Corona-“Nebenwirkung“

Deutsche für stärkere Innovationsförderung im Gesundheitssektor

SARS-CoV-2 sorgt anscheinend für einen Paradigmenwechsel bei der Einstellung der Deutschen gegenüber innovativen Technologien. Jetzt wollen sie diese sogar stärker gefördert sehen.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht: 12.11.2020, 16:09 Uhr
Stempel: staatlich geprüft: In Corona-Zeiten dinet fast jeder zweite Deutsche, dass der Staat Innovationen im Gesundheitsbereich fördern sollte.

Der Staat sollte Innovationen im Gesundheitsbereich fördern, findet in Corona-Zeiten fast jeder zweite Deutsche.

© bluedesign / stock.adobe.com

Gütersloh. Der gegenwärtige, durch die Corona-Pandemie ausgelöste Akzeptanz- und Nachfrageboom von E-Health-Lösungen in Deutschland scheint zu einem Umdenken bei der Bevölkerung in Deutschland in puncto Innovation und Technikaffinität geführt zu haben. Wie eine am Donnerstag publizierte, repräsentative EU-Befragung im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung zeigt, sehen 49 Prozent der Deutschen einen politischen Förderungsbedarf von Innovationen im Gesundheits- und Pflegebereich – im Herbst vergangenen Jahres war das nur bei 32 Prozent der Befragten der Fall gewesen.

Generell richten sich die mit Innovationen verknüpften Hoffnungen der Deutschen vor allem auf fünf Themenfelder, so die Stiftung. Auf die Frage, in welchen Gebieten in den kommenden 15 Jahren positive Effekte durch technologische Entwicklungen oder Digitalisierung zu erwarten seien, hätten 50 Prozent der Bundesbürger den Bereich Mobilität und Transport und 33 Prozent die Energieversorgung genannt. 31 Prozent rechneten mit Fortschritten im Gesundheitswesen und der Pflege, 28 Prozent beim Umweltschutz und im Kampf gegen den Klimawandel sowie 26 Prozent im Bildungssektor.

Deutsche offen für Innovationen

„Eine große Mehrheit der Bundesbürger ist grundsätzlich offen gegenüber Innovationen eingestellt“, heißt es im Studienbericht. Etwa zwei Drittel der Befragten erwarten demnach einen sehr positiven oder überwiegend positiven Einfluss technologischer Innovationen bzw. der Digitalisierung auf ihr persönliches Leben. Dieses Ergebnis liege sehr nahe am europäischen Durchschnitt und stehe damit im klaren Widerspruch zur immer wieder geäußerten These eines ausgeprägten Innovationspessimismus.

Lediglich 20 Prozent der Befragten (europaweit 18 Prozent) erwarteten negative Auswirkungen von Innovationen, darunter jeweils nur vier Prozent sehr negative. Noch optimistischer als der Durchschnitt zeigen sich im europäischen Vergleich dabei nur Polen, Spanier und Italiener, während die befragten Bürger in Frankreich etwas pessimistischer sind. Die positive Zukunftserwartung der Deutschen ist nahezu deckungsgleich mit der der Niederländer.

Die Technikakzeptanz sagt indessen nichts über die tatsächliche Technikaffinität aus. Sind innovative Techniklösungen am Markt, so zählten die Deutschen bisher eher nicht zu den „Early Adopters“, also denen, die schnell zugreifen, sondern eher zu den abwartenden Skeptikern. Hier könnte Corona für einen gewaltigen Akzeptanzschub sorgen.

Land der Datenschutzbedenken

„Eine eher deutsche Besonderheit ist das hohe Maß an Sensibilität für den Datenschutz. 45 Prozent der Deutschen erwarten diesbezüglich negative Effekte durch fortschreitende Technologie und Digitalisierung. Diese Sorge steht bei den möglichen Bedenken hierzulande an erster Stelle und ist deutlich stärker ausgeprägt als im europäischen Durchschnitt (36 Prozent)“, weisen die Bertelsmann-Experten auf ein deutsches Spezifikum hin. In Frankreich, Italien, Großbritannien oder Polen seien die datenschutzbezogenen Bedenken nochmals deutlich geringer.

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