Gluteninduzierte Enteropathie

Lebenslange glutenfreie Ernährung ist derzeit die einzige Therapie

Veröffentlicht:

Gedeihstörungen, Untergewicht, Appetitlosigkeit und ein aufgeblähter Bauch - Symptome wie diese weisen bei kleinen Kindern auf eine gluteninduzierte Enteropathie oder Sprue hin. Bei älteren Kindern sind diese Symptome seltener und nicht so deutlich. Einzigster Hinweis ist dann ein ausgeprägter Minderwuchs, darauf weist Professor Jürgen Stein in seinem CME-Beitrag "Wenn der Darm das Brot nicht verknust" hin.

Die Häufigkeit der Erkrankung sei lange Zeit unterschätzt worden, so der Gastroenterologe vom Zentrum für Viszeral- und Ernährungsmedizin in Frankfurt am Main. Derzeit wird von einer Prävalenz in Deutschland von etwa 1 : 500 ausgegangen.

Die gluteninduzierte Enteropathie oder Zöliakie ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms. Sie ist bedingt durch eine Unverträglichkeit des Glutens, also des Klebereiweißes in Weizen, Roggen oder Gerste. Die Darmschleimhaut verändert sich entzündlich, die Folgen sind Zottenatrophie und Kryptenhyperplasie. Durch die Atrophie der Zotten wird die Resorption von Nährstoffen erschwert.

Die abnorme Reaktion der Darmschleimhaut wird durch Giladin, einen Bestandteil des Glutens ausgelöst. Dessen Peptide triggern die Produktion entzündungsauslösender Botenstoffe und lösen die weitere Entzündungskaskade aus.

Diagnostiziert wird die Erkrankung mittels Biopsie im distalen Duodenum und anschließender histologischer Untersuchung. Da das Duodenum fleckförmig in unterschiedlicher Ausprägung betroffen sein kann, werden vier bis sechs große Biopsien aus unterschiedlichen Regionen entnommen. Ergänzt wird die Diagnostik durch die Bestimmung sprueassoziierter Antikörper. Der Schweregrad wird dann nach den sogenannten Marsh-Kriterien eingeteilt.

Bei positiver Biopsie ist eine lebenslange glutenfreie Ernährung derzeit die einzige Therapie. Dies ist im Alltag allerdings - auch bei bester Compliance - oft schwierig, da Gluten in vielen Produkten versteckt vorkommt oder sich als Verunreinigung findet. Beispiele hierfür sind Malzbonbons, Kartoffelchips oder Ketchup. Auch Medikamente können Gluten enthalten. Kartoffeln, Hülsenfrüchte und Buchweizen zum Beispiel sind dagegen glutenfrei.

Speziell glutenfreie Produkte erkennt man an der Aufschrift "glutenfrei" oder an dem Logo der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft e. V. (www.dzg-online.de). Diese gibt auch jährlich eine aktualisierte "Aufstellung glutenfreier Lebensmittel und Arzneimittel" und das "Zöliakiehandbuch" heraus.

Erhalten die Patienten eine glutenfreie Kost, bessern sich die Symptome meist innerhalb weniger Wochen. Bei älteren Menschen kann dies auch Monate dauern. Bestehen schwere Vitamin- und Mineralstoffdefizite, sollte entsprechend substituiert werden. Zu beachten ist auch, dass die Diät zu Beginn laktosefrei sein sollte, da bei Sprue fast immer ein sekundärer Laktosemangel und damit eine Laktoseintoleranz besteht. In der Remission wird Milch dann meist wieder gut vertragen.

Bessern sich die Symptome nicht und kann ein bewusster oder unbewusster Diätfehler ausgeschlossen werden, kann es sich um eine therapierefraktäre Sprue handeln. Hier erhalten die Patienten Kostikosteroide. Sprechen diese nicht an, werden Immunsuppressiva eingesetzt.

(otc)

Hier geht es zu den Modulen

Ihr Newsletter zum Thema
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kasuistik

Massiv erhöhter CA-19-9-Wert weckt falschen Krebsverdacht

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft

Lesetipps
Das Zusammenspiel zwischen Vermögensverwalter und Anlegerin oder Anleger läuft am besten, wenn die Schritte der Geldanlage anschaulich erklärt werden.

© M+Isolation+Photo / stock.adobe.com

Geldanlage

Was einen guten Vermögensverwalter ausmacht

Person mit weißer Pille in der rechten Hand und Glas Wasser in der linken Hand

© fizkes - stock.adobe.com

Acetylsalicylsäure in der Onkologie

ASS schützt Senioren langfristig wohl nicht vor Krebs