Praxisführung

Gezapft wird erst nach der Vorentscheidung

Auch Ärzte dürfen nicht einfach von Stellenbewerbern Blut abzapfen. Und sind sie als Betriebsarzt für andere Unternehmen tätig, gilt eine strenge Schweigepflicht.

Von Wolfgang Büser Veröffentlicht: 22.01.2010, 05:00 Uhr

Unter welchen Bedingungen darf ein Arbeitgeber von potenziellen Mitarbeitern das Blut abzapfen lassen? Spätestens, nachdem der Autobauer Daimler wegen angeblich unrechtmäßig vorgenommener Blutuntersuchungen von Stellenbewerbern ins Gerede gekommen ist, stellen sich nicht nur Datenschützer, zunehmend diese Frage. Dabei müssen sich Ärzte gleich in doppelter Funktion mit der Frage auseinandersetzen: als Arbeitgeber und als Betriebsarzt für andere Unternehmen. Folgendes ist zu beachten:

  • Jegliche körperliche Untersuchung eines Stellenbewerbers setzt voraus, dass sich der Arbeitgeber entschieden hat, diese Person - gesundheitliche Eignung vorausgesetzt - einstellen zu wollen.
  • Auch nach der grundsätzlichen Entscheidung für eine Bewerberin oder einen Bewerber darf vor der endgültigen Einstellung nur dann eine betriebsärztliche Untersuchung verlangt werden, wenn die zu besetzende Stelle besondere körperliche oder gesundheitliche Anforderungen stellt.
  • Dabei darf der Betriebsarzt künftige Beschäftigte um eine Blutprobe bitten, wenn er dies mit Blick auf den angestrebten Arbeitsplatz für erforderlich hält. Vorher sind die Probanden darüber zu informieren, auf welche Faktoren das Blut untersucht werden soll. Sie müssen der Untersuchung nicht zustimmen. Weigert sich der Bewerber, darf der Arzt diese Weigerung nicht ausdrücklich in seine Begutachtung für den Arbeitgeber aufnehmen, sondern allenfalls angeben, dass bestimmte Merkmale nicht untersucht werden konnten.
  • Ist es zur Blutuntersuchung gekommen, so darf der Betriebsarzt Diagnosen oder detaillierte Untersuchungsergebnisse dem Arbeitgeber nicht mitteilen. Er darf lediglich die Information weitergeben, ob die untersuchte Person für den Arbeitsplatz geeignet ist oder nicht. Medizinische Daten darf er dem Arbeitgeber/Auftraggeber aufgrund seiner ärztlichen Schweigepflicht auf keinen Fall mitteilen.

Mehr zum Thema

KBV-Honorarbericht QI und QII 2018

Pädiater legten beim Honorar am stärksten zu

Praxismanagement

Bei der Standortwahl zählen als erstes die Patienten

Kommentar zum Kampf gegen Bürokratie

Digitalisierung bedeutet nicht weniger Bürokratie

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden