula für die nachfolgenden Medizinergenerationen.

Knackpunkt: „Dem rechtlich vorgesehenen Inkrafttreten der Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO) folgend, würden die ersten Mediziner einen Studienabschluss mit flächendeckender Pflichtlehre und Prüfung von digitalen Kompetenzen erst 2031 erlangen. Dies erscheint hinsichtlich des disruptiven Wandels inklusive der fortschreitenden Implementierung Künstlicher Intelligenz in die Versorgung deutlich zu spät“, heißt es in der Studie „Lernangebote zu Künstlicher Intelligenz in der Medizin“.

Ruf nach Pflicht statt Kür

Bereits jetzt fühlten sich Medizinstudierende nicht ausreichend auf die digitale Transformation vorbereitet, heißt es ergänzend. Mit 28 von 39 böte zwar bereits die Mehrheit der untersuchten medizinischen Ausbildungsstätten in Deutschland Studierenden KI-bezogene Veranstaltungen an, meist jedoch als Wahlpflichtkurse oder extracurriculare Aktivitäten. Die Studienautoren plädieren daher dafür, die bestehenden Angebote deutlich auszubauen und KI-Kompetenzen im Pflichtteil des Studiums zu verankern.

Der Studie zufolge kommt digitalen Formaten wie Online-Kursen eine zunehmende Bedeutung zu. Gerade in Kombination oder als Ergänzung zu den analysierten Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen könnten diese einen wichtigen Beitrag für eine zukunftsfähige Vermittlung von KI- und Digitalisierungsthemen in der Medizin leisten.

Charité-Forscher: Ärzte in der Pflicht

Für Professor Felix Balzer, Direktor des Instituts für Medizinische Informatik an der Charité, sind aber nicht nur die Unis in der Bring-, sondern die angehenden Ärzte auch in der Holschuld. „Diese Studie zeigt deutlich, dass bestehende Angebote im Medizinstudium und in der medizinischen Weiter- und Fortbildung nicht den immensen Qualifizierungsbedarf decken. Ärztinnen und Ärzte stehen selbst in der Verantwortung, an der Transformation der Medizin durch KI mitzuwirken“, so der Chief Medical Information Officer (CMIO) der Charité. Dafür müssten sie mithilfe von Lernangeboten zum Aufbau von KI-Kompetenzen zunächst befähigt werden, ergänzt er.

Den drängenden Handlungsbedarf erkannt haben laut Studie offensichtlich einige Fakultäten – zumindest die, die digitale Kompetenzen als einen der ersten neuen Inhalte bezeichnen , die bereits vor Inkrafttreten der ÄApprO in 2025 umgesetzt, gelehrt sowie im netzwerkübergreifenden Austausch adaptiert und vervielfältigt werden sollen. „Leuchtturm-Fakultäten“ gingen mit Lehrstühlen für digitale Medizin/KI wegweisend voraus.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Klassifikation von Herztönen nach Auskultation

Zusammenarbeit Mensch und KI: Das Vertrauen kann täuschen

Interview

EU AI Act: Was die neuen Transparenzpflichten für Praxen bedeuten

Das könnte Sie auch interessieren
Geldschein, teilweise bedeckt von Stethoskop

© photocrew / stock.adobe.com

Kostenstrukturanalyse

Privatanteil an den Einnahmen geht leicht zurück

Logo Cardisio

© oxyven

Oxyven

Intravenöse Sauerstofftherapie mit Applimed-O2 1000

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Porträts: Marc Stefan | Prof. Dr. Wolfgang Holzgreve

© Porträts: Marc Stefan | Prof. Dr. Wolfgang Holzgreve

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Arztsuche: Was steckt hinter Empfehlungslisten?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BurdaVerlag Data Publishing GmbH
Leitliniengerechte Therapie mit DiGA

© Paolese / stock.adobe.com (Model mit Symbolcharakter)

Neuer Therapieansatz bei erektiler Dysfunktion

Leitliniengerechte Therapie mit DiGA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Kranus Health GmbH, München
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Erfahrungsberichte aus ärztlicher Perspektive

DiGADocs: Hausärzte testen Digitale Gesundheitsanwendungen für Kollegen

Klassifikation von Herztönen nach Auskultation

Zusammenarbeit Mensch und KI: Das Vertrauen kann täuschen

Lesetipps
Amyloid-Antikörper bindet an Nervenzelle.

© ustas / stock.adobe.com

Rückblick

Ein Jahr Alzheimer-Antikörper: Was sich getan hat

Richterhammer und Klemmbrett

© Andrii / Stock.adobe.com

Interview

EU AI Act: Was die neuen Transparenzpflichten für Praxen bedeuten

Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus

© iLexx / Getty images / iStock

Vergleich der Kreise

Wo MRSA-Infektionen besonders häufig sind