Der neue Versuch mit der E-Card

Der Online-Stammdatenabgleich soll zur Pflicht werden. Damit könnte Bewegung in den Rollout der E-Card kommen. Die Industrie hat aber noch weitere Vorschläge.

Veröffentlicht:
Es könnte auch reichen, wenn nur der Kartenleser online geht.

Es könnte auch reichen, wenn nur der Kartenleser online geht.

© L. Barth / dpa

Für die elektronische Gesundheitskarte (eGK) und ihren Rollout könnte es der entscheidende Wendepunkt sein: Nach einem Antrag der Koalitionsfraktionen zum GKV-Änderungsgesetz soll nun (wir berichteten in der "Ärzte Zeitung") der Online-Abgleich der Versichertenstammdaten gesetzlich festgeschrieben werden. Der Bundestag hat die Gesetzesänderung bereits beschlossen. Demnach ist ein neuer Absatz 2b an den Paragrafen 291 im SGB V angefügt worden. Und der verlangt von Vertragsärzten, die Gültigkeit der Gesundheitskarten und die Daten-Aktualität jeweils beim ersten Kontakt im Quartal zu überprüfen - per Online-Anbindung.

Für die Befürworter der eGK und die Industrie endlich ein Hoffnungsschimmer, dass etwas Bewegung in die Ausgabe der Karten kommt. Denn gerade Unternehmen wie Gerätehersteller oder Softwareanbieter - warten bereits seit vier Jahren auf den Rollout. Seit acht Jahren beschäftigten sich die Unternehmen nun mit der Entwicklung, so der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom).

400 Millionen Euro hat die Industrie bislang investiert

Erste Unternehmen hätten sich bereits aus dem Geschäftsfeld eGK zurückgezogen, heißt es in einer Bestandsaufnahme des Bitkom vom 1. Juni. Dabei habe die IT-Wirtschaft nach Schätzungen des Verbands seit 2003 etwa 400 Millionen Euro in die Begleitung des Projekts, die Entwicklung der Komponenten und die Beratung der gematik investiert.

Auch die Einsparpotenziale, die sich das deutsche Gesundheitswesen durch die Verzögerung entgehen lässt, nennt der Verband. Da sind altbekannte Größen dabei wie Verschreibungsfehler, die mindestens 500 Millionen Euro jährlich kosteten, oder unnötig erbrachte Doppelleistungen, die einen Schaden von zwei Milliarden Euro jährlich verursachten. Bitkom beziffert aber noch etwas anderes: Jährlich ca. 200 Millionen Euro ließen sich durch die vollelektronische Abwicklung des Rezepts einsparen. Denn bei Papierrezepten gebe es bis zu sieben Medienbrüche - das heißt, die Daten werden vom PC aufs Papier gedruckt und müssen dann über Scanner wieder in die IT überführt werden.

Damit der Rollout vorankommt, fordert der Verband eine neue Aufgabenverteilung zwischen den Akteuren: "Die Selbstverwaltung beschreibt als Auftraggeber funktional, nicht technisch, was sie braucht. Die gematik als Auftraggeber spezifiziert, zertifiziert, testet und stellt die Interoperabilität der Systeme sicher."

Ärzte sollen Online-Dienst "kapseln" können

Und: Die Wirtschaft soll nach der neuen Aufgabenverteilung Komponenten entwickeln und Dienste in der Telematikinfrastruktur betreiben.

Was der Bitkom aber auch feststellt ist, dass der Online-Abgleich der Versichertenstammdaten "nur gesetzlich verpflichtend sinnvoll" ist. Den Leistungserbringern sollte aber frei gestellt sein, wie sie dies umsetzen. Der Verband schlägt die Möglichkeit einer Kapselung des Online-Dienstes bzw. die Trennung von der Praxis-EDV vor. Das entspricht der neuen Gesetzeslage: Demnach soll die Online-Anbindung der Praxis-EDV freiwillig bleiben. (reh)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Praxis-PC, Konnektor und andere Elektrogeräte

Elektroschrott: Wie Praxen Altgeräte sicher entsorgen

Langjähriger Verbandschef meldet sich zurück

Werner Baumgärtner will bei Neuwahl des MEDI-Vorstands mitreden

Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Wissenschaft in Medizin übertragen

© Regeneron

Forschung und Entwicklung

Wissenschaft in Medizin übertragen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Regeneron GmbH, München
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
Patientenzentrierter Ansatz und europäische Produktion

© Springer Medizin Verlag

Unternehmen im Fokus

Patientenzentrierter Ansatz und europäische Produktion

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Praxisabgeber und -käufer schütteln sich die Hand

© Ocskay Mark / stockadobe.com

Vertragsgestaltung

Praxisverkauf: So vermeiden Sie beim Earn Out Steuernachzahlungen