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Datenpanne bei AOK: Apotheker stellt Strafanzeige gegen Kasse

HANNOVER/ USLAR (cben). Datenpanne bei der AOK Niedersachsen: Ein Apotheker im Niedersächsischen Ort Uslar hat im Rahmen der AOK-Retaxation Kopien von Rezepten erhalten (wir berichteten kurz), die nie in seiner Apotheke eingelöst wurden.

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Apotheker Hermann Rohlfs aus Uslar sprach von "einem Datenskandal mit unbekanntem Ausmaß". Tatsächlich erhielt er laut AOK Niedersachsen 30 fehlgeleitete so genannte Tax-Beanstandungen von Rezepten aus dem 4. Quartal 2008. Diese Schreiben sind Rezeptkopien, die samt Namen der Patienten, Diagnosen, verordnenden Ärzten und Medikationen an die Apotheken zurückgeschickt werden, wenn etwa Produkt und Preis nicht zusammenpassen. "Auf jedem DIN- A-4 Bogen der Beanstandungen stehen zwei Rezeptkopien samt dazugehörigem Text", sagte Rohlfs zur "Ärzte Zeitung", "aber bei mir passten die Rezeptkopien nicht zum Text. Die Images der Rezepte sollten offenbar an DocMorris gehen". Es handelte sich dabei um Rezepte von Patienten aus dem Ostfriesischen Aurich. Rohlfs vermutet keinen Zufall, sondern einen Systemfehler bei der AOK.

"Die Frage ist nicht, ob ich mit den Daten sorgsam umgehe", so Rohlfs, "natürlich tue ich das. Die Frage ist, ob Mitbewerber erfahren, welche Preise ich habe oder welche Vertragspartner." In der Tat dürften auch Rohlfs Rezeptkopien auf Tax-Beanstandungen anderer Apotheken gelandet sein. "Ich glaube wie gesagt nicht an einen Irrläufer", betonte Rohlfs, "ich glaube, dass hier ständig etwas schief läuft, was wegen der Masse an Beanstandungen aber kaum auffällt."

Pro Quartal erhält Rohlfs´ Apotheke rund 500 Tax-Beanstandungen, hieß es. Weil es sich häufig um kleinere Beträge handele, gehen die Apotheker nur den Verdachten nach, wo es sich um große Beträge handelt. Per Zufall ist Rohlfs dabei auf eine fehlerhafte Beanstandung gestoßen und hat dann den ganzen Stapel durchgesehen - mit dem bekannten Ergebnis.

Bei der AOK Niedersachen laufe derzeit die Prüfung der Falschsendungen, sagte AOK-Sprecher Klaus Altmann. Pro Aussendung würden in Niedersachsen 15 000 bis 20 000 Tax-Beanstandungen verschickt, hieß es. Altmann: "Jedes Rezept wird einer Art Plausibilitätsprüfung unterzogen, danach folgt eine weitere Prüfung durch einen Mitarbeiter." Altmann bedauerte den Zwischenfall und sagte: "Jeder Irrläufer ist einer zu viel."

Rohlfs hat die Rezeptkopien als fehlerhaft zurückgeschickt und gegen die AOK Niedersachsen Strafanzeige gestellt. Aber: Dem Vernehmen nach erhält auch die AOK Irrläufer vom Apothekenrechenzentrum - und zwar Verordnungen an Patienten, die gar keine AOK-Kunden sind.

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