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Centogene setzt auf Gendiagnostik für Seltene Erkrankungen

Neue Methoden der Diagnostik sparen Geld, werden von GKV aber noch nicht finanziert.

Von Helmut Laschet Veröffentlicht:

Berlin. Mit Hilfe genetischer Diagnostik und großer Datenbanken, die mit Patientendaten weltweit gespeist werden sowie der Dateninterpretation durch Künstliche Intelligenz besteht eine Chance, seltene Erkrankungen um Jahre früher zu diagnostizieren und zu therapieren. Das ist keine Vision, sondern in Ansätzen bereits heute Realität, an der das 2006 von dem Neurologen Professor Arndt Rolfs gegründete Unternehmen Centogene mit derzeit 500 Mitarbeitern forscht.

50 Millionen eingeworben

Konventionelle Methoden wie die Massenspektrometrie seien zwar GKV-Leistung, aber wenig geeignet, seltene Erkrankungen zu erkennen, da sie für spezielle Stoffwechselkrankheiten weiterentwickelt werden müssten. Mehr und mehr entwickelt sich daher die genetische Diagnostik zu einer Option, seltene Erkrankungen frühzeitig zu diagnostizieren.

Mit dem im vergangenen Jahr erfolgten Börsengang und dem dabei eingeworbenen Eigenkapital von 50 Millionen Euro wollen die Forscher von Centogene in den nächsten Jahren 500 Krankheiten gendiagnostisch detektieren. Der Vorteil: Die Technik der Genomsequenzierung ist in den vergangenen Jahren billiger geworden; sie liegen aktuell bei etwa 1500 Euro. Diese Technik ist allerdings keine GKV-Leistung.

Herausforderung Dateninterpretation

Neben der Refinanzierung durch das Sozialversicherungssystem sei die Interpretation der Genomanalyse die eigentliche Herausforderung: Sie erfordert die Speicherung einer immensen Menge genetischer Patientendaten und deren automatisierte Auswertung. Allein Centogene habe rund eine Million Patienten diagnostiziert und deren Daten gespeichert. Aus diesem Datenschatz ließen sich schnelle Entscheidungshilfen für Ärzte organisieren. Doch in der GKV, kritisiert Rolfs, bestehe wenig Interesse, neue umfassende Diagnostikinstrumente und erste Ansätze künstlicher Intelligenz zu finanzieren. Nicht weil sie teurer seien – im Gegenteil: im Unterschied zur üblichen vielstufigen Diagnostik sparen die neuen Methoden sogar Geld.

Nach China auslagern?

Verhandlungen über einen Selektivvertrag mit einer großen AOK hätten ergeben, dass man 27 Millionen Euro jährlich würde einsparen können. Das sei der Kasse zu wenig gewesen vor dem Hintergrund des administrativen Aufwandes für einen Selektivvertrag.

Eine andere Ursache, warum Deutschland für solche Innovationen kein geeigneter Markt ist, sei die kleinteilige Leistungserbringerstruktur im Laborsektor, die noch immer nicht den Industrialisierungsgrad anderer Länder erreicht hat. Rolfs: „Es ist denkbar, dass wir Genomsequenzierungen in Zukunft nach China auslagern. Das wäre grotesk.“

Information zum Rare Disease Day bei Centogene in Berlin .

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