Niedersachsen

Nach Tod von Frühchen am Klinikum Oldenburg: Ermittlungen gegen Klinikpersonal

Am Klinikum Oldenburg soll ein Säugling an verunreinigter Milchpulvernahrung gestorben sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

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Am 7. Juni starb ein frühgeborenes Kind auf der Intensivstation des Oldenburger Klinikums an einem Keim. Ein weiteres erkranktes Baby hat sich mittlerweile erholt.

Am 7. Juni starb ein frühgeborenes Kind auf der Intensivstation des Oldenburger Klinikums an einem Keim. Ein weiteres erkranktes Baby hat sich mittlerweile erholt.

© Ingo Wagner / dpa / picture alliance

Oldenburg. Nach dem Tod eines frühgeborenen Babys wegen verunreinigter Milchpulvernahrung am Klinikum Oldenburg ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen Klinikpersonal. Es werde untersucht, ob Hygienevorschriften verletzt worden seien, sagte der Sprecher der Oldenburger Staatsanwaltschaft, Matthias Rennecke, am Mittwoch.

Es müsse geklärt werden, ob Fehler gemacht wurden. Details zu dem oder den beschuldigten Menschen nannte er mit Verweis auf Persönlichkeitsrechte zunächst nicht. „Das beschuldigte Personal ist bislang noch nicht vernommen worden“, teilte er mit. Zuvor hatte die Anklagebehörde wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt ermittelt.

Der frühgeborene Säugling war nach Klinik-Angaben am 7. Juni auf der Intensivstation gestorben. Untersuchungen ergaben, dass die Nahrung, die das Baby am 3. Juni – einen Tag nach seiner Geburt – bekam, mit einem Keim belastet war. Ein weiteres Frühchen, das wegen der verunreinigten Milch schwer erkrankte, hat sich erholt. Es sei noch nicht absehbar, ob Folgeschäden bleiben, sagte Kliniksprecherin Sigrid Jürgensmann.

Umweltkeim Cronobacter wurde nachgewiesen

Der Umweltkeim Cronobacter wurde bei drei weiteren Babys nachgewiesen, die dem Krankenhaus zufolge aber keine Krankheitszeichen zeigten. Der Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Oldenburg Professor Axel Heep erklärte dies damit, dass diese Babys zwei bis zweieinhalb Wochen älter waren. Ihm zufolge dauert es ungefähr zwei bis drei Wochen, bis die Darmflora eines neugeborenen Kindes eine gewisse Stabilität aufgebaut hat.

Der gefundene Keim kommt dem Krankenhaus zufolge im Staub, auf dem Boden, im Ab- und Trinkwasser und auf Oberflächen vor. Für Babys bis zum 12. Monat könne er eine Gefahr bedeuten, für ältere Kinder und Erwachsene nicht. „Das ist kein multiresistenter Keim“, sagte Heep. In der Regel sei dieser Cronobacter gut mit Antibiotika zu behandeln.

Wie der Keim in die Milchpulvernahrung kam, ist bislang unklar. „Außer in dieser einen Milch-Probe haben wir nichts gefunden“, sagte Heep. Da bei der Zubereitung von Nahrung in der Milchküche des Krankenhauses sogenannte Rückstellproben genommen und vorübergehend aufbewahrt werden müssen, konnte geklärt werden, welche Kinder belastete Nahrung erhielten.

Abstriche in der Milchküche

Das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen hat nach Angaben der Kliniksprecherin weitere Abstriche in der Milchküche genommen. Diese Proben würden nun untersucht. „Das wird ein paar Tage dauern“, so Jürgensmann. Zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft äußerte sich das Krankenhaus zunächst nicht näher, sondern bestätigte lediglich den Sachverhalt.

Die Frühgeborenen-Station des Krankenhauses ist Direktor Heep zufolge die größte in Niedersachsen. Pro Jahr werden demnach rund 120 Babys betreut, die mehr als acht Wochen zu früh auf die Welt gekommen sind. „Das ist auf Niedersachsen bezogen die größte Frühgeborenen-Einheit, die es gibt“, sagte er mit Blick auf die Zahl der Frühgeborenen.

Von der Keimbelastung und den fatalen Folgen zeigte er sich erschüttert. „Wir sind alle tief betroffen und es tut uns natürlich auch leid.“ Das Krankenhaus sei mit den Eltern des gestorbenen Babys im Gespräch und versuche, sie zu unterstützen. (dpa)

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