Arbeitsmarkt 2017

Gesundheit soll Jobmotor bleiben

Für 2017 lautet die Prognose auf steigende Arbeitslosenzahlen. Außen vor soll aber der Gesundheitssektor sein.

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NÜRNBERG. Kurz vor dem Jahresende kam der Arbeitsmarkt noch mal so richtig auf Touren: Mit rund 2,53 Millionen Arbeitslosen – so die Prognose von Volkswirten deutscher Großbanken – dürfte die Zahl der Arbeitslosen im November auf ein neues Rekordtief gesunken sein. Man muss fast bis zur deutsch-deutschen Wiedervereinigung zurückblicken, um auf ähnlich niedrige Erwerbslosenzahlen zu kommen. Die gute 2016er Entwicklung dürfte auch der Dezember kaum noch verhageln.

Einig sind sich die Fachleute aber auch: Mit einem Job-Boom mit rekordverdächtigen Tiefständen dürfte es wohl erst mal vorbei sein. Für 2017 rechnen sie mit einer deutlich abgeschwächten Arbeitsmarktdynamik.

Allerdings waren sich Arbeitsmarktexperten bei ihrer Prognose für das Jahr 2017 lange nicht mehr so uneinig. Was die Ausblicke auf 2017 so schwierig macht: Kaum einer vermag am Jahresende 2016 zuverlässig abzuschätzen, wie schnell und in welchem Umfang die nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge im kommenden Jahr auf den Arbeitsmarkt drängen werden – und damit die Erwerbslosenzahlen in die Höhe treiben.

Am optimistischsten ist noch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit (BA) rechnet für 2017 mit 2,618 Millionen Arbeitslosen – das wären rund 70.000 weniger als in diesem Jahr. Auch wenn die Prognose noch vom Frühherbst stammt, das IAB hält daran auch nach der überraschenden Wahl Donald Trumps zum designierten nächsten US-Präsidenten fest, wie IAB-Prognose-Chef Enzo Weber versicherte. Hauptgrund für die optimistische Prognose: "Die Konjunktur wirkt weiter positiv, wenn auch nicht mehr so stark wie 2016". Für konjunkturellen Rückenwind sorge dabei nicht nur der schwache Euro, sondern auch die niedrigen Zinsen, preiswertes Öl und die wohl auch 2017 anhaltende starke Binnennachfrage – gestützt durch die den privaten Konsum, aber auch die staatlichen Ausgaben für die Flüchtlingsbetreuung.

Ungleich skeptischer sind Bankenvolkswirte. Keiner von ihnen rechnet 2017 ernsthaft mit einem erneuten Rückgang der Arbeitslosenzahlen – allenfalls mit einem Gleichstand, wie Allianz-Volkswirt Rolf Schneider. Die meisten seiner Kollegen gehen dagegen von einem Anstieg der Erwerbslosenzahlen auf 2,72 bis 2,75 Millionen aus; das wären 30.000 bis 60.000 mehr als in diesem Jahr. Die Wirtschaftswiesen der Bundesregierung prognostizieren hingegen nur einen leichten Anstieg der Erwerbslosenzahl um 4000.

Die Geister scheiden sich vor allem in der Flüchtlingsfrage. Während die einen bereits bis zum Sommer mit einem stärkeren Anstieg der Flüchtlings-Arbeitslosigkeit rechnen, kalkulieren andere damit erst in der zweiten Jahreshälfte 2017. Ende Oktober gab es nach Angaben der Bundesagentur 386 000 arbeitssuchende Flüchtlinge; 157 000 davon galten offiziell als arbeitslos, der Rest befand sich noch in Integrations- oder Berufsvorbereitungskursen.

Um eine differenzierte Betrachtung beim Flüchtlingsthema bemüht sich derweil IAB-Arbeitsmarktforscher Weber. Er geht zwar davon aus, dass "die 2015 nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge 2017 zum allergrößten Teil auf dem Arbeitsmarkt ankommen". "Alle" – das sind etwa rund 400.000 Flüchtlinge. Nur sie sind im erwerbsfähigen Alter und - anders als Ältere, manche Frauen und Kinder – auch in der Lage zu arbeiten.

Aber auch von den 400.000 würden nicht alle automatisch arbeitslos, sobald ihr Asylverfahren abgeschlossen sind, gibt Weber zu bedenken. Einige dürften eine Stelle finden, andere bräuchten noch eine weitere Trainingsmaßnahme, um leichter beruflich Fuß zu fassen. Die Zahl der arbeitslosen Flüchtlinge wird daher nach Webers Prognose im Jahr 2017 voraussichtlich um allenfalls 90.000 steigen.

Dass im Saldo die Zahl der Arbeitslosen nach IAB-Prognose 2017 dennoch um 70.000 sinken dürfte, hängt mit den anhaltend guten Vermittlungschancen für inländische Jobsucher zusammen. Denn auch für 2017 rechnen Experten mit einem steigenden Jobangebot. Neue Arbeitsplätze entstünden vor allem in Kitas, Krankenhäusern Pflegeheimen, im Handel, bei Kurierdiensten, in der Gastronomie und teils auch auf dem Bau und in der Industrie. Mit Jobverlusten rechnen die Nürnberger Arbeitsmarktforscher hingegen bei Banken und Versicherungen. (dpa)

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