Tag der Privatmedizin

Erfolgreicher Einstieg in die Privatpraxis

Mehr als 20 Jahre praktiziert Allgemeinarzt Dr. Christoph Gepp in einer Privatpraxis. Seine Erfahrungen in der Niederlassung vermittelt der Vorstand des Privatärztlichen Bundesverbandes in einem Workshop beim Tag der Privatmedizin.

Von Hauke Gerlof Veröffentlicht: 08.11.2018, 11:11 Uhr
Erfolgreicher Einstieg in die Privatpraxis

Die Niederlassung in Privatpraxis kann sich durchaus lohnen.

© ill/sth

Einstieg oder Ausstieg – diese zwei Motive sind bei der Gründung einer reinen Privatpraxis möglich. Einsteiger sind junge Ärzte, die gleich bei der Niederlassung die Option wählen, keine Kassenarztpraxis aufzumachen; Aussteiger sind meist Ärzte, die von den Vorgaben der Kassenmedizin – Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein – frustriert sind und Patienten eine ganzheitliche Medizin bieten wollen, die nicht von Formularen, Regressdrohungen und Plausibilitätsprüfungen eingezwängt ist.

Allgemeinarzt Dr. Christoph Gepp ist eindeutig ein Einsteiger. Er hat nicht erst den Umweg über die Kassenpraxis gemacht, als er sich vor über 20 Jahren in Darmstadt niederließ. Im Workshop „Niederlassung ohne Kasse – meine Privatpraxis“ gibt er zusammen mit dem Vorstandskollegen im Privatärztlichen Bundesverband (PBV) Dr. Thomas Ems seine Erfahrungen mit der Niederlassung weiter – vor allem Tipps für den Anfang, der auch für Privatärzte gut geplant sein will.

Gibt es genügend Patienten?

Gepp empfiehlt jungen Kolleginnen und Kollegen, die sich niederlassen wollen, vor allem auf einige wichtige Faktoren für einen gelungenen Start zu achten. Wer seinen Standort frei wählen kann und keine Praxis übernimmt, sollte zum Beispiel darauf achten, dass vor Ort auch genug Privatpatienten und Beamte in Reichweite leben. Er selbst ließ sich damals in der Verwaltungsstadt Darmstadt nieder, wo genügend Beamte und ihre Familien leben.

Ganz wichtig ist es, sich das Angebotsspektrum von Praxen in der Region anzuschauen und dann zu überlegen, mit welchen Tätigkeitsschwerpunkten oder Spezialleistungen die Praxis reüssieren könnte. Viele Privatärzte hätten für sich als den sogenannten Unique Selling Point (USP) – so heißt es im Marketing-Deutsch – herausgearbeitet, dass sie sich genügend Zeit für die Patienten nehmen und eben nicht dem Zwang unterliegen, Fünf-Minuten-Medizin machen zu müssen, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen.

„Ganz wichtig ist es auch, authentisch aufzutreten“, betont Gepp. Er biete nie Leistungen an, von denen er selbst nicht hundertprozentig überzeugt sei.

Bewertungsportale fürs Marketing

Aber auch ein Privatarzt braucht ein gutes Marketing, empfiehlt Gepp aus Erfahrung. Er habe sich damals in einem fremden Ort niedergelassen und, um bekannt zu werden, „viele Vorträge gehalten und Gesundheitstage veranstaltet“. Das sei zu Beginn eine ziemliche Zusatzbelastung gewesen, habe sich aber letztlich gelohnt.

Heute sei die Online-Welt ein wichtiges Medium, um neuen Patienten ins Auge zu fallen: Trotz aller zum Teil berechtigten Kritik führe zum Beispiel an Bewertungsportalen für junge Mediziner kaum ein Weg vorbei. Auch die Möglichkeiten, in Google mit Textanzeigen zu werben, seien preiswert und wirkungsvoll, empfiehlt der Allgemeinarzt.

Nicht zuletzt sollten Ärzte bei der Abrechnung Maß halten. „Die Patienten sollten immer das Gefühl haben, dass das Honorar für die erbrachte Leistung in Ordnung ist“, so Gepp. Schließlich gehe es darum, als Hausarzt langfristige Betreuung zu leisten – und eben nicht, nur den schnellen Euro zu machen. Auf diese Weise gelinge es teilweise sogar, Kassenpatienten zumindest für manche Leistungen der Privatpraxis zu gewinnen.

Workshop Existenzgründung

» Titel und Referenten: Niederlassung ohne Kasse – Meine Privatpraxis; Dr. Christoph Gepp und Dr. Thomas Ems, beide Vorstände des PBV

» Ort und Zeit: Tag der Privatmedizin, Frankfurt, Campus Westend, 24. November, 13-13.45 Uhr,

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