Internist im Visier: Abrechnungsbetrug im großen Stil?

Die Staatsanwaltschaft hat die Praxis und Wohnung eines Hamburger Internisten durchsucht. Der Vorwurf: Abrechnungsbetrug.

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Hat ein Internist aus Hamburg jahrelang die Krankenkassen betrogen?

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© Slobodan Vasic / fotolia.com

HAMBURG (di). Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt gegen einen 54-jährigen, niedergelassenen Internisten. Unter anderem habe er Hausbesuche in Niedersachsen abgerechnet.

Bei der Durchsuchung der Wohnung und Praxis des Arztes stellte die Staatsanwaltschaft nach Angaben ihres Sprechers umfangreiches Material sicher, das derzeit noch ausgewertet wird. Ausschlaggebend für die Ermittlungen in der Hansestadt war ein Hinweis der AOK Niedersachsen, die nach internen Überprüfungen auf implausible Vorgänge gestoßen war.

Die AOK bestätigte der "Ärzte Zeitung", dass der in Hamburg niedergelassene Arzt zahlreiche Hausbesuche in Niedersachsen abgerechnet hat. So waren beispielsweise an einem Tag 89 Hausbesuche an 21 Anschriften durch den Arzt angegeben worden. Bei einer durchschnittlichen Besuchszeit von 15 Minuten wären dies allein 22 Stunden für die Hausbesuche gewesen; hinzu kommen noch 480 Kilometer, die er für die Anfahrt zurücklegen musste.

Der Arzt hatte unter anderem Hausbesuche in Braunschweig angegeben, das rund 200 Kilometer von der Hansestadt entfernt ist.

Bei den internen Ermittlungen kam nach Angaben der AOK Niedersachsen auch heraus, dass der Internist Gespräche zur Empfängnisverhütung bei einem vierjährigen Mädchen und bei einer 83-jährigen Patientin abgerechnet hat.

Nach Angaben des NDR sind auch andere Krankenkassen bei ihren Überprüfungen auf den Arzt aufmerksam geworden. Die TK bestätigte der "Ärzte Zeitung", dass die dem Arzt zuzurechnenden Verordnungen und Abrechnungen nochmals überprüft werden. Weitere Angaben machten weder Kassen noch KV unter Hinweis auf das laufende Ermittlungsverfahren.

Es sind die umfangreichsten Vorwürfe wegen Abrechnungsbetrugs gegen einen niedergelassenen Arzt aus Hamburg, die in den vergangenen Jahren bekannt wurden. Durch Missbrauch im Gesundheitswesen entsteht den gesetzlichen Krankenkassen nach eigenen Angaben ein Schaden in Milliardenhöhe.

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