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Kapitalanlage

Drittimpfung beflügelt Aktienkurse von Corona-Vakzin-Produzenten

Die Corona-Drittimpfung startet, obwohl sie umstritten ist – und hebt den Aktienkurs der Impfstoffhersteller. Aber auch die Entwickler von Medikamenten gegen COVID-19 sind für Anleger interessant.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
Frau mit FFP2-Maske wird geimpft.

Drittimpfungen in den Industrienationen treiben die Börsenkurse der Vakzin-Hersteller in die Höhe.

© Halfpoint / stock.adobe.com

Neu-Isenburg. Frankreich, Israel, Ungarn, die USA – eine Reihe von Staaten hat begonnen, Älteren und Menschen mit geschwächtem Immunsystem eine dritte Impfung gegen COVID-19 anzubieten.

„Studien haben gezeigt, dass ältere Menschen weniger Antikörper bilden als junge und diese bei ihnen auch schneller wieder zurückgehen“, sagt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Die Entscheidung hat die Aktienkurse von BioNTech, Moderna und Pfizer, deren mRNA-Vakzine für die Auffrischung genutzt werden sollen, nochmals kräftig in die Höhe getrieben.

Das Papier von BioNTech stieg in den vergangenen vier Wochen um mehr als 80 Prozent. Die Aktie von Moderna gewann über 60 Prozent, die von Pfizer mehr als 20 Prozent. „Das Geschäft mit Corona-Impfstoffen verleiht den Pharmakonzernen weiterhin Rückenwind“, sagt Terence Flynn, Analyst bei der US-Investmentbank Goldman Sachs. Für die Pfizer-Aktie hat er das Kursziel auf Sicht der kommenden zwölf Monate um weitere zehn Prozent angehoben.

Booster-Impfungen sind umstritten

Drittimpfungen sind umstritten, weil in Afrika sowie in Teilen Asiens und Lateinamerika bislang nicht ausreichend Vakzine zur Verfügung stehen, um die Bevölkerung vor einer Infektion mit dem SARS-CoV-2 zu schützen. „Auffrischungsimpfungen können die Ungleichheit beim Zugang zu Vakzinen verschärfen“, sagt Didier Houssin, Vorsitzender des Corona-Notfallkomitees der Weltgesundheitsorganisation.

Allerdings erfordert Comirnaty® eine aufwendigere Kühlung als andere Impfstoffe. Dies macht es schwieriger, das Vakzin in Entwicklungsländern zu verwenden. Börsianer setzen deshalb darauf, dass Dritt- und darüber hinausgehende Anschlussimpfungen in Industrienationen Umsatz und Gewinn von BioNTech und Pfizer weiter steigern werden.

80

Prozent betrug die Steigerungsrate der Aktie von BioNTech in den vergangenen vier Wochen

In den kommenden Monaten dürften weitere Staaten Drittimpfungen zulassen. Großbritannien hat bereits angekündigt, im Herbst Senioren und Menschen mit geschwächtem Immunsystem ein drittes Mal zu vakzinieren. In Österreich und der Schweiz drängen vor allem Mediziner und Seuchenexperten darauf.

„Je länger die Impfung zurückliegt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer symptomatischen Infektion kommen kann“, sagt Christian Münz, Virologe an der Universität Zürich. In Deutschland hat Niedersachsen angekündigt, Senioren von Oktober an eine dritte Dosis zu verabreichen.

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Für Pharmariesen wie AstraZeneca und Johnson & Johnson sind die COVID-19-Vakzine nur ein winziger Teil des Gesamtgeschäfts; AstraZeneca vertreibt den Impfstoff gar zum Selbstkostenpreis. Dennoch hat die Mehrheit der Analysten die Aktien beider Konzerne mit Kaufen eingestuft.

Johnson & Johnson hat gerade seine Prognose angehoben: Das US-Unternehmen erwartet im laufenden Geschäftsjahr eine Umsatzsteigerung von 10,5 bis 11,5 Prozent auf bis zu 92,1 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn soll um bis zu 20,8 Prozent auf 9,7 US-Dollar je Aktie steigen.

Aussichtsreiche Medikamente

Anleger sollten jedoch nicht nur auf Impfstoffproduzenten setzen, sondern auch auf Hersteller von Corona-Medikamenten, sagt Rainer Beckmann, Geschäftsführer des Düsseldorfer Vermögensmanagers ficon. Diese dürften langfristig von Umsatz- und Gewinnsteigerungen profitieren und ihre Aktienkurse entsprechend zulegen.

Zu den aussichtsreichsten Gesellschaften zählten die Münchner Formycon, die an einem SARS-CoV-2-Blocker arbeite und das US-Unternehmen RedHill Biopharma, das einen Wirkstoff mit nachgewiesener doppelter entzündungshemmender und antiviraler Wirkung entwickelt.

Roche, dessen Arthritismedikament Actemra® (Tocilizumab) erfolgreich als Entzündungshemmer bei COVID eingesetzt wird, sei hingegen mit AstraZeneca und Johnson & Johnson vergleichbar. Sie böten „eine kontinuierliche Wertentwicklung und stabile Dividendenrenditen“, sagt Beckmann.

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