Europäisches Patentamt

Medizintechnik holt sich Pole-Position bei Patentanmeldungen zurück

Im ersten Corona-Jahr legte vor allem der Life-Science-Bereich mit Medizintechnik, Pharma und Biotechnologie im Vergleich zu anderen Branchen bei der Zahl der Patentanmeldungen in Europa deutlich zu.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
Wer sein geistiges Eigentum in Europa geschützt wissen will, kommt um eine Patentanmeldung beim Europäischen Patentamt in München nicht umhin.

Wer sein geistiges Eigentum in Europa geschützt wissen will, kommt um eine Patentanmeldung beim Europäischen Patentamt in München nicht umhin.

© Hans Lippert / imageBROKER / picture alliance

München. Die Medizintechnikbranche hat sich im vergangenen Jahr mit 14.295 Patentanmeldungen – 2,6 Prozent Plus im Vergleich zum Vorjahr – beim Europäischen Patentamt (EPA) in München die Pole-Position zurückerobert. Zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt hatte 2019 der Bereich der Digitalen Technologien an der Spitze der Patentanmeldungen in Europa gestanden.

Insgesamt wurden 2020 beim EPA 180.250 Patentanmeldungen eingereicht, womit die Zahl der Anmeldungen trotz Corona-Pandemie nahezu auf dem Niveau des Vorjahres und mit einem Rückgang von 0,7 Prozent nur leicht unter dem historischen Rekordwert von 2019 (181.532) blieb. Das geht aus dem am Dienstag in München veröffentlichten „Patent Index 2020“ hervor.

Bei der Betrachtung des medizintechnischen Patentanmeldegeschehens 2020 zeigt sich, dass die Innovationskraft dieser Branche weiterhin sehr stark von US-Unternehmen geprägt ist – 5519 Patentanmeldungen (+0,6 Prozent) stammten aus den Vereinigten Staaten, womit diese weiter Platz 1 belegen. Aggregiert folgen mit 5460 Anmeldungen (+ 0,5 Prozent) die 38 Mitgliedstaaten der Europäischen Patentorganisation (EPO) – wobei diese Auswertung der Bedeutung einzelner Erfinderländer nicht gerecht werden kann.

Deutschland bei MedTech auf Platz zwei

Denn: Nach Ländern betrachtet, verteidigt Deutschland mit 1210 Patentanmeldungen (-5,3 Prozent) seinen zweiten Platz, gefolgt von Japan (1011 Anmeldungen/+ 1,2 Prozent), den Niederlanden (709/-9,2 Prozent), Frankreich (677/+17,5 Prozent), der Schweiz (676/-13,1 Prozent), Großbritannien (436/+1,6 Prozent), China (414/+34,4 Prozent) und Südkorea (338/+13 Prozent).

Mit sechs der zehn patentfreudigsten Unternehmen verteidigen US-Unternehmen ihre dominante Stellung innerhalb der Medizintechnikbranche. Johnson&Johnson verweilt mit 781 Anmeldungen auf dem Spitzenplatz. Auf den weiteren Rängen folgen Medtronic (567 Anmeldungen), Philips (524), Bosten Scientific (319), Becton Dickinson (229), Sanofi (179) und Fresenius (136).

Hatten 2019 noch Procter & Gamble, Intuitive Surgical Operations sowie Samsung die weiteren Ränge belegt, so wurden alle drei Unternehmen aus den Top Ten gedrängt – und zwar von 3M (134 Anmeldungen), Fujifilm (117) und Edwards Lifesciences (107).

Deutliche Zuwächse bei Pharma und Biotechnologie

Wie das EPA explizit hinweist, waren im ersten Corona-Jahr besonders Erfindungen aus dem Gesundheitswesen für die Patentaktivitäten bei der Münchener Behörde verantwortlich. So verzeichnete der Life-Science-Bereich einen sprunghaften Anstieg – die Segmente Arzneimittel (8589 Anmeldungen/+10,2 Prozent) und Biotechnologie (7246 Anmeldungen/+6,3) zeigten die größte Zunahme bei den führenden Technologiefeldern (siehe nachfolgende Grafik).

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Insgesamt führte MedTech bei den Patentanmeldungen, gefolgt von den Digitalen Technologien, der Computertechnologie, Elektrischen Maschinen und Geräten, Energie sowie Transport. Die Pharmaindustrie belegt 2020 Platz sechs, gefolgt von der Messtechnik, der Biotechnologie, sonstigen Spezialmaschinen und der Organischen Feinchemie. Das heißt, an der Branchenzusammensetzung der Top Ten hat sich nichts geändert, es kam nur abermals zu Rangverschiebungen.

Als Trend kann das Patentgeschehen in 2020 allerdings noch nicht gewertet werden, stellt EPA Präsident António Campinos klar. „Die Zahlen zeigen noch kein vollständiges Bild der langfristigen Auswirkungen der Pandemie. Es ist jedoch unbestritten, dass der Weg zu einer gesünderen Welt und stärkeren, nachhaltigeren Volkswirtschaften über Innovation, Forschung und Wissenschaft führt. Denn Innovation, unterstützt durch ein starkes Schutzrechtsystem, ist in jeder Hinsicht ein bedeutender Motor des Aufschwungs“, so Campinos.

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