Gewebespenden in Pandemiezeiten

Krebspatienten: Mehr Aufklärung über Gewebespenden nötig

Die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation verweist darauf, dass viele Krebspatienten Gewebe spenden können – das aber offenbar nicht wüssten.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
Brutschrank in der Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern im Biomedizinischen Forschungszentrum Rostock: Hier bleiben präparierte menschliche Hornhäute bei -32 Grad für zehn bis 28 Tage verwendbar.

Brutschrank in der Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern im Biomedizinischen Forschungszentrum Rostock: Hier bleiben präparierte menschliche Hornhäute bei -32 Grad für zehn bis 28 Tage verwendbar.

© Bernd Wüstneck / ZB / dpa-Zentralbild / picture alliance

Hannover. Trotz des steten Ausbaus der Gewebespende und steigender Transplantatvermittlung herrscht in Deutschland nach Angaben der Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) noch immer ein Mangel an Gewebe, insbesondere an Augenhornhäuten, Herzklappen und Blutgefäßen. Dabei geht die DGFG, wie sie jüngst mitgeteilt hat, davon aus, dass der Eigenbedarf an Gewebe in Deutschland gedeckt werden kann – ganz unabhängig von Importen aus dem Ausland.

Ein Selbstläufer sind Gewebespenden indes nicht, warnt DGFG-Geschäftsführer Martin Börgel. „Dies gelingt nur, wenn die Gewebespende weiterhin als Gemeinschaftsaufgabe verstanden wird. Hier spielt das Bewusstsein der Bevölkerung eine große Rolle, jedoch muss auch die Infrastruktur für eine nachhaltige Gewebespende gegeben sein“, benennt Börgelexplizit seine Großbaustellen.

Dabei nimmt er auch die behandelnden Ärzte im stationären wie ambulanten Kontext in die Pflicht, ihre Patienten umfassend über die Option der Gewebespende im Falle des persönlichen Ablebens zu informieren. Zu wenigen bekannt sei zum Beispiel, dass nahezu jeder Mensch Gewebe spenden könne – im Falle der Augenhornhaut sogar bis zu 72 Stunden nach Todeseintritt. Zudem spiele die Hirntoddiagnostik bei der Gewebespende im Gegensatz zur Organspende keine Rolle.

Meist eine „Herzensangelegenheit“

Laut DGFG sind im vergangenen Jahr 87 Prozent der Gewebespenderinnen und -spender an einem Herz-Kreislauf-Stillstand verstorben. Somit sei die Zahl potenzieller Spenderinnen und Spender sehr groß: Von 986 .000 Menschen sei der Großteil in 2020 an Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestorben.

Explizit ruft die DGFG behandelnden Ärzten onkologischer Patientinnen und Patienten in Erinnerung, dass „auch viele Krebserkrankungen oder ein hohes Lebensalter eine Gewebespende nicht zwingend“ ausschlössen. Fast 40 Prozent der postmortalen Gewebespenderinnen und -spender sei in 2020 älter als 75 Jahre gewesen.

Kühlen Kopf behalten

Für das vergangene Jahr verzeichnet die DGFG mit 2816 Gewebespenden (2019: 2.764) und 6364 vermittelten Gewebetransplantaten (2019: 5585) erneut einen Anstieg – vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie sei das „eine nahezu überraschende Entwicklung“. Noch im Frühjahr 2020 habe der erste Lockdown in Deutschland die Spende und Transplantation von Gewebe vorübergehend ausgebremst.

„Corona stellt uns alle vor bisher unbekannte Herausforderungen. Die Konfrontation mit dem Tod schien selten so nah und alltäglich wie in diesen Zeiten. Daher empfinde ich absolute Demut, dass so viele Menschen beziehungsweise ihre Angehörige die Gewebespende trotz globaler Ausnahmesituation wahrnehmen und in 2020 einer Spende zugestimmt haben“, resümiert Börgel.

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