"Kreißsaal im Klinikum Bremen-Mitte öffnen!"

Nach dem Klinik-Skandal in Bremen-Mitte zog die Politik die Reißleine und ließ nicht nur die Frühchenstation schließen - auch der Kreißsaal wurde verbarrikadiert. Jetzt warnen Frauenärzte vor Versorgungsengpässen.

Christian BenekerVon Christian Beneker Veröffentlicht:
Derzeit geschlossen, aber vielleicht doch bald wieder geöffnet? Frühchenstation im Klinikum Bremen-Mitte.

Derzeit geschlossen, aber vielleicht doch bald wieder geöffnet? Frühchenstation im Klinikum Bremen-Mitte.

© dpa

BREMEN. Der Protest hat genützt. Nachdem das Bremer Klinikum Mitte (KBM) seine Geburtshilfe wegen Hygiene-Mängeln geschlossen hatte, gab es in anderen Bremer Kreißsälen Engpässe.

Dr. Andreas Umlandt, Vorsitzender des Bremer Landesverbandes der Frauenärzte, hatte sogar "lazarettähnlich Zustände" angeprangert und forderte einen Runden Tisch Geburtshilfe an der Weser.

Inzwischen hat sich die Situation entspannt, aber sie sei "auf Dauer so kein Zustand", so Umlandt.

Rund 6000 Entbindungen verzeichnen die Krankenhäuser der Stadt Bremen im Jahr. Im Zusammenhang mit den Hygienemängeln und den drei 2011 an Klebsiellen gestorbenen Frühchen in der Geburtshilfe des KBM soll die Geburtshilfe weiter geschlossen bleiben.

Überforderung in anderen Kreißsälen

Das hat die Holdingleitung der "Gesundheit Nord" (GeNo) beschlossen, zu der das KBM gehört.

Der Verband der Bremer Frauenärzte protestierte gegen den Beschluss und forderte die Wiedereröffnung des Kreißsaales des KBM, um Versorgungsengpässe zu vermeiden.

In den verbleibenden Kreißsälen seien Pflegende, Ärzte und Hebammen mit der großen Menge der Entbindungen überfordert gewesen, so Umlandt.

Das Klinikum Links der Weser (LdW) und das Joseph-Stift haben derzeit fast 1100 Entbindungen im Jahr mehr zu bewältigen. "Die medizinischen Risiken waren unkalkulierbar", so Umlandt heute.

"Dass es heute besser klappt, ist nur der überdurchschnittlichen Motivation der Mitarbeitenden in den Krankenhäusern zu verdanken." In den Geburtsstationen arbeiteten neue Teams, die sich erst haben zusammenfinden müssen.

GeNo will erst die Quelle finden

Seine Kritik hatte Umlandt auch erheblichen Ärger eingebracht. Aber der Runde Tisch steht. Er soll jetzt Fehlversorgung benennen und abstellen.

Unter anderem Kassen, KV, Pflege, Klinikvertreter, Hebammen und Bremens Gesundheitsressort konnten in ihren ersten Treffen offenbar immerhin konstruktiv miteinander sprechen.

So wurde auch das Problem erörtert, dass der Kinderchirurgie am KBM in Bremen wegen der geschlossenen Geburtshilfe weniger Patienten hat.

Auch deshalb hätten sowohl Kliniker als auch die Niedergelassenen am Runden Tisch gefordert, den Kreißsaal wiederzueröffnen, sagt Umlandt.

Die GeNo indessen hält sich zurück. GeNo-Sprecherin, Karen Matiszick: "So lange wir nicht wissen, woher genau der Keim kam, der auf der Neonatologie Kinder infiziert hat, werden wir die Geburtshilfe nicht wieder eröffnen."

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