Patientenbeauftragter

Digitalisierung ist unabwendbar

Mit dem E-Health-Gesetz will die Bundesregierung der Selbstverwaltung Beine machen. Auch für den Patientenbeauftragten ist es höchste Zeit, dass sich niedergelassene Ärzte der Digitalisierung stellen.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, ist ein vehementer Befürworter digitaler Versorgungsangebote.

Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, ist ein vehementer Befürworter digitaler Versorgungsangebote.

© Sven Simon / dpa

MÜNSTER. Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung Karl-Josef Laumann hält eine offene Debatte über das Verhältnis von Digitalisierung und Datenschutz im Gesundheitswesen für notwendig.

"Wir müssen uns damit auseinandersetzen, wie wir den richtigen Mittelweg finden", sagte er kürzlich auf dem Kongress "Gesundheitswirtschaft managen" in Münster.

Klare Regeln seien etwa beim Zugriff von Krankenkassenmitarbeitern auf Daten der Versicherten nötig. "Die Krankenkassen haben einen Beratungsauftrag, aber sie sollen die Daten nicht missbrauchen."

Furcht vor Transparenz?

Um die Digitalisierung voranzutreiben, sei es erforderlich gewesen, den Selbstverwaltungsorganen im E-Health-Gesetz klare Fristen zu setzen. Warum bislang so wenig passiert ist, ist für ihn klar: "Es gibt im Gesundheitssystem Menschen, die die Transparenz nicht wollen."

Der Patientenbeauftragte kritisierte, dass die elektronische Gesundheitskarte nach zehn Jahren und einer Milliarde Euro Kosten gerade einmal mit einem Foto des Versicherten ausgestattet ist.

"Es ist ein Unding, dass die Karte keine Blutgruppe und auch keinen Medikationsplan enthält." Der Medikationsplan könnte die Arzneimittelsicherheit erhöhen, betonte er. "Aber es würde auch transparent, was so alles verordnet wird."

Die Furcht der Apotheker vor der größeren Wahlfreiheit der Kunden durch das elektronische Rezept ließ Laumann als Gegenargument nicht gelten. Dann hätte man schließlich bei der Einführung von Bankkarten auch verhindern können, dass Kunden bei anderen Banken Geld abheben.

"Es ist traurig, dass die Selbstverwaltung das, was die digitale Welt an Erleichterungen bringen kann, für Patienten nicht nutzbar macht", betonte er. Auf Dauer werde sich das deutsche Gesundheitssystem der Digitalisierung aber nicht entziehen können.

"Wenn wir in der Finanzwirtschaft bei der Digitalisierung so weit zurück wären wie im Gesundheitswesen, würden wir alle immer noch mit Verrechnungsschecks herumlaufen." Die Digitalisierung wird die Patienten verändern, erwartet er.

Hausarzt nicht zu ersetzen

Durch die Fülle der im Netz zugänglichen Informationen werden sie kritischer, fragen häufiger nach. Der Patientenbeauftragte sieht aber auch die Kehrseite der Entwicklung: "Ich habe manchmal den Eindruck, dass die Informationen die Patienten stark verunsichern."

Laumann zeigte sich skeptisch, was die künftige Rolle von Telemonitoring-Verfahren im Gesundheitswesen betrifft. Zwar könnten solche Verfahren durchaus nützlich sein, insbesondere im fachärztlichen Bereich.

Den wichtigen Arzt-Patienten-Kontakt könnten sie aber nicht ersetzen, betonte er. Laumann: "Ein großer Vorteil des Hausarztes war es doch immer schon, dass er mit den Leuten geredet hat."

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