Praxisführung

Ärztemangel im Ländle: KV will an die stille Reserve

Not macht erfinderisch: Im Südwesten will die KV dem Ärztemangel vorbeugen. Helfen sollen jetzt die Mediziner, die nicht als Arzt arbeiten - sie sollen stunden- oder tageweise in den Praxen aushelfen.

Veröffentlicht: 17.08.2011, 15:18 Uhr
Ärztemangel im Ländle: KV will an die stille Reserve

Frischer Wind im Südwesten - den soll jetzt die stille Medizinerreserve bringen.

© Berg / mm images / imago

STUTTGART (ava). Neue Wege, um dem Ärztemangel in der ambulanten Versorgung zu begegnen, geht die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW).

Mit der Aktion "Ärztinnen und Ärzte gesucht!" wirbt die KVBW seit Montag bei den rund 50.000 approbierten Ärzten in Baden-Württemberg dafür, Mitglied im neu geschaffenen Vertreterpool der KV zu werden.

Die KVBW sucht Ärzte aller Fachrichtungen, die stunden- oder tageweise in Praxen mitarbeiten oder als Vertreter im organisierten Notfalldienst einspringen. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVBW Dr. Johannes Fechner will mit der Aktion insbesondere Ärzte mobilisieren, die bislang in Kliniken, einer Rehaklinik oder in einer Privatpraxis tätig sind und eine Nebenbeschäftigung suchen.

Auch solche Mediziner sollen gewonnen werden, die bislang keine ärztliche Tätigkeit ausüben. Kai Sonntag, Pressesprecher der KVBW bezifferte die Zahl der nicht ärztlich tätigen Ärzte in Baden-Württemberg auf 13.400.

Erfolglose Suche nach Nachfolgern auf dem Land

Der Hintergrund: Auch im Südwesten fehlt der ärztliche Nachwuchs. "In den nächsten fünf Jahren wird jeder dritte Arzt in Baden-Württemberg in den Ruhestand gehen," sagt Fechner.

Vor allem in ländlichen Regionen suchen viele niedergelassene Ärzte erfolglos nach Kooperationspartnern und Nachfolgern. Für junge Mediziner spielen zunehmend die Vereinbarkeit von Beruf mit Familie und Freizeitaktivitäten eine Rolle.

"Durch das neue Vertragsarztrecht ist der Gestaltungsspielraum in der ambulanten Versorgung deutlich gewachsen." Diesen Spielraum gelte es zu nutzen, so Fechner.

Ein weiteres Anliegen ist der KVBW die Begleitung von Ärzten bei der Gründung oder Übernahme von Praxen. Für junge Mediziner in der Startphase möchte die KVBW ein Patenmodell aufbauen, um praktische Hilfe anbieten zu können.

Gesucht werden hierfür ehemalige Vertragsärzte, die Jungmediziner als Paten in der Startphase begleiten und Hilfestellung beim Aufbau der Praxis leisten.

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