Telematik

Mehr Tempo, mehr Akzeptanz?

Experten rufen nach einer schnelleren Umsetzung medizinischer Anwendungen, wie der E-Patientenakte, für die Telematik.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:

ESSEN. Beim Aufbau der Telematik-Infrastruktur müssen die medizinischen Anwendungen so schnell wie möglich vorangetrieben werden, fordert Dr. Christiane Groß. Das könnte die Akzeptanz sowohl der Ärzte als auch der Patienten erhöhen, sagte die Vorsitzende des Ärztlichen Beirats zur Begleitung des Aufbaus einer Telematik-Infrastruktur in Nordrhein-Westfalen auf dem Kongress "eHealth.NRW – Das digitale Gesundheitswesen" in Essen. Groß plädierte dafür, den Notfalldatensatz, der in Münster bereits erfolgreich vorgetestet wurde, schnell einzuführen. "Dann würde für die Patienten sichtbar, dass etwas passiert." Auch der elektronische Arztbrief zum Austausch zwischen Haus- und Fachärzten sowie zwischen niedergelassenen Ärzten und Kliniken könnte die Patientenversorgung merklich verbessern.

Auch die elektronische Patientenakte kann aus ihrer Sicht einen wichtigen Fortschritt für die Patientenversorgung bringen. "Aber ich glaube, dass es noch ein weiter Weg ist, bis wir die Akte bekommen." Ist die Patientenakte verfügbar, müsse aber dafür Sorge getragen werden, dass dort strukturierte Daten gespeichert werden und nicht etwa sämtliche Befunde und Informationen.

Auch Thomas Müller, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, hält eine Strukturierung der in digitalen Anwendungen genutzten Daten für notwendig. Man dürfe die Ärzte und die anderen Leistungsträger nicht durch eine Flut von Informationen abschrecken, sagte er. Es sei eine große Herausforderung zu definieren, welches die relevanten Daten sind. "Wir müssen viel Energie darauf verwenden, dass wir belastbare, konkrete Informationen zur Verfügung stellen, um die Ärzte nicht zu überlasten", sagte Müller.

Die Akteure im Gesundheitswesen inklusive der Krankenkassen werden von den Versicherten zu einer breiteren Nutzung der vorhandenen Informationen getrieben werden, erwartet Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Nordwest. "Sie verlangen, dass wir mit den Daten etwas machen." Um die Daten zu nutzen, müsse man nicht auf die Telematik-Infrastruktur warten, betonte er. "Es gibt schon jetzt sehr viele gute Ansätze, wie wir die Informationen sektorübergreifend organisieren können", betonte er.

Susanne Mauersberg, Referentin für Gesundheitspolitik beim Verbraucherzentrale Bundesverband, plädierte dafür, bei der Entwicklung digitaler Anwendungen die Patienten aktiver zu beteiligen und das Feld nicht nur den Fachleuten zu überlassen. "Es sollte künftig eine geteilte Expertise geben", forderte sie. Eine qualitative Befragung ihres Verbands habe gezeigt, dass sich Patienten eine aktivere Rolle wünschen.

Mauersberg schlug vor, beim elektronischen Arztbrief neben der Information von Arzt zu Arzt immer auch eine "Übersetzung" im Patientenfach bereitzustellen, damit der Patient auf demselben Informationsstand ist.

Das hält die Ärztin Groß für keine gute Idee. In 99,8 Prozent der Fälle werde das wahrscheinlich gut gehen, bei 0,2 Prozent könnte die ungefilterte Information aber zu einer kompletten Destabilisierung führen, warnte sie. "Ich muss den Arztbrief immer erst besprechen und erklären, bevor er ins Patientenfach kommt." Das sei Teil der ärztlichen Verantwortung, betonte Groß.

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