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Klinik Bremen-Mitte drückt Reset-Knopf

Nach dem Tod dreier Frühchen stand das Klinikum Bremen-Mitte monatelang im Fokus der Öffentlichkeit. Das hat die Mitarbeiter stark belastet. Jetzt soll gegengesteuert werden - etwa durch ein "Betriebsbarometer".

Christian BenekerVon Christian Beneker Veröffentlicht:
Die Kamerateams sind vor dem Bremer Klinikum Mitte längst abgezogen, dennoch wirkt sich das einstige mediale Geschehen negativ auf die Mitarbeiter aus.

Die Kamerateams sind vor dem Bremer Klinikum Mitte längst abgezogen, dennoch wirkt sich das einstige mediale Geschehen negativ auf die Mitarbeiter aus.

© Ingo Wagner / dpa

BREMEN. Hygieneskandal und Frühchentod - in den Jahren 2011 und 2012 kam das Bremer Klinikum Mitte (KBM) nicht aus den Schlagzeilen heraus.

Auf der Kinderintensivstation waren drei Frühchen an Klebsielleninfektionen gestorben und viele andere Säuglinge mit dem Erreger besiedelt oder bereits von ihm infiziert.

Die Nachwirkungen des Geschehens machen sich bis heute für viele Mitarbeiter psychisch bemerkbar. Klinikleitung und betriebsärztlicher Dienst nutzen die Krise zum Aufbruch.

Die toten Kinder lösten deutschlandweite Diskussionen über die Arbeit des Bremer Hauses aus. Die Mitarbeiter des KBM standen monatelang im Fokus der Öffentlichkeit.

Ausfallquote stieg kräftig an

Ausgiebig wurde über die Führungsstruktur diskutiert, über Qualifikationen, Arbeitsstile, Händedesinfektion, die Fürsorge der Leitungsebene, Fehlzeiten und vieles andere mehr. Der Staatsanwalt drohte, ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss wurde eingesetzt.

"Das nagt am Vertrauen in die eigene Arbeit und am Selbstverständnis", erklärt Daniela Wendorff, pflegerische Geschäftsführerin am KBM. "In den letzten zwei Jahren war bei uns deshalb besonders das seelische Wohlbefinden sehr getrübt."

Die Folge: Die Ausfallquote im KBM stieg kräftig an. "Wir wussten - wir müssen was tun", sagt Wendorff.

Zeitgleich hat die EU-Kommission die Beurteilung der psychischen Belastungen in die Biostoff-Verordnung aufgenommen, so Dr. Hubertus von Schwarzkopf, Leiter des betriebsärztlichen Dienstes am KBM.

"Das heißt, wir haben als Arbeitsmediziner unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nun nicht nur vor Nadelstichverletzungen zu schützen, sondern auch vor psychischen Auswirkungen bei Infektionsgefährdungen."

Darum wurde eine rund 40-köpfige Planungsgruppe ins Leben gerufen. Sie soll erarbeiten, wie man die Mitarbeiter durch Wertschätzung stärker macht. "Das ist der Schlüssel zum Erfolg. Wir wollen mehr Empathie leben", so Wendorff.

Modelle für familiengerechte Arbeitszeiten

Die Bremer ändern auch Strukturen. Sie haben eine "Ausfallkonzeption" geschneidert. Eine Kombination aus Aushilfskräften, einem "Springer-Pool" ausgebildeter Mitarbeiterinnen plus Arbeitszeitmodell soll den Zeitdruck mindern.

Auch für die Assistenzärztinnen schneidert das Haus neue Modelle für familiengerechte Arbeitszeiten inklusive Unterstützung bei der Kita-Platz-Suche.

Ein neues - bereits preisgekröntes - Wiedereingliederungsmanagement erlaubt zum Beispiel Langzeitkranken mit Unterstützung der Kassen den Wiedereinstieg Schritt für Schritt.

Die Arbeitsmedizin erarbeitet derzeit regelmäßige Gefährdungsbeurteilungen - ein "Betriebsbarometer", das die psycho-mentalen Belastungen des Alltags erfasst - und setzte einen Ausschuss für betriebliche Gesundheitsförderung ein.

Mehr noch. "Wir brauchen eine klare Betriebsvereinbarung", fordert von Schwarzkopf, "darin wird festgeschrieben, wie die Prävention vor Keimbefall aussieht."

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Aus Fehlern gelernt?

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