Medizinklimaindex

Stimmung bei Hausärzten beginnt zu kippen

Ein Auf und Ab: Im Herbst noch zeigte der Medizinklimaindex bei Ärzten ein Stimmungshoch an. Nun scheint ihre Zuversicht wieder deutlich zu schwinden, vor allem bei Hausärzten.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht:
Barometer steht auf Schlechtwetter: Wechselhaft bis regnerisch – auch Ärzte blicken in der aktuellen Phase der Pandemie nicht mehr so optimistisch in die Zukunft wie noch im Herbst 2020.

Wechselhaft bis regnerisch – auch Ärzte blicken in der aktuellen Phase der Pandemie nicht mehr so optimistisch in die Zukunft wie noch im Herbst 2020. Die Ausschläge sind aber nicht so stark wie in der ersten Welle.

© MAURO / stock.adobe.com

Hamburg. In der dritten Welle der Pandemie schwindet bei Hausärzten erneut die wirtschaftliche Zuversicht – anders als bei Fachärzten, Zahnärzten und psychologischen Psychotherapeuten. Mehr als ein Drittel der Hausärzte blickt derzeit pessimistisch in die Zukunft, wie der im Auftrag der Hamburger Stiftung Gesundheit der halbjährlich erhobene Medizin-Klima-Index (MKI) zeigt.

Über alle vier einbezogenen Gruppen betrachtet liegt der Wert mit minus 1,4 ungefähr auf einem Niveau wie vor der Pandemie. In der ersten Welle vor rund einem Jahr hatte es, wie berichtet, einen Absturz um fast 23 Punkte und im anschließenden Herbst 2020 eine massive Erholung mit Werten im Plusbereich gegeben.

Solche Ausschläge sind aktuell nicht eingetreten. „Von derartig heftigen Reaktionen ist bei den Ärzten trotz einer diskutierten dritten Welle derzeit nichts zu spüren“, sagte der Forschungsleiter der Stiftung Gesundheit Professor Konrad Obermann.

Corona-Erfahrung wirkt sich aus

Einziger Ausreißer sind die Hausärzte. Von ihnen bezeichnen zwar 27,5 Prozent ihre derzeitige wirtschaftliche Lage als gut und 53,5 Prozent als zufriedenstellend. Für die kommenden sechs Monate rechnen aber nur 7,5 Prozent mit einer guten und 56 Prozent mit einer unveränderten wirtschaftlichen Lage. Über 36 Prozent der an der Befragung teilnehmenden Hausärzte rechnen damit, dass sich ihre wirtschaftliche Situation verschlechtern wird. Die Forscher um Obermann errechnen daraus einen MKI-Wert von minus 10,1 bei den Hausärzten.

Obermann verwies allerdings auch darauf, dass in der ersten Pandemiewelle deutlich mehr Ärzte pessimistisch gestimmt waren. Dass dies jetzt moderater ausfällt, könnte nach seiner Ansicht „Ausdruck von Erfahrung mit der Infektion wie auch einer kritischeren Bewertung der epidemiologischen Diskussion sein.“

Fachärzte zumeist zufrieden

Bei den Fachärzten liegt der aktuelle MKI mit 1,3 sogar im Plusbereich. Von den Fachärzten bezeichnet genau ein Drittel ihre derzeitige wirtschaftlichen Situation als gut, 56,5 Prozent sagen, sie sei zufriedenstellend. Als schlecht empfindet nur jeder zehnte Facharzt die aktuelle Lage. Für die kommenden Monate erwarten 9,5 Prozent von ihnen eine gute Entwicklung, 60 Prozent rechnen mit Kontinuität und 30 Prozent mit einer Verschlechterung.

Die psychologischen Psychotherapeuten beurteilen die derzeitige und künftige Lage deutlich besser, sie kommen auf einen MKI-Wert von plus 18,9, während die Zahnärzte einen Wert von null erreichen. Ähnlich wie bei den Hausärzten ist aktuell jeder fünfte von ihnen unzufrieden, allerdings fällt ihre Erwartungshaltung für das nächste halbe Jahr nicht ganz so pessimistisch wie bei den Hausärzten aus.

Ähnlich pessimistisch wie Handel

Die von der Stiftung Gesundheit beauftragte Gesellschaft für Gesundheitsmarktanalyse (GGMA) hat die Befragung in der ersten Märzhälfte durchgeführt. Sie stützt die Auswertung auf die Antworten von 466 Ärzten, Zahnärzten und psychologischen Psychotherapeuten.

Die GGMA vergleicht den MKI auch regelmäßig mit dem Geschäftsklima anderer Branchen. Dieser Vergleich zeigt, dass nur im Handel eine vergleichbar pessimistische Stimmung herrscht. In keiner anderen Branche ist der Stimmungswert seit Herbst so stark eingebrochen wie im ambulanten Gesundheitssektor.

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