Arzneimittelversorgung

Arzneimittel-Lieferengpässe gehen zurück

Der bundesweiten Arzneimittelversorgung ist die Corona-Krise momentan nicht anzusehen. Aktuell sind 308 Ausfälle gelistet, merklich weniger als noch im April. Doch die nächste Herausforderung steht schon vor der Tür: die Grippeimpfung.

Von Christoph WinnatChristoph Winnat Veröffentlicht:
Ebbe im Apotheken-Lager? Derzeit nicht sonderlich viel mehr als sonst auch, sagt die Oberbehörde BfArM, die Lieferengpässe der Hersteller dokumentiert.

Ebbe im Apotheken-Lager? Derzeit nicht sonderlich viel mehr als sonst auch, sagt die Oberbehörde BfArM, die Lieferengpässe der Hersteller dokumentiert.

© m-imagephotography / iStock / Thinkstock

Bonn. Arzneimittel-Lieferengpässe wegen und während der Pandemie sind zwar weiterhin ein Thema. Geben jedoch nach wie vor auch noch keinen Anlass, in Panik zu verfallen: Mitte April, zur Hochphase des Lockdowns, listete das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) noch 401 Lieferengpässe für Humanarzneimittel auf – davon 65 Hersteller-Meldungen zu Sartanen, die weiterhin von der bekannten Nitrosamin-Problematik betroffen sind. Ende August summierten sich die Produktausfälle auf 317 Meldungen zu 138 Wirkstoffen, von denen 87 als versorgungsrelevant einzustufen waren.

Aktuell (Stand 6. September) verzeichnet die Datenbank der Bonner Oberbehörde nurmehr 308 Lieferengpässe (darunter 54 Sartane) und nähert sich damit allmählich wieder dem mittleren Meldungsaufkommen des Vor-Corona-Jahres 2019 (etwa 270-280).

Beirat beobachtet die Lage

Mitte Juli, anlässlich der konstituierenden Sitzung des neuen Beirats zur Bewertung der Versorgungslage mit Humanarzneimitteln, wurde von zeitweisen oder lokalen Lieferproblemen bei versorgungskritischen Wirkstoffen wie Sufentanil, Midazolam, Propofol, Epirubicin, Doxorubicin und Metformin berichtet; von generellen Ausfällen könne aber keine Rede sein, heißt es im Sitzungsprotokoll.

Die Marktversorgung mit Heparin werde von der „weiterhin grassierenden Afrikanischen Schweinepest in China“ überschattet, aktuell lägen hierzu aber noch keine Engpassmeldungen vor.

Der beim BfArM tagende neue Beirat löst die bisherige informelle Expertenrunde zu Lieferengpässen („Jour fixe“) ab und wurde im März dieses Jahres mit Inkrafttreten des „Gesetzes für einen fairen Kassenwettbewerb in der gesetzlichen Krankenversicherung“ ins Arzneimittelgesetz (Paragraf 52b, Absatz 3b) eingeführt.

Venlafaxin weiterhin knapp

Einen größeren Lieferengpass verzeichnet das erste Sitzungsprotokoll mit 15 Herstellermeldungen für das Antidepressivum Venlafaxin – wobei zugleich Entwarnung signalisiert wurde. Mit „einer Verfügbarkeit weiterer Arzneimittel“ sei in den kommenden Wochen zu rechnen, hieß es damals. Aktuell führt das BfArM weiterhin 15 Ausfallmeldungen für Venlafaxin-haltige Produkte auf. Der Venlafaxin-Engpass dauert bereits seit Ende vorigen Jahres an.

Zudem beauftragte der Beirat im Verlauf seiner Sitzungspremiere das BfArM, die Marktversorgung mit dem Krebsmittel Cytarabin zu prüfen, um einen hierzu erklärten Versorgungsmangel, der gleichfalls schon seit längerer Zeit besteht, möglicherweise aufheben zu können.

Nächster Ausfall Grippe-Impfstoff?

Besorgt insbesondere über den Impfstoff-Nachschub äußerte sich kürzlich der Präsident der Bundesärztekammer Dr. Klaus Reinhardt gegenüber dem Berliner „Tagesspiegel“ . Als Beispiel nannte Reinhardt die Pneumokokken-Impfung.

Im März hatte ein Präventionsaufruf des Bundesgesundheitsministers auch in Deutschland die Nachfrage rapide nach oben schnellen lassen, die Hersteller kamen mit Produktion und Auslieferung des Impfstoffs nicht mehr nach. Eine vergleichbare Situation befürchtet der BÄK-Präsident nun auch für die diesjährige Grippe-Impfung, die ihren Höhepunkt in den Praxen erfahrungsgemäß von September bis Ende November erreicht. (Mit Material von dpa)

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