Klinik-Qualität

Indikatoren für Exzellenz fehlen noch

Versorgung nach dem medizinischen Standard ist noch keine förderungswürdige Qualität. Doch welche Kliniken sollen künftig einen Zuschlag für exzellente Qualität erhalten? Das IQTiG legt dem GBA bis Mitte 2017 ein Konzept vor.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Hygiene im OP: Was ist Standard, was Exzellenz?

Hygiene im OP: Was ist Standard, was Exzellenz?

© Tylor Olson / fotolia.com

KÖLN. Im künftigen System der ergebnisorientierten Vergütung von Krankenhausleistungen wird es kein Problem sein, die Kliniken zu finden, die wegen Qualitätsdefiziten Abschläge hinnehmen müssen. Schwierig wird es dagegen, die Häuser mit Exzellenzqualität zu identifizieren, die Zuschläge erhalten sollen, erwartet der Leiter des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiG) Dr. Christof Veit.

"Wir werden dafür neue Instrumente entwickeln müssen", sagte Veit auf dem "Gesundheitskongress des Westens 2016" in Köln. Versorgen Häuser Patienten nach dem medizinischen Standard, sei das noch keine förderungswürdige Qualität. Das IQTiG will dem Gemeinsamen Bundesausschuss bis Mitte 2017 ein Konzept für die qualitätsorientierte Vergütung liefern.

IQTiG setzt auf vertraute Indikatoren

Zurzeit arbeitet das Institut an Indikatoren für die qualitätsorientierte Krankenhausplanung. Die Umsetzung beginnt voraussichtlich Anfang 2017 in bis zu zwei Leistungsbereichen. Das IQTiG greift zunächst auf Indikatoren zurück, die den Kliniken schon vertraut sind.

Das neue System wird dazu führen, dass Qualitätsdefizite nicht mehr folgenlos bleiben und Abteilungen aus dem Krankenhausplan genommen werden können. "Es ist nicht der Fall, dass alle Krankenhäuser gut sind. An manchen Stellen muss die Reißleine gezogen werden", betonte der IQTiG-Chef. So fehle in der Geburtshilfe in einem Drittel der Häuser bei Frühgeburten ein Pädiater.

Die jüngsten Gesetze hätten den Planungsbehörden eine Handlungsmöglichkeit gegen Kliniken gegeben, die sich in den Krankenhausplan einklagen wollen. "Das Grundrecht auf Berufsfreiheit hat eine Grenze, wenn Qualität eine Rolle spielt", sagte er.

Der Vorstandsvorsitzende des Klinikums Augsburg Alexander Schmidtke begrüßte, dass Qualitätsmängel künftig Konsequenzen haben sollen. Er forderte aber mehr Mut von der Politik. "Ich erwarte, dass die Länder ihre Steuerungsverantwortung übernehmen." Wenn in der Geburtshilfe mehrere Kliniken aktiv sind, müssten die Behörden diejenigen vom Netz nehmen, die keinen Pädiater haben.

Schmidtke hält das Konzept der qualitätsorientierten Vergütung für sinnvoll. Es könne die notwendigen Anreize für Verbesserungsprozesse in den Häusern liefern. Dr. Rainer Norden, Vorsitzender der Geschäftsführung des Evangelischen Krankenhauses Bielefeld, ist da wesentlich skeptischer. "Ich lehne qualitätsorientierte Entgelte grundsätzlich ab, wenn wir den MDK oder die Krankenkassen dafür verantwortlich machen."

Den Kassen gehe es vor allem darum, die Zahl der Krankenhäuser oder der Krankenhausträger zu reduzieren. Der Qualitätsansatz und die geforderte höhere Transparenz seien an sich zwar gut, sagte Norden. "Aber sie werden instrumentalisiert."

"Armutszeugnis für die Medizin"

Die Diskussion über Qualitätskriterien und die Definition von Qualität hält Dr. Matthias Bracht, Geschäftsführer Medizin des Klinikums Region Hannover, für notwendig und überfällig. "Es ist ein Armutszeugnis für die Medizin, dass sie das nicht selbst entwickelt hat."

Bracht wünscht sich aber in der Debatte eine andere Akzentsetzung. Mit den von Veit skizzierten Aufgaben für das IQTiG - fördern, informieren, regulieren - werde zurzeit auf typisch deutsche Weise umgegangen. "Wir diskutieren hauptsächlich über das Regulieren", kritisierte Bracht. Seiner Meinung nach sollte es dagegen schwerpunktmäßig um die Information gehen.

Patienten müssten wissen, an welchen Kriterien sie sich bei der Krankenhauswahl orientieren können. Herrscht Transparenz, werden sie sich gegen Kliniken mit minderer Qualität entscheiden, erwartet Bracht. Das werde die Politik in Zugzwang bringen, die sich meist an der Sichtweise der Bevölkerung orientiere. "Wir müssen dabei ansetzen, dass die Bevölkerung entscheidungsfähig wird."

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