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Grippewelle und Dronabinol treiben Bionorica-Umsätze

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DÜSSELDORF. Im Vergleich zu 2018 war die Grippe im vergangenen Jahr noch harmlos. Doch schon 2017 brachte der aufgrund der Zunahme bei Atemwegserkrankungen erhöhte Bedarf dem Phytotherapeutika-Hersteller ein kräftiges Umsatzplus. Der Marktführer bei Phytotherapeutika in Deutschland wuchs aber auch in anderen Indikationen im In- und Ausland deutlich, so dass beim Umsatz mit 297,6 Millionen Euro (+17,6 Prozent) nur ganz knapp die Schwelle von 300 Millionen Euro unterschritten wurde.

"Wir hatten ein richtig tolles Jahr", sagte Professor Michael Popp, Inhaber und Vorstandsvorsitzender der Bionorica SE, bei der Vorlage des Jahresberichts am Freitag in Düsseldorf. Dieser Trend soll auch in diesem Jahr gehalten werden. Aktuell und angesichts der seit langem stärksten Grippewelle liegt Bionorica mit seinen Atemwegspräparaten Sinupret® extract und Bronchipret®, aber auch mit Imupret® auf "einem ganz hohen Plateau" oder gar auf Rekordkurs. Trotz der hohen Nachfrage bleibe man aber lieferfähig, betonten Popp und der Vorstand für Marketing und Vertrieb Dr. Uwe Baumann.

Die positive Entwicklung beruht aber nicht nur auf den Präparaten für Atemwegserkrankungen. Bei Urologika habe das in Neumarkt/Oberpfalz ansässige Unternehmen 2017 ein Plus von 24 Prozent erzielt, im Segment Atemwege 10,4 Prozent mehr abgesetzt und bei Gynäkologika fast neun Prozent mehr. Bionorica habe seinen Marktanteil durch das Wachstum der Kernmarken weiter ausgebaut.

Als Wachstumstreiber erwies sich nach der Gesetzesänderung zur Abgabe von Cannabis auf Btm-Rezept vor allem für Schmerzpatienten der Wirkstoff Dronabinol. 2016 habe man noch 3000-4000 Patienten mit Dronabinol versorgt, 2017 seien es 11.000 gewesen, berichtete Popp – "und das bei einer Ablehnungsquote durch die Medizinischen Dienste von 40 Prozent". Nach einer "langen Durststrecke", in denen Bionorica in diesem Markt rote Zahlen geschrieben habe sei der Dronabinol-Umsatz in Deutschland im vergangenen Jahr um 193 Prozent auf 8,6 Millionen Euro gestiegen. "Wir rechnen mit weiter steigendem Bedarf", so Vertriebsvorstand Baumann, "es gibt weiterhin eine große Zahl von Patienten, die nicht gut versorgt sind". Dabei werde Dronabinol nicht nur Patienten mit chronischen Schmerzen verordnet. 55 Prozent der Verordnungen kämen diesen Patienten zugute, 15 Prozent der Verordnungen würden gegen Appetitlosigkeit, je fünf Prozent gegen Spastik sowie Übelkeit und Erbrechen sowie weitere 20 Prozent bei sonstigen Indikationen wie Tourette-Syndrom ausgestellt.

Bionorica vertreibt ausschließlich Dronabinol als Extrakt, keine Blüten. Die Tagestherapiekosten lägen bei gut acht Euro, erläuterte Baumann. Bei der Verordnung von Blüten lägen sie dagegen bei 36 Euro. Beim Marktanteil liege Bionorica etwa gleichauf mit Sativex® (Spray), ein weiteres Drittel entfalle auf Blüten.

Sehr gut seien die Geschäfte in Russland gelaufen. Dort sei dank einer gebesserten Wirtschaftslage und des stabilisierten Rubels der Umsatz in Euro um nahezu 30 Prozent gestiegen. Jetzt habe sich ausgezahlt, dass Bionorica die Preise nicht im selben Maße erhöht habe, als der Rubelkurs gesunken sei. Dadurch habe man die Marktanteile ausbauen können und profitiere jetzt davon. Russland ist mit über 20 Millionen Packungen Bionoricas größter Absatzmarkt, knapp vor Deutschland. Auch in anderen osteuropäischen Märkten wie Polen und Ukraine habe man hohe Zuwachsraten erzielt. Zwei Drittel der Umsätze erwirtschaftet der Phyto-Spezialist im Export. Für die kommenden Jahre – nachdem einige rechtliche Hürden beseitigt worden sind – plant das Unternehmen auch den Markteintritt in weiteren Ländern West- und Südeuropas, zum Beispiel in Spanien, Italien und Frankreich.

Mit 300 Millionen Euro Umsatz ist für Popp noch nicht das Ende des Wachstums erreicht. Derzeit baue Bionorica in Woronesch ein Werk in Russland, das die Produktionskapazitäten des Unternehmens verdoppeln werde. 2018, im 85. Jahr seines Bestehens wolle man 40,5 Millionen Euro investieren, mehr als doppelt so viel wie 2017. Unter anderem soll die Kapazität der Dronabinol-Herstellung vervierfacht werden. 13 bis 15 Prozent des Umsatzes fließe in die Forschung des Phytoneering-Unternehmens, wie sich Bionorica selbst nennt. Derzeit arbeite das Unternehmen unter anderem an Extrakten für metabolisches Syndrom, Leber und Magen-Darm. In fünf bis acht Jahren könnten daraus dann neue Phytopräparate entstehen. (ger)

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